Mittwoch, 28. Dezember 2011

Ein Blick auf die Hitparade

Ein aktueller Blick auf die Spitze der offiziellen deutschen Single-Charts lohnt sich, denn es muss lange her sein, dass Platz 1 und 2 derart geschmackssicher besetzt waren wie in dieser Woche. Sind the kids doch alright und es gibt ein Leben nach David Guetta? Oder besorgen sich inzwischen doch wieder viele Menschen gesetzteren Alters einzelne Lieder per bezahltem Download? Wie auch immer:

Den Platz an der Sonne hält Lana del Rey, deren herrlich trauriger Song "Video Games" mehr als nur ein bisschen an die große Nancy Sinatra erinnert, sowohl was del Reys schnurrendes Timbre, als auch was das orchestrale Arrangement angeht. Man kann natürlich diesen ganzen Stil für völlig altmodisch, melodramatisch überzogen und uncool halten, deutlich mehr Vergnügen hat man allerdings, wenn man sich schwelgerisch auf die Verführung durch Sirene del Rey einlässt.



Direkt dahinter folgen Gotye feat. Kimbra mit "Somebody That I Used to Know". Der australische Singer-Songwriter mit belgischen Wurzeln ist in seiner Heimat schon länger populär, doch erst dieses Duett mit der Neuseeländerin Kimbra, bei dem beider Stimmen wunderbar harmonieren und das auf sehr bittersüße und dennoch ohrwurmlastig groovende Art und Weise von einer missglückten Beziehung berichtet, bescherte ihm auch auf dieser Seite der Erde großen Erfolg.



Und wenn man vom weiteren Material aus den jeweiligen Alben ausgehen mag, dann könnte das wohl tatsächlich nicht das letzte Mal gewesen sein, dass Lana del Rey oder Gotye auf den vorderen Plätzen der Hitparade landen. Deswegen hier gleich noch zwei weitere Anspieltipps als Kaufempfehlung für Gotyes diesen Monat erschienenes Album "Making Mirrors" und Lana del Reys heißersehntes Debüt "Born to Die", das ab 27. Januar 2012 erhältlich sein wird.



Sonntag, 11. Dezember 2011

adlerkuss im Advent: adlerkuss' liebste Weihnachtsmusi (8)

Wie versprochen am heutigen dritten Adventssonntag die zweite Hälfte von adlerkuss' diesjähriger feinster Auslese der weihnachtsfestlichen Unterhaltungsmusik. Wie immer zum Anhören und Herunterladen. O du fröhliche Weihnachtsmusikzeit!

Der ebenso auf dem absteigenden Ast befindliche wie fiktive Altrocker Billy Mack nimmt in der romantischen Weihnachtskomödie "Tatsächlich Liebe" eine Coverversion von "Love is All Around" auf - "except that we've changed the word 'love' to 'Christmas'!", wie Mack im Film triumphierend einem Radiomoderator erzählt. Auf unwiderstehliche Art und Weise von Bill Nighy als Billy Mack dargeboten, ist "Christmas is All Around" ein augenzwinkerndes Weihnachtsvergnügen mit definitivem Ohrwurmfaktor.


Christmas.Is.All.Around by Anthony-54


"It Came Upon a Midnight Clear" ist ein Mitte des 19. Jahrhundert entstandenes Weihnachtslied, das den Lobgesang der Engel anlässlich Christi Geburt zum Thema hat. Die vor allem durch "Kiss Me" und ihre Version von "There She Goes" bekannte amerikanische Band Sixpence None The Richer legte 2003 eine sehr winterlich träumerisch elegante Version der klassischen Melodie vor.


It Came Upon A Midnight's Clear - Sixpence None... by TheVideoHaus


Für das legendäre und großartige Zeichentrick-TV-Special "A Charlie Brown Christmas", von dem hier letztes Jahr schonmal die Rede war, komponierte Jazzmusiker Vince Guaraldi 1965 den Soundtrack. 2011 coverte Mayer Hawthorne auf durchaus gelungene Art und Weise die sehr zum Kuscheln vorm Kamin einladende Pianoballade "Christmas Time Is Here" und erinnert dabei an einen croonenden Elvis Costello.




Der einzige deutschsprachige Beitrag in dieser Selektion wurde im vergangenen Jahr in einem Kommentar empfohlen und ist in seiner Schilderung des weihnachtlichen Besuches eines Pärchens bei ihren Eltern wahrlich sowohl "realistisch", als auch "mit dem kleinen extra Schuss Magie" ausgestattet, wie BB es den Nagel auf den Kopf treffend im Kommentar formulierte. Denn manchmal ist es doch wirklich so einfach, wie es Indie-Ikone Olli Schulz im herzerwärmenden "Merry Christmas" formuliert: "'Merry Christmas' ist wenn du mich küsst, alles andere ist egal."




Der kanadische Liedermacher Ron Sexsmith formulierte in seinem textlich wie melodisch zarten und wunderschönen Gitarrenstück "Maybe This Christmas" im Jahr 2002 die Hoffnung, dass vielleicht ja diese Weihnachten Liebe und Verständnis vorherrschen werden. Der fromme Wunsch wurde zum Titel einer mehrteiligen Serie von durchaus empfehlenswerten und namhaft besetzten Indie-Pop-Weihnachtssamplern und tauchte außerdem im Soundtrack von Westküsten-Dawson's-Creek-Abklatsch "OC California" auf.



Mein erklärter Favorit in dieser Weihnachtsmusiksaison ist "Hallelujah (Christmas Is Here)" von der norwegischen Band Sunturns. Das Lied ist festlich, hymnisch, niedlich und groovy zugleich und könnte von einer vom Weihnachtsmann persönlich abgesegneten Mixtur der besten Seiten von Vampire Weekend und Belle & Sebastian stammen. Außerdem ist es das erste mir bekannte Weihnachtslied, in dem Eminem erwähnt wird. Herrlich!




Eine nicht ganz so traditionelle Weihnachtsfeier im Familienkreis, bei der Margaritas gereicht werden ("'cause we all want one!") und niemand so genau weiß, was man vom neuen Freund der kleinen Schwester halten soll, da dieser ja Mexikaner ist, beschreibt "Merry Christmas From the Family". Schöner als die Originalversion des Countrybarden Robert Earl Keen ist die reduziert instrumentiert und als Duett arrangierte Fassung von Lindley Ruth and Her Tipsy String Band feat. Jordan Hall. "Blue Christmas", von dem man eh nie genug kriegen kann, gibt's als Coda auch noch dazu.




Ebenso respektlos wie witzig ist "Whiskey Christmas" von Darby O'Gill and the Little People, eine schunkelselige Ode an Alkoholmissbrauch statt Weihnachtsbrauch im Stile eines Irish Pub Songs. Besonders die Tatsache, dass ein Kinderchor im Refrain fröhlich mitsingt, ist herrlich politisch unkorrekt (gerade ganz am Ende des Songs!). Man beachte auch den Albumtitel, kicher...




Auch in diesem Jahr führt kein Weg an George Michaels ewiger Reminiszenz an die Liebschaft der vergangenen Weihnacht vorbei. In den deutschen Single-Charts belegt "Last Christmas" derzeit Platz 31 (Tendenz steigend) und auch im Finale der britischen Version von X-Factor schmetterte einer der Kandidaten heute Abend den vor 27 Jahren von Wham! veröffentlichten Klassiker des Weihnachtspops. Ganz mutige Gruselfreunde können hier auch mal bei Matthias "Verdammt ich lieb' dich" Reims ganz schrecklicher, brandaktueller Neufassung "Letzte Weihnacht" reinhören und natürlich gibt es auch auf dem songeigenen Blog zahllose Herangehensweisen an den Evergreen. Einfach nur sehr gut gelungen ist jedoch die Version von James Dean Bradfield aus dem Jahr 1996. Das sehnsuchtsvolle Timbre in der Stimme des Sängers der Manic Street Preachers und die Begleitung durch die Akustikgitarre ersetzen Kitsch und Schmalz durch authentisches Gefühl und erinnern mittels dieser frischen Version von "Last Christmas" daran, wie gut der tendenziell doch ganz leicht überhörte Song eigentlich ist.




Noch einmal eine ganz andere Kategorie von Klassiker ist jedoch natürlich "Stille Nacht, heilige Nacht" von Franz Xaver Gruber und Joseph Mohr, das am Heiligabend 1818 in Oberndorf bei Salzburg uraufgeführt wurde. "Stille Nacht" gilt als das bekannteste Weihnachtslied überhaupt und wurde im Laufe der letzten fast 200 Jahren nicht nur von u.a. Elvis Presley, ">Bing Crosby (der von "Silent Night" mit 15 Millionen die drittmeisten Singles der Musikgeschichte verkaufte) den Roten Rosen oder John Denver mit den Muppets gesungen, sondern auch und vor allem von Millionen unterm Weihnachtsbaum versammelten Familien auf der ganzen Welt. Eine sehr schöne Fassung ist die französischsprachige Version von IAMX. Der ehemaligen Sneaker-Pimps-Sänger kombiniert seine grandiose flamboyante Stimme mit sehr reduzierter elektronischer Begleitung zu einem wunderschönen, äußerst würdigen, getragen festlichen "Douce Nuit".

Donnerstag, 8. Dezember 2011

adlerkuss im Advent: adlerkuss' liebste Weihnachtsmusi (7)

Wie bereits damals im Jahr 2010 präsentiert adlerkuss auch in diesem Advent einen bunten musikalischen Strauß weihnachtsfestlicher Favoriten, sowohl zum Lauschen als auch passend zur milden Zeit der Nächstenliebe und Großzügigkeit immer als mp3, sodass der geneigte und eifrig ladende Leser noch deutlich vor dem Fest einen neuen randvoll gepackten Weihnachtssampler sein eigen nennen kann.


adlerkuss liebste Weihnachtsmusi 2011 in zwei Teilen beginnt mit dem wunderschön stimmungsvollen und glöckchenseligen Weihnachtssong der Alternative-Legenden von Smashing Pumpkins. Entstanden 1997 beweist "Christmastime", dass sich Billy Corgan und Co. trotz des Bandnamens nicht nur in Halloweengefilden wohl fühlen.




Aus Phil Spectors wunderbarem Weihnachtsalbum "A Christmas Gift For You", von dem jeder Song hier auftauchen könnte (und im Laufe der Jahre wohl auch wird!) stammt "I Saw Mommy Kissing Santa Claus" in der schmissigen Version der Ronettes. Lyrisch ambivalent handelt das Lied entweder von einem naiven Kind, das nicht durchschaut, dass es sich bei dem Weihnachtsmann um Papa handelt oder von einer durchtriebenen Mommy.




Das Folkduo She & Him, bestehend aus M.Ward und der entzückenden, hauptsächlich als Schauspielerin bekannten Zooey Deschanel veröffentlichte im Spätherbst dieses Jahres "A Very She & Him Christmas", das wenig originelle, aber sehr schön anzuhörende Versionen populärer Weihnachtstitel versammelt. Ganz besonders nett ist ihre & seine Adaption von Brenda Lees Fünfziger-Jahre-Hit "Rockin' Around the Christmas Tree".




Als herzerweichendes Stück über unerwiderte Liebe zur festlichsten Zeit des Jahres ist "Blue Christmas" seit seiner Erstveröffentlichung durch Doye O'Dell 1948 sowohl beim Publikum als auch für Neuinterpretationen sehr beliebt und weder die Beach Boys, noch King Elvis ließen es sich nehmen, ihre eigene Version beizusteuern. Hier gibt es "Blue Christmas" jedoch in der leicht entkitschten und doch berührenden Version der Indie-Heroen von Bright Eyes.




"Christmas Time All Over the World" von Sammy Davis Junior bietet nicht nur swingenden Groove und einen Kinderchor im Hintergrund, sondern auch Weihnachtsgrüße in insgesamt neun Sprachen von Norwegisch bis Japanisch. Letztere werden im Lied zwar etwas kritisch beäugt ("though [...] the language is strange"), aber trotz dieser Prise Anglozentrismus verbreitet der Song wohlige Weihnachtsstimmung. Merry Christmas Everybody!




Der grandeurgetränkte Eklektizismus von Get Well Soon hat es 2008 und 2010 in meine Top 5 der Alben des Jahres geschafft und natürlich genügt auch die Weihnachts-EP "Songs Against the Glaciation" dem im Titel angedeuteten Anspruch, selbst Gletscher zum Schmelzen zu bringen. "You're Using All Your Senses Just For Being Sad" hat zwar textlich keinen Weihnachtsbezug, ist jedoch glöckchenerfüllt arrangiert und enthält ein pompöses Sample von Karel Svobodas großartiger Filmmusik zum saisonalen Klassiker "Drei Nüsse für Aschenbrödel".




"Driving Home for Christmas", die meiner Meinung nach auch durch sehr frequente Verwendung im Radio nicht kaputt zu kriegende Weihnachtssingle von Chris Rea aus dem Jahre 1988, beschreibt sehr schön die Weihnachtsfans wohl bekannte Vorfreude aufs festliche Miteinander während der Heimreise in den Schoß der Familie. Den Song sollte man unbedingt im Reisegepäck haben, wenn überfüllte Autobahnen, Züge oder Flughäfen zur Weihnachtszeit das Leben erschweren.




Tim Wheeler, der Sänger von Ash (die im Kölschen Sprachraum durchaus auch mal mit der deutschen Teenieband Echt verwechselt wurden) und Songwriterkollegin sowie Lebensgefährtin Emmy The Great haben in diesem Jahr ein sehr erfrischendes und empfehlenswertes Weihnachtsalbum voller stimmungsvoller und textlich augenzwinkernder Perlen veröffentlicht. Eine davon ist das sehr eingängige "Home For Christmas", das sich mit festlicher Jugendliebenostalgie beschäftigt.




Die amerikanische Indierock-Größen von Yo La Tengo spielen alljährlich eine Reihe von überaus populären Weihnachtskonzerten in ihrer Heimatstadt Hoboken in der Nähe von New York City. Im Jahr 2002 veröffentlichten sie außerdem die saisonale EP "Merry Christmas from Yo La Tengo", auf dem sich unter anderem auch dieses sehr herzige Folk-Cover des Doo-Wop-Klassikers "It's Christmas Time" von The Qualities finden lässt.




Nicht eben herzig, jedoch herzhaft rockend ist "Hark! The Herald Angels Sing" in der Version der Roten Rosen, wie sich die Toten Hosen für ihr äußert viel Vergnügen bereitendes Album "Wir warten aufs Christkind" umtauften. Weihnachtsquiz-Trivia: Der Text zu "Hark!" entstand bereits 1739 und gut hundert Jahre später wurde das Lied dann auch erstmals mit der heute üblichen Melodie gesungen, die ursprünglich von einer Kantate des deutschen Komponisten Felix Mendelssohn stammt.



Die zweite Hälfte von adlerkuss' liebster Weihnachtsmusi 2011 gibt es dann am Abend des dritten Advents. Mehr, wenn ihr mich wiederseht, ihr müsst unbedingt gucken wie's weiter geht! Ho ho ho!

Montag, 5. Dezember 2011

Alles Gute! adlerkuss gratuliert Johannes Heesters zum 108. Geburtstag!

Operettensänger und Schauspieler Johannes Marius Nicolaas Heesters sang 1927 für die Comedian Harmonists vor, entschied sich dann aber doch für eine Karriere bei Operette und Film, wo er in den 30er und 40er Jahren zu den populärsten Stars überhaupt gehörte. Den Graf Danilo aus Lehárs "Lustiger Witwe", der zu seiner Paraderolle wurde, sang Heesters in seiner Karriere über 1600mal. Mit 100 versprach er Thomas Gottschalk auf dem "Wetten Dass!!??"-Sofa 5 Jahre später wieder zu kommen, mit 105 tat er dasselbe und nun ist es wohl rücktrittsbedingt Tommy, der die Verabredung platzen lassen wird. Heesters geplantes Geburtstagskonzert musste wegen eines Schwächeanfalls mit anschließendem Krankenhausaufenthalt zwar abgesagt werden, seinen heutigen 108. Ehrentag feiert der zweitälteste in Deutschland lebende Mann jedoch schon wieder zuhause.

Hier der noch fast blutjunge Heesters mit süßen 89 Jahren als Danilo mit seinem wohl größten Hit: "Heute geh'n wir ins Maxim".



Fröhliches Champagnerisieren zum 108. Geburtstag!

Sonntag, 27. November 2011

Dojos' warme Platten: Blind Pilot - We Are the Tide

Einem blinden Piloten zu vertrauen ist ja nicht allzu selbstverständlich, dass manche von ihnen aber doch zu blindem Vertrauen berechtigen, beweisen die zauberhaften Blind Pilot auf ihrem zweiten Album „We are the Tide.“ Bereits 2008 ließ die Band aus Oregon mit ihrem Debüt „Three Rounds and a Sound“ aufhorchen, und kreiert nun das, was man Nachfolgewerken immer wünscht: Einen Sound der so frisch klingt, als hätte es den Erstling nie gegeben, und einen Stil, der an seinem Risiko gereift ist.

Zum Stilbruch lassen die Indie-Folker es trotzdem nicht kommen. Gleich der Opener „Half Moon“ klingt ein bisschen wie der Aufprall von Gary Barlow im erfrischenden Pool, nachdem ihn Chris Martin vom Meterbrett geschubst hat. „I dreamt a trail up to the sky / And my brothers built propellers / Just to see how far they‘d fly.” Zeilen wie diese zeigen, dass Barlow sicher nicht umsonst geflogen ist, und dass es für mindestens eine Albumlänge zum Glück keines Auftauchens bedarf, weder für Barlow, noch für uns. „Tell me more than what you can guess. / Feel like thunder then quick to forget / Always looking for what is not yet.“ heisst es in “Always” und man bekommt das Gefühl, dass eben jenes, das da noch nicht ist, sich zumindest erahnen lässt, wenn auch nur für einen kurzen Moment mit der versöhnlichen Leichtigkeit des Refrains. Dieses schmerzumwölkte Pop-Appeal, wird vor allem in den mittleren Songs des 10-Track-Albums spürbar. Vehement verweigert sich jetzt Israel Nebekers Stimme jedem Anflug von Pathos, und formt so eine scheue Dringlichkeit, der ein spärliches Instrumentarium genügt, um die Lieder so klingen zu lassen, als wären sie rechtzeitig vor dem Bügeleisen aus James Blunts Hosentasche gerettet worden.
„Born in like a reason. / blown out like a Ghost.“ singt Nebeker in „Just One“, einem schwindelerregend schönen Folksong, der das Album mit beschließt.

Man mag diese Prophezeiung beim besten Willen nicht in Frage stellen, wenn uns Blind Pilot nach knapp 40 Minuten wieder den Geräuschen fern ihres Longplayers überlassen, und wenn das, was sich vorher still anfühlte, jetzt in eigenwilliger Tiefe nachklingt. Oder, um es mit den Worten der Band zu sagen: „..and these lines tell the truth, / these city veins answer all they do / So, could you keep me in the pulses, could you keep me in the sound….“ Nichts leichter als das.

Donnerstag, 24. November 2011

Gone, but not forgotten: Freddie Mercury starb heute vor 20 Jahren

Der 1946 als Farrokh Bulsara auf Sansibar geborene Leadsänger von Queen gilt gemeinhin und zurecht als größter Rock-Frontmann aller Zeiten. Der auf der Bühne stets herrlich exaltiert agierende Mercury fand Anfang der 70er Jahre in London mit Bassist John Deacon, Gitarrist Brian May und Schlagzeuger Roger Taylor zusammen, der Rest ist Musikgeschichte: Queen verkauften über 300 Millionen Alben und viele ihrer Songs gingen ins kollektive Kulturgut ein, so wüssten Sportveranstalter ohne "We Are the Champions" beileibe nicht, was bei Siegerehrungen sonst zur Untermalung gespielt werden könnte. Freddy Mercury starb am 24. November 1991, nur einen Tag nachdem er seine AIDS-Erkrankung öffentlich gemacht hatte, an den Folgen einer Lungenentzündung.

Hier einer der größten Live-Momente von Queen, ihr sensationell mitreißender Auftritt bei Live Aid in London 1985:



Und hier noch die großartige, wohl auch Steine erweichende fünfte und letzte Single vom letzten zu Freddies Lebzeiten erschienenen Queen-Album "Innuendo":



Those days are all gone now but one thing's still true: when I look and I find I still love you....

Mittwoch, 23. November 2011

"Show Me the Place": Neue Musik von Altmeister Leonard Cohen!

Heißa, das nächste Jahr geht musikalisch ja schonmal äußerst viel versprechend los: Singer-Songwriter-Legende Leonard Cohen wird Ende Januar 2012 sein erstes Studioalbum seit 8 Jahren veröffentlichen. Einen ersten Einblick in "Old Ideas" bietet uns der 77(!)-jährige schon jetzt, denn den Song "Show Me the Place" kann man sich auf Cohens Website (oder einfach unten) anhören. Mit seinem eindringlichen Text und dem warmen, ja geradezu feierlichen Arrangement mit Klavier, Streichern und Jennifer "Time of My Life" Warnes als Backgroundsängerin übertrifft "Show Me the Place" die hohen Erwartungen, die man an neues Material eines Künstlers von Cohens Rang hat sogar noch und garantiert sowohl Gänsehaut als auch viele Male wiederholtes Betätigen des Play-Buttons. Bei Vorbestellung des neuen Albums (zu äußerst fairen Preisen) hier bekommt man den Song sogar zum sofortigen Download. Hach, willkommen zurück, großer alter Mann!

Freitag, 18. November 2011

adlerkuss im Kino: Submarine

Oliver Tate (Craig Roberts) ist ein 15jähriger Außenseiter, der Shakespeare liebt und sich in teenagerüblicher Selbstbesessenheit gern als Hauptfigur eines fiktiven Filmes imaginiert. Oliver, der in einer ganz besonders trostlosen Variante eines verregneten Wales lebt, hat sich zwei Missionen gesetzt: Zum einen möchte er die eingeschlafene Ehe seiner Eltern (Noah Taylor, Sally Hawkins) wieder auf Vordermann bringen, zum anderen ist da Pyromanin Jordana (Yasmina Paige), seine erste große Liebe, mit der die Dinge ebenfalls alles andere als einfach sind...

Dieser Oliver ist ein liebenswerter Freak, der wie eine Mischung aus Harold (ohne Maude) und der verjüngten Variante eines durchschnittlichen Woody-Allen-Protagonisten daherkommt, ein Poster des Stadtneurotikers hängt konsequenterweise auch über seinem Bett. Einen Großteil seiner herrlich trockenen Komik zieht der Film aus dem Kontrast von Olivers durch Voiceover und schicke Schnitte vermittelte Gedankenwelt und seiner tatsächlichen Lebensrealität. Neben Craig Roberts, der in der Hauptrolle einem der großartigsten skurrilen Charaktere der jüngeren Filmgeschichte Leben einhaucht, glänzt auch der Rest der Darstellerensembles, allen voran Happy-Go-Lucky Sally Hawkins und Noah Taylor, die auf berührende Art und Weise ein Paar darstellen, dem die Liebe abhanden gekommen scheint.

Richard Ayoade, dem einen oder anderen evtl. bekannt als Computernerd Moss aus der britischen Comedyserie The IT Crowd, ist ein außergewöhnliches Drehbuch- und Regiedebüt gelungen, das gleichzeitig absurd überzogen, aber auch absolut nachfühlbar den Schrecken, die Verunsicherung und hin und wieder auch das ungestüme Glück zeigt, die gern auch sprunghaft abwechselnd die Pubertät prägen. Ayoade inszeniert leichtfüßig, anspielungsreich und nähert sich wann immer es passt auch der Ästhetik von Musikvideos. Überhaupt, die Musik: Alex Turner, der Sänger der Arctic Monkeys, hat für den Film eine Hand voll wahrlich großartiger Songs geschrieben, die die Handlung untermalen, unterstützen und auch selbst voran treiben.

"Submarine" ist sicherlich die beste (Tragi-)Komödie des Jahres, ein kleines, charmantes, absolut gelungenes Meisterwerk, das weit über den Kinobesuch hinaus verzaubert und begeistert. Unbedingt ansehen!

Deutscher Kinostart: 17. 11.
Wertung: 5 von 5 Adlern.



Samstag, 12. November 2011

Herrlich harmonischer Indiepop: The Deprevations' neueste EP im Stream und zum Download

Die "Mosey EP" der vierköpfigen irischen Band The Deprevations wurde bereits im Februar veröffentlicht, ich bin allerdings erst jetzt über selbige gestolpert und schwer angetan. Klanglich eine Kreuzung aus Fleet Foxes und The XX und gleichzeitig doch ganz anders bieten The Deprevations auf diesen fünf sehr sparsam arrangierten kleinen Songperlen wunderbaren Harmoniegesang, der in Ohr und Herz geht. Den eigenen Anspruch beschreibt die Band auf ihrer Website recht charmant: "We try to make pleasant yet interesting songs for you to hear in your ears which will give you some kind of joy or something." Das Debütalbum der Herren aus Galway soll noch dieses Jahr erscheinen und böte so sicher eine geschmackvolle Ergänzung des weihnachtlichen Gabentisches.

Montag, 31. Oktober 2011

Alles Gute? adlerkuss gratuliert dem 7000000000. Erdbewohner zur Geburt.

Laut Angaben der Vereinten Nationen wurde heute der siebenmilliardste Erdbürger geboren, symbolisch wurde in einem Kreißsaal in Manila die kleine Philippinin Danica May Camacho als Jubiläumsbaby begrüßt. Der Bevölkerungsfond der Vereinten Nationen hat zu diesem Anlass auch eine Website eingerichtet, die nicht nur einen Weltbevölkerungs-"Count-Up" bietet, sondern auch zu Maßnahmen für globale Entwicklung informieren und inspirieren möchte.

Symptome und Folgen der anhaltenden Bevölkerungsexplosion erläuterte Sir David Attenborough, der Grandseigneur der britischen TV-Dokumentation, letztes Jahr in seiner hoch interessanten Dokumentation "How Many People Can Live On Planet Earth", die ich aus aktuellem Anlass nur noch einmal wärmstens empfehlen kann:

adlerkuss wünscht Happy Halloween - David Lynchs Album im Stream und 2 Songs zum Download!

Happy Halloween!

Passend zum morbiden Charme des Halloweenmontages kann der interessierte und mutige Hörer ab heute dem ersten Album von Meisterregisseur David Lynch lauschen. Der Schöpfer von "Twin Peaks", "Blue Velvet" und "Mulholland Drive", der uns Zuschauer ja schon oft in die dunkelsten Abgründe der menschlichen Seele geführt, Angst gemacht und/oder sowohl ratlos als auch verstört-fasziniert zurück gelassen hat, tut eben dies auch mit seinem musikalischen Debüt "Crazy Clown Time" (es gibt nix gruseligeres als Clowns!), das es hier in voller Länge anzuhören gibt. Eventuell ja als Betthupferl vor dem Schlafen gehen....

Hier schonmal der völlig abgefahrene Titeltrack (ich hasse Clowns!) und das eingängigere, jedoch nicht weniger eindringlich-gespenstische "Pinkie's Dream" (potenziell ein Albtraum...) mit Gastsängerin Karen O von den Yeah Yeah Yeahs zum Anhören und zum Download:

CRAZY CLOWN TIME- DAVID LYNCH by DEMAIN MAGAZINE

David Lynch - Pinky's Dream (feat. Karen O) by Pretty Much Amazing

Schöne Träume....

Dienstag, 18. Oktober 2011

Alles Gute! adlerkuss gratuliert Chuck Berry zum 85. Geburtstag!

Ohne Chuck Berry wäre die Welt um einige popkulturelle Ikonen ärmer: Die Beatles hätten ohne ihn nie angefangen, Musik zu machen und Angus Young wüsste gar nicht, wie er sich während eines AC/DC-Konzertes über die Bühne bewegen sollte. Auch Mia Wallace groovte in "Pulp Fiction" mit Vincent Vega zu einem seiner Song über die Tanzfläche und Marty McFly coverte ihn in "Zurück in die Zukunft", bevor Berry "Johnny B. Goode" auch nur geschrieben hatte.

Charles Edward Anderson Berry wurde am 18. Oktober 1926 in St. Louis geboren, rockt auch 85 Jahre später noch jeden Monat einmal das Blueberry Hill's in seiner Heimatstadt und gilt neben dem King als einer der größten Rock'nRoller aller Zeiten. Warum das so ist, beweist folgendes, den Zuschauer zum wilden Zappeln nahezu zwingendes Video:



Happy Birthday, Chuck. Go, Berry, go!

Montag, 10. Oktober 2011

Verträumter Indie-Folk-Pop aus Schweden: "Turn Off Your Television" im Stream und zum Download

Als ich neulich so durch das Internet blätterte, stieß ich auf ein Trio aus dem südschwedischen Malmö, dessen Klang eher an Südkalifornien (in dem es ja bekanntlich nie regnet) erinnert. "Turn of Your Television" bieten als Alternative zum Fernsehprogramm ein auf durchgehend hohem Niveau befindliches gleichnamiges Debütalbum voller sanfter, warmherziger, eingängiger Gitarrenmelodien mit Americana-Einschlag.

Reinhören lohnt sich auf jeden Fall und nicht nur für Anhänger der Avett Brothers oder Sparklehorse, an die das ganze hin und wieder erinnert. Zum kostenlosen Download gibt's das ganze Album auch noch. Anspieltipps: "My Satellites" und " Southern Lights of Home Part 2". Wunderbar, um nicht zu sagen: Vad härdligt!

Sonntag, 9. Oktober 2011

Biophilia: Björks berückendes neues Album

Lang hatten die Anhänger der islandischen Sängerin auf "Biophilia", das neue Album von Björ, warten müssen, schließlich waren seit Erscheinen des tendenziell aggressiven und beatlastigen "Volta" , zu dem auch Überproduzent Timbaland ein paar Ummmts und Aaahaas hatte beisteuern dürfen schon viereinhalb Jahre und diverse Aschewolken ins Land gezogen. Außer der langen Pause hatten auch die Ankündigungen bezüglich des Umfangs des "Biophilia"-Projektes für zusätzliche Aufmerksamkeit gesorgt: "Biophilia" ist nicht nur ein Musikalbum, sondern ein multimedialer Overkill aus iPhone-Apps für jeden Song, die Videos, Spiele, natur- und musikwissenschaftliche Texte (und vermutlich auch diverse Kochrezepte, Horoskope und Sudokus?) enthalten, außerdem soll die bevorstehende Welttournee mit Workshops und Vorträgen zu Musik, Technik und Natur ergänzt werden. Wow.

Bei dieser ausurfernden, interdisziplinären Herangehensweise konnten natürlich leicht Bedenken entstehen, ob die Musik selbst (Ewiggestrigen wie mir ist der Rest ja ziemlich wurscht) die Aufregung, die lange Wartezeit und das viele Drumherum wert ist. Kurz gesagt: JA! Biophilia ist für mich das stärkste Björk-Album seit dem Meisterstück "Homogenic" aus dem Jahr 1995. Bei allen Songs steht Björks einzigartig berührende Stimme im Mittelpunkt, die teilweise sogar noch zum Chor vervielfacht wird. Die Instrumentierung hierzu ist meist zurückhaltend und immer ungewöhnlich, unter Einsatz eigens erfundener Musikinstrumente (u.a. ein Tesla-Spulen-Synthesizer!) wurden Gitarre und Klavier völlig verbannt. Der nur spärliche Einsatz von Beats oder überhaupt rhythmisierenden Elementen lässt die Songs gar zauberhaft ätherisch schweben – ein wahrhaft überirdischer Genuss, der deutlich ohrenschmeichelnder und weniger experimentell-herausfordernd ist als vieles, was Frau Guðmonsdóttir in ihrem so vielseitigen bisherigen Œuvre zu bieten hatte, ohne dadurch jeder weniger individuell oder faszinierend zu sein.

Den herausragenden Song "Cosmogony" hatte ich hier ja bereits angepriesen, das gesamte Album kann zum Erwerb (mit oder ohne diesen App-Kram) nur wärmstens empfohlen werden! Hier noch als weiterer Kaufanreiz das offizielle Video zum Eröffnungsstück "Moon":

Donnerstag, 6. Oktober 2011

adlerkuss im Kino: Melancholia

Justine (Kirsten Dunst) und ihr frisch angetrauter Gemahl Michael (Alexander Skarsgård) kommen zu spät zu ihrer eigenen Hochzeitsfeier auf dem Schloss von Justines Schwester (Charlotte Gainsbourg) und deren Mann (Kiefer Sutherland). Doch das ist noch lange nicht das größte Problem des Abends. Justines geschiedene Eltern Gaby (Charlotte Rampling) und Dexter (John Hurt) leisten sich peinliche Szenen, vor allem aber ist die Braut nicht auf der Höhe, zieht sich immer wieder für längere Zeit zurück, wirkt auch emotional abwesend und gesteht Claire schließlich, dass sie schwer depressiv ist. Am Ende der Nacht hat sich Justine durch ihr Verhalten so vom Leben und ihren Mitmenschen entfremdet, dass sie ohne Job und wohl auch ohne Mann dasteht. Im zweiten Teil des Films steht Claire im Mittelpunkt, die ihre kaum noch lebenstüchtige Schwester bei sich aufgenommen hat. Claire, die eigentlich rationalere und selbstbewusstere der beiden wird durch ein kosmisches Ereignis ihrerseits zunehmend panisch: Der bisher unbekannte Planet "Melancholia" (nomen est omen) nähert sich der Erde und ist auf Kollisionskurs. Justine widerum blüht im Angesicht der Katastrophe sichtlich auf...

Regisseur Lars von Trier hatte schon immer ein Faible für leidende Frauen, von der blinden Björk über die gequälte Nicole Kidman bis hin zur völlig durchgeknallten Charlotte Gainsbourg in seinem letzten Film "Antichrist", der dem Zuschauer mit seinen expliziten Sex- und Gewaltszenen einiges abverlangt hatte. "Melancholia" ist im Vergleich dazu oder gar zur spartanischen Inszenierung von Triers Werke im "Dogma"-Stil ein wunderschön durchkomponierter Film mit sensationellen Bildern. Von Trier hatte angekündigt, "a beautiful film about the end of the world" drehen zu wollen und das ist ihm auch in überaus bbeeindruckender Manier gelungen. Noch vor der eigentlichen Handlung steht ein Prolog mit surrealistischen Tableaus in Superzeitlupe; aus Kirsten Dunsts Fingern schlagen Funken, Charlotte Gainsbourg trägt einen Jungen auf dem Arm und versinkt bei jedem Schritt tief im Gras, Vögel fallen tot vom Himmel. Allein diese von Richard Wagners Vorspiel zu "Tristan und Isolde" untermalten Anfangsszenen sind schon das Geld für die Kinokarte wert.

Auch die Leistung der Schauspieler ist fantastisch, allen voran die von Kirsten Dunst, deren subtile und eindringliche Darstellung der nahezu antriebslosen, ihrer eigenen Persönlichkeit abhanden gekommenen Justine ebenso überzeugt, wie deren beinahe unheimliches Aufblühen im Angesicht der nahenden Apokalypse. Charlotte Gainsbourg, deren Claire durchgehend als Gegengewicht zu Justine angelegt ist, bildet einen starken Kontrapunkt und auch das restliche, überaus prominente Ensemble ist ein Genuss.

"Melancholia" erinnert in seiner überwältigenden Stilisierung und seinem Pathos an eine barocke Oper, inhaltlich feiert er jedoch den Weltuntergang als definitive Katharsis für eine degenerierte Gesellschaft. Es ist neben der überwältigenden Darsteller auch dieses Spannungsverhältnis, das den Film so überaus faszinierend macht. Lasst "Melancholia" auf euch zurasen!

Deutscher Kinostart: 06.10.

Wertung: 4,5 von 5 Adlern.







Mittwoch, 28. September 2011

Kurz und gut: "The Crush" und "Animal Beatbox"

In unserer fröhlichen kleinen Kurzfilmreihe gibt es heute die klassisch unwiderstehlichen Inhalte: Kinder und Tiere!

Im Zentrum des Geschehens von "Crush" steht der achtjährige Ardal, der Hals über Kopf in seine Lehrerin verliebt ist. Als er feststellt, dass diese einen Verlobten hat, fordert er den Nebenbuhler zum Duell... Der liebenswerte, irische Kurzfilm von Michael Creagh mit dem gnadenlos coolen Steppke war dieses Jahr für den Oscar nominiert, zog dort jedoch den Kürzeren.




Völlig abgefahren und überaus sehenswert ist auch Damon Gameaus Stop-Motion-Collage-Trip "Animal Beatbox", in dem diverse Tiere am Ufer eines Flusses auftauchen und namentlich erwähnt werden... Die aberwitzige Spielerei, die den Betrachter auch mit absurden Ohrwürmern (z.B. "Monkey! And a Budgie! Horse!") zu infizieren vermag, gewann in diesem Jahr beim australischen Tropfest, einem der größten Kurzfilmfestivals der Welt. Fishhhhhhh!

Samstag, 24. September 2011

Eleganter Indie-Pop von Hush War Cry - reinhören und runterladen!

Die irische Band Hush War Cry aus Cork macht atmosphärisch getragene Indiepopmusik mit falsettartigem Gesang, leichten elektronischen Einschlägen sowie hallenden Gitarren und erinnert dabei an Antony & The Johnsons, Jesus & The Mary Chain oder das hier bereits erwähnte, hervorragende aktuelle Album von The Horrors. Die Debüt-EP von Hush War Cry erscheint erst im Dezember, den wunderbaren Song "Lilly" gibt es allerdings bereits zum Anhören und zum kostenlosen Downloads. Hier kann man noch zwei weitere Lieder hören, die ebenso viel versprechend sind. Eine junge Band, deren Sound bereits jetzt ungeheuer ausgereift und stimmig wirkt. Definitiv ein (etwas seltsamer) Bandname, den man sich merken sollte!

Mittwoch, 21. September 2011

It's the End of the World As We Know It: R.E.M. geben ihre Trennung bekannt!

Eine der nicht nur für mich wichtigsten und prägendsten Bands überhaupt hat heute die einvernehmliche Auflösung verkündet. R.E.M. sind nicht mehr! Auch wenn in den letzten 10 Jahren bis auf den Geniestreich "Leaving New York" nicht mehr allzu viel Beachtenswertes von den Herren aus Athens gekommen war, ist das doch eine eher traurige Nachricht. Well, everybody hurts sometimes.



Sonntag, 18. September 2011

Alles klar auf der Andrea Doria: MTV unplugged mit Udo Lindenberg!

Ich war ja lange nicht besonders empfänglich für die Musik von Udo Lindenberg, seines Zeichens Panik-Rocker und deutsche Musikerlegende, wohl auch weil dieser grade zur Zeit meiner musikalischen Sozialisation in den 1990er Jahren eine tiefe Talsohle in seiner Karriere zu durchwandern hatte. Tatsächlich ist Udos Songkatalog jedoch sowohl musikalisch, als auch vor allem textlich (Benjamin von Stuckrad-Barre, der alte Schwätzer, hält Lindenberg für den besten deutschen Nachkriegslyriker) über jeden Zweifel erhaben. Die schnoddrig-coole Stimme und der meist sprechgesangliche Vortrag bleiben natürlich Geschmackssache, aber dennoch sollte die Tatsache, dass Udo Lindenberg im Juni ein Unplugged-Konzert für MTV (ja, das gibt's noch!) aufgenommen hat, das jetzt als Album erscheint, ein Anlass sein, mal ins Lindenbergsche Schaffen reinzuhören, denn: "Der Greis ist heiß" (Lindenberg über Lindenberg)!

Beim Unplugged-Konzert hat der inzwischen 65-jährige Mann mit der Sonnenbrille und dem Hut sichtlich bzw. hörbar Spaß und außerdem noch hochkarätige Gaststars (u.a. Max Herre, Clueso und Jan Delay) auf der Bühne. Den Auftritt gibt es auf VIVA (ja, das gibt's noch!) nächsten Sonntag um 13:10 Uhr und am 14. Oktober um 16:35 Uhr nochmal zu sehen, zu letzterem Termin erscheint auch die DVD. Zumindest momentan gibt's das ganze auch bei youtube. Anschauen solange es noch da ist!

Zwei wunderbare Stücke hier als Appetithappen: Das offizielle Video zur Vorabsingle "Ein Herz kann man nicht reparieren" mit Inga Humpe und als mp3 zum Download die Trinkerballade "Unterm Säufermond". Wie Udo so gerne sagt: "Lass jucken, ey!"

Alles Gute! adlerkuss gratuliert Anna Netrebko zum 40. Geburtstag!

Anna Jurjewna Netrebko wurde am 18. September 1971 in sowjetischen Krasnodar geboren und ist wohl die dem breiteren Publikum bekannteste zeitgenössische Opernsängerin überhaupt. Neben ihrer viel gerühmten Stimme (ihr "gaumig-gutturales Abdunkeln der Stimmfarbe" (was auch immer das sein mag) gilt als besonders betörend), trägt zum Status als Weltstar sicherlich auch Netrebkos rassig-russische Schönheit und ihre geschickte Vermarktung in Musikvideos, Werbespots, Anzeigen etc. bei. Gleichzeitig scheint Frau Netrebko musikalisch Puristin zu sein und man kann ihr durchaus zugute halten, sich nicht auf poppigere Arrangements im Mitklatsch-Rieu-Sound oder ebensolche Kollaborationen, die die Kasse sicher weiter klingeln lassen würden, einzulassen.

Ihr Geburtstagsständchen,eine der wohl populärsten Opernmelodien überhaupt, singt uns "die Netrebko" (wie man das bei großen Diven so sagt) im Duett mit Rolando Villazón gleich selbst: "Libiamo ne' lieti calici", hier von den Salzburger Festspielen 2005. Auf die Netrebko!

Dienstag, 6. September 2011

Neues Album von Girls im Stream!

Vor knapp 6 Wochen bejubelte ich auf diesen Seiten bereits den Appetithappen "Vomit" (zwei Wörter, die man nie direkt hintereinander erwartet hätte), nun gibt es das am 13. September erscheinende, zweite Album von Girls in voller Länge im Stream zu hören. Von den ersten Klängen des Beach-Boys-seeligen Openers "Honey Bunny" bis zur sanften, folkigen Ballade "Jamie Marie" am Ende des Albums ist "Father, Son, Holy Ghost" ein fröhlich-melancholisches Indie-Rock-Album ohne wirkliche Durchhänger und dabei eingängiger und ausgereifter als das mit vielen Brüchen doch eher fordernde erste Werk der "Mädels". Der Höhepunkt bleibt für mich das hier nochmal zum Download bereite "Vomit". "Come into my heart", fordert Sänger Christopher Owens in der hymnischen Coda dieses potenziellen Songs des Jahres wiederholt – zumindest umgekehrt hat "Father, Son, Holy Ghost" bereits einen Platz in meinem Herzen gefunden.

Montag, 29. August 2011

adlerkuss liest: Charlotte Roches "Schoßgebete"


Nachdem Charlotte Roches Debüt, der "Ekelroman" (BILD) "Feuchtgebiete", mit allerlei intimen Details über Ausscheidungen, Analfissur und Avocados aufgewartet hatte und dank des ungeheuren Medienechos mit über 1,3 Millionen verkauften Büchern zu einem ungeahnten Bestseller avancierte, steht seit Mitte des Monats der Nachfolger "Schoßgebete" in den Regalen.

Die Ich-Erzählerin in "Schoßgebete" ist Elizabeth Kiel, 33, die mit ihrem Mann Georg und ihrer Tochter aus einer früheren Beziehung zusammen in Köln lebt. Die äußere Handlung des an drei aufeinander folgenden Tagen spielenden Romans beschränkt sich auf Alltäglichkeiten des Familienlebens, mehrere Besuche Elizabeths bei ihrer Therepeutin und die Planung und Durchführung eines gemeinsamen Bordellbesuchs von Elizabeth und Georg. Weit erschöpfender wird jedoch in ausführlichen, hin und wieder einem Bewusstseinsstrom ähnelnden, frei assoziativen inneren Monologen die Seelenlandschaft Elizabeths beschrieben, die von einem Verkehrsunfall vor acht Jahren, bei dem drei ihrer Brüder ums Leben gekommen waren, traumatisiert ist und auch ihr nomadenhaftes Leben als Kind, dessen Mutter häufig die Partner wechselte, nie überwinden konnte. Von Verlustängsten und Perfektionswahn getrieben, richtet Elizabeth ihr Leben darauf aus, ihrem Kind ein gutes Zuhause zu bieten und alles zu tun, damit ihr Mann sie niemals verlassen möge. Mann und Kind werden dann auch ganz rational als einzige Gründe gegen Suizid genannt.

Emotionale Untiefen sind es, die Roche da erforscht und die auch dank ihres ungekünstelten, nahezu umgangssprachlichen (man könnte auch sagen: trivial vor sich hin plappernden) Stil durchaus ihre Wirkung beim Leser hinterlassen. Diese Elizabeth ist Mitleid erregend unsicher, neurotisch und kann der ewigen Angstspirale ihrer Gedanken nur beim Sex entfliehen.

Endlich, 24 Zeilen hat es hier in einem Text über ein Buch von "Sex-Autorin" (Der Spiegel (!)) Charlotte Roche gedauert, bis das Wort Sex gefallen ist und das liegt hauptsächlich daran, dass Sex zwar hin und wieder angesprochen wird, explizit jedoch nur zu Beginn und zum Ende des Romans vorkommt. In der Berichterstattung über das Buch ("Literatur oder schon Porno?") ist der Beischlaf natürlich das Auflagen machende, bestimmende Thema und der herausgebende Verlag Piper (""Schoßgebete" widmet sich einem unserer letzten Tabus: dem ehelichen Sex") weiß die öffentliche Diskussion verkaufsfördernd anzuheizen. Dabei verkommt Sexualität im Roman nie zum Schockwert oder zum Selbstzweck, sondern erfüllt für die Protagonistin die bipolaren Funktionen des Loslassens ihrer ewig quälenden Gedanken und des Festhaltens und Stärkens der Beziehung zu ihrem Mann.

Nicht unerwähnt bleiben dürfen der teils absurde und schwarze Humor, der Roches Stil an vielen Stellen auszeichnet und der sowohl explizite Sexszenen, als auch emotional schwergewichtige Passagen angenehm aufbricht und die lustvolle Überzeichnung Elizabeths, wenn sie beispielsweise doziert: ""Alle Getränke mit Zucker sind bei uns verboten, zum einem aus ganz normaler Amerikafeindlichkeit und weil sie auch sehr ungesund sind."

Der sich ja sowieso schon aufdrängende Vergleich zwischen Roches beiden Büchern, der durch den ähnlichen Titel nochmal forciert wird, fällt auf jeden Fall zugunsten des neuen Werkes aus, das deutlich reifer wirkt als das doch eher grobschlächtige "Feuchtgebiete". In "Schoßgebete" folgen wir 288 teils anstrengende, teils unterhaltsam und berührende Seiten lang dem sowohl schrecklichen, als auch komischen Seelenleben eines Traumaopfers. Und ja ja, Sex kommt schon auch vor.

Sonntag, 21. August 2011

Kurz und gut: "Monster" und "The Dummy"

Kurz und gut bedeutet heute einmal auch kurz und gruselig und ist damit nichts für schwache Nerven. Ich habe euch gewarnt!

In dem sehr atmosphärischen und wirklich angenehmen Grusel verbreitenden Schwarz-Weiß-Kurzfilm "Monster" geht es um eine Mutter, die mit der lebhaften Fantasie ihres Sohnes zu kämpfen hat, der behauptet, dass im Schrank ein Monster leben würde. Doch bald ist sich auch Mama nicht mehr ganz sicher...




"The Dummy", eine Filmhochschularbeit aus dem Jahr 1982 ist zumindest in den USA durch häufige Wiederholungen in der Anfangszeit des Kabelfernsehens ein Klassiker des Horrorkurzfilms. Trotz seiner sehr beschränkten Mittel ist "The Dummy" auch heute noch sehr effektvoll und verstörend. Die Handlung muss nicht kurz angedeutet werden, denn dass Bauchrednerpuppen Angst machen und pauschal böse sind, weiß ja eh jeder. Ein Einbetten des Films ist leider nicht möglich, doch der Extraklick lohnt sich.

Samstag, 20. August 2011

Gone, but not forgotten: Rio Reiser starb heute vor 15 Jahren

Mit Ton Steine Scherben machte der als Ralph Möbius geborene Rio Reiser Agitrock und Hausbesetzerhymnen für die linke Szene Westberlins ("Macht kaputt, was euch kaputt macht!), schrieb jedoch auch wunderschöne Liebeslieder ("Halt dich an deiner Liebe fest") und sicherte sich so einen Platz unter den ganz Großen der deutschen Popmusikgeschichte. Solo lavierte Reiser mit wechselndem Erfolg im Spannungsfeld von NDW, Schlager, Rock und Liedermacherei und war nebenbei auch als Autor und Schauspieler tätig.

Rio Reiser, der König von Deutschland, starb am 18. August 1996 im Alter von nur 46 Jahren an inneren Blutungen. Es ist vorbei, bye bye, Rio.



Montag, 15. August 2011

Sonniger Surf-Pop aus Irland: Das Debütalbum von Squarehead im Stream!

Das erste Album des Dubliner Trios Squarehead beglückt mit altmodischem Rock'n'Roll sowie groovendem Surf Pop und zaubert einen strahlend sonnigen Sommer 2011, wie es ihn im echten Leben nie gab. Das unangebracht bescheiden "Yeah Nothing" betitelte Werk, das hin und wieder auch an die frühen Weezer erinnert, hat mich schon beim ersten Hören schwer begeistert und ist mit seinen ein Lächeln ins Gesicht und ein Zucken ins Tanzbein zaubernden Klängen durchaus ein Kandidat für Jahreshighlightlisten. Hier bei adlerkuss anhören und dann gleich digital kaufen oder die CD vorbestellen!

Squarehead - Yeah Nothing [RIC027] by Richter Collective

Samstag, 13. August 2011

Ich glotz' TV: 5 Empfehlungen für das Fernsehprogramm von Sa. 13.08. bis Fr 19.08.

Samstag 13.08. 3Sat 20:15 Uhr
Halpern & Johnson

Joseph Halpern steht am Grab seiner Frau, die nach mehr als 50 Jahren Ehe verstorben ist. Da tritt der ihm völlig fremde Dennis Johnson heran, der seinerseits die Verstorbene jedoch nur zu gut kannte... Lionel Goldsteins Tragikomödie aus dem Jahr 2009, aufgezeichnet im Wiener Theater in der Josefstadt glänzt mit den großen alten Herren des österreichischen Theaters in den Hauptrollen: Otto Schenk (seinerzeit stolze 79 Lenze jung) und Helmuth Lohner (76) spielen grandios und es ist ein wahres Vergnügen solchen Meistern der darstellenden Kunst zuzusehen. Oft ist es ja eher schwierig sich für Theater im TV zu erwärmen, dieser neunzigminütige Dialog, der alle Gefühlsebenen durchläuft, ist jedoch mehr als sehenswert.


Sonntag 14.08. ZDF 13:45 Uhr
Durchs wilde Kurdistan

Als etwas weniger zeitaufwändige Sonntagnachmittagsalternative zu "Cleopatra" bietet sich der Karl-May-Klassiker mit Lex "Old Shatterhand" Barker an. Barker als Kara Ben Nemsi muss es mit dem bösen Machredsch von Mosul aufnehmen, der einen befreundeten Scheich gefangen nehmen ließ. Unterstützt wird er dabei natürlich von seinem Freund Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah.


Montag 15.08. arte 20:15 Uhr
Bevor es Nacht wird

Das Biopic von Julian Schnabel ("Schmetterling und Taucherglocke") zeigt das Leben des homosexuellen Autors Reinaldo Arenas im Kuba der 60er Jahre und basiert auf Arenas' gleichnamigem autobiografischen Roman. In der Hauptrolle dieses bildgewaltigen Dramas glänzt Javier Bardem, der mit diesem Part diverse Preise und eine Oscarnominierung einheimste und Johnny Depp (als Transe!) sowie Sean Penn in Nebenrollen sind auch aller Ehren wert.




Mittwoch 17.08. 3Sat 20:15 Uhr
Katja, Valentina, Marina - Eine russische Trilogie

Der Schweizer Journalist Christoph Müller hat für diese Langzeitdokumentation den Lebensweg dreier Frauen seit dem Ende der Sowjetunion begleitet. Anhand ihres Schicksals zeichnet Müller ein Porträt des neuen Russlands seit der dramatischen Umwälzungen vor mittlerweile mehr als 20 Jahren. Berührend und hoch spannend!


Donnerstag 18.08. ARD 22:45 Uhr
Im Tal von Elah

Kaum aus dem Einsatz im Irak heimgekehrt, verschwindet der US-Soldat Mike spurlos. Als seine Leiche gefunden wird, machen sich Mikes Vater (Tommy Lee Jones) und die Polizistin Emily auf Spurensuche... Das Drama des Crash-Regisseurs Paul Haggis wirkt zunächst wie ein Kriminalfilm im Militärmilieu, steht aber dann doch im viel größeren Kontext eines Porträts einer Nation im Krieg. Tommy Lee Jones als Kriegsveteran, dessen Weltbild in Wanken gerät, spielt fantastisch und der ganze Film ist traurig und sehr berührend.


Donnerstag, 11. August 2011

Gone, but not forgotten: Kleopatra starb heute vor 2040 Jahren

Kleopatra VII., die letzte Pharaonin Ägyptens, herrschte von 51 v.Chr. bis 30 v.Chr. Sie war die Geliebte von Julius Cäsar und ist mutmaßlich die Mutter seines einzigen leiblichen Sohnes. Außerdem ehelichte sie später mit Markus Antonius noch einen weiteren recht wichtigen Römer. Als ihre völlige politische Demontage durch Octavian (den späteren Kaiser Augustus) feststand, beging Kleopatra am 12. August des Jahres 30 v.Chr. angeblich mittels des Bisses einer Kobra Selbstmord.

Außerdem hatte sie natürlich "Diese Nase!", die von unserem Lieblingsdruiden wiederholt gerühmt wurde. Alles weitere Wissenswerte wurde 1963 im inflationsbereinigt bis zu dem 3D-Dings mit den blauen Männchen teuersten Film aller Zeiten in durchaus epischer Breite ausgeführt. Ich denke, ein Sonntagnachmittag in diesem Sommer wäre ideal geeignet für Richard Burton und Elizabeth Taylor in vier prächtig monumentalen Stunden "Cleopatra":

Samstag, 23. Juli 2011

Großartige neue Songs von Girls und Björk – hören, downloaden und lieb haben!

Die kalifornischen Indie-Pop-Eklektiker von Girls veröffentlichen im September ihr zweites Album "Father, Son, Holy Ghost". Als Appetithappen gibt es bereits jetzt den Song "Vomit", der ganz und gar nicht dazu anregt, sich zu übergeben, sondern ganz im Gegenteil eine wunderbar epische Hymne ist, die sich von einem reduziert intimen Beginn über ein verzerrtes Gitarrensolo bis zum epischen Finale mit Gospelchor steigert. Ein sehr feines Stück Musik, das Lust auf das Album macht. Unterm Video gibt's "Vomit" zum kostenlosen Download. Dieser letzte Satz liest sich seltsam und ich wünschte wirklich, die zwei Herren (!) von Girls hätten einen appetitlicheren Songtitel gewählt.



Girls - Vomit


Die einmalige und unvergleichliche Björk veröffentlicht demnächst ihr neues Werk "Biophilia", das ein interaktives Multimedia-iPodPad-App-iDingsda wird, aber auch in so altmodischen Formaten wie mp3 und auf diesen silbernen Scheiben, die wir uncoolen Leute noch als Datenträger für Musik verwenden, erscheinen wird. Diese Woche nun erschien die App (was auch immer) zu dem Track "Cosmogony" in dem eine wunderbar klingende Björk von Bläsern unterstützt die Entstehung der Welt besingt. Für mich eindeutig das beste Lied der isländischen Sangesfee in diesem Jahrtausend. Unterm Video gibt's "Cosmogony" zum Download!



Björk - Cosmology

Sonntag, 17. Juli 2011

Kurz und gut: "Lavatory - Lovestory" und "Foreign Invaders Welcome Since 795AD"

Die bisher so einsame Putzfrau einer öffentlichen Toilette erhält einen Strauß Blumen. Doch welcher ihrer Kunden ist der geheimnisvolle Kavalier...? Der minimalistisch animierte, russische Kurzfilm "Lavatory - Lovestory" war im Jahr 2009 für einen Oscar nominiert, ist sowohl witzig als auch berührend und macht deutlich, dass es weder für das eine noch für das andere brillante Animation à la Pixar braucht.



Der zweite Kurzfilm heute ist nicht besonders brillant, spielt aber immerhin zum Teil in der Gasse in der ich auch wohne und dem freundlich grüßenden Hauptdarsteller in voller Montur sind wir letztes Wochenende auch begegnet. Das genügt mir absolut als Legitimation um den Film hier zu posten. Ein Wikinger versucht, in Dublins Ausgehviertel Temple Bar Angst und Schrecken zu verbreiten. Doch er ist viele hundert Jahre zu spät dran...

Montag, 11. Juli 2011

Radiohead: Live from the Basement in voller Länge zum Download!!

Direkt aus dem Keller: Wie schon einmal erwähnt spielten Radioheads im Rahmen der Reihe "Live From the Basement" im Frühjahr die meisten der im Zuge des neuen Albums "The King of Limbs" entstandenen Songs. Jetzt gibt es zu meiner großen Begeisterung das gesamte Konzert im Netz zu begutachten und der volle, satte Sound der ganzen Band, zu dem Gastschlagzeuger Clive Dreamer entscheidend beiträgt, intensiviert die eindrucksvolle und fast gar hypnotische Wirkung der Musikstücke im Vergleich zu den Studioaufnahmen sogar noch einmal - beeindruckend. Eine doch sehr ohrenschmausige Stunde Livemusik, da die BBC spielverderbend allen entsprechenden Youtube-Videos den Garaus gemacht hat, hier wie zum Trotz das Konzert in Audioform zum kostenlosen Download:

Radiohead: The King of Limbs (Live From the Basement)

Dienstag, 5. Juli 2011

Das dritte Album von The Horrors: "Skying" jetzt hier im Stream!

Die britische Band The Horrors fiel vor vier Jahren, als ihr erstes Album veröffentlicht wurde, weit mehr durch ihre Frisuren auf, die Tokio Hotel und Cinema Bizarre (erinnert sich noch jemand?) ordentlich Konkurrenz machten, als durch ihren unspektakulären Goth-Rock. Mit dem zweiten Album "Primary Colours" war das 2009 ganz anders und die Kritik überschlug sich angesichts der gereiften Rocksounds der Southender und der New Musical Express kürte "Primary Colours" gar zum Album des Jahres 2009.

Dementsprechend heiß ersehnt ist The Horrors' jetzt anstehendes drittes Album "Skying", das nächste Woche erscheinen wird und das meinem ersten Höreindruck nach die Erwartungen durchaus erfüllen kann. Hymnisch-sphärische Gitarren- und Synthiewände wecken Erinnerungen an den Klang britischer Bands der 80er Jahre wie Echo & The Bunnymen, hin und wieder klingt es auch so als würden sich New Order an The Cure's "Disintegration" versuchen. Elegantes, intelligentes Songwriting, Faris Badwans angenehm charakteristische Gesangsstimme (Lichtjahre entfernt von seinem Gekreische anno 2007) und satte Produktion machen "Skying" zu einem großen Album.

Anspieltipps: Das an die frühen Placebo gemahnende "Endless Blue" und "Wild Eyed" mit groovy Bläsersatz.

The Horrors "Skying" in voller Länge im Stream:

Sonntag, 3. Juli 2011

Kurz und gut: "Früh oder spät" und "Der Conny ihr Pony"

Unter dem wahnsinnig originellen Motto "Kurz und gut" wird adlerkuss künftig in unregelmäßigen Abständen Kurzfilme präsentieren. Zum Start und zum Ausklang eines sonnigen Wochenendes gibt es doch wohl kaum etwas schöneres als zwei wunderbar unterhaltsame fünfminütige Animationsfilme.

"Früh oder spät" von der Schweizerin Jadwika Kowalska erzählt sehr einfacher und klar strukturierter, aber dennoch anrührender Animation die poetische und herzallerliebste Geschichte von Eichhörnchen, Fledermaus und dem Lauf der Zeit:



"Der Conny ihr Pony" ist die Visualisierung eines Textes des Schweizer Poetry-Slam-Performers Gabriel Vetter in Form einer Collage. Sprachlich wie so oft in diesem Genre von derbem und absurdem Humor und visuell einfallsreich inszeniert sollte man "Der Conny ihr Pony" von Robert Pohle und Martin Hentze unbedingt gesehen haben. Die spinnen, die Schweizer!

Dienstag, 28. Juni 2011

Alles Gute! adlerkuss gratuliert Mel Brooks zum 85. Geburtstag!

Der als Melvin Kaminsky am 28. Juni 1926 in New York geborene Oscarpreisträger und Quatschmacher Mel Brooks ist hauptsächlich für seine aberwitzigen Genreparodien bekannt. Weder das Weltall (Spaceballs), noch die Weltgeschichte (Die verrückte Geschichte der Welt) oder der Sherwood Forest (Robin Hood – Helden in Strumpfhosen) waren vor seinen teils brillanten, teils derben und teils brillant derben Späßen sicher. Seit Mitte der Neunziger Jahre "Dracula – Tot aber glücklich" ziemlich floppte ist es um Brooks, dem die Menschheit auch den Möter (halb Mensch, halb Köter) zu verdanken hat, eher ruhig geworden. Alles Gute, Mel! Möge der Saft dir niemals ausgehen.

Samstag, 25. Juni 2011

Gone, but not forgotten: Michael Jackson starb heute vor 2 Jahren

Der bereits zu seinen Lebzeiten einsetzende und seither natürlich nochmal deutlich verstärkte, sehr ermüdende Ausverkauf mit dutzenden Best-of-Zusammenstellungen, Raritätenschnipseln, Livealben und Remixen täuscht leicht darüber hinweg, wie viele herausragende Stücke (siehe die Tracklist der mit Abstand besten Kompilation "The Essential Michael Jackson") Michael Jacksons Liederkatalog tatsächlich umfasst. Dass seit 1995 nichts musikalisch erwähnswertes mehr gekommen war, hätte man ihm auch verziehen (wann haben schließlich die Rolling Stones zuletzt etwas von Belang veröffentlicht?), doch Jacksons Exzentrik, sein durch eine Hautkrankheit und Schönheitsoperationen entstelltes Gesicht und der Vorwurf des Kindesmissbrauchs, von dem er nur vor Gericht, nie jedoch in weiten Teilen der öffentlichen Wahrnehmung freigesprochen werden konnte, hatten ihr übriges dazu getan, Jackson zu einer tragischen (Witz-)Figur verkommen zu lassen, deren tragisches Ende – nur 18 Tage vor dem Start einer mit Spannung erwarteten Konzertserie in London – ganz in presleyscher Manier fast folgerichtig erschien. Michael Joseph Jackson, der King of Pop, starb am 25. Juni 2009 mit nur 50 Jahren an einer von seinem Hausarzt verabreichten Überdosis des Schlafmittels Propofol.

Hier der Auftritt des vierzehnjährigen Michael Jacksons bei Oscar-Verleihung 1973, angekündigt von Ben Hur persönlich:

Dienstag, 21. Juni 2011

Radioheads neuer Song "Staircase"!

Im laufenden Jahr 2011 werden Radiohead-Fans wahrlich mehr als verwöhnt – und das im zweimonatlichen Abstand: Mitte Februar gab es das neue Album "The King of Limbs", Mitte April zum Record Store Day den Nachklapp "Supercollider / The Butcher" und heute nun schon wieder einen neuen Song. Aus der Live-Session "From the Basement", die irgendwann ab 1. Juli bei der BBC zu sehen sein wird, veröffentlichte die Band das Video zu dem Song "Staircase", der sich mit seinen atmosphärischen Klangflächen und seinem starken Akzent auf Perkussion ganz gut und auf hohem Niveau in die Soundwelt von Radiohead anno 2011 einfügt.

Bei dem neuen Konzert im Rahmen der Reihe "From the Basement", bei der die Band schon 2007 aufgetreten war (hier in voller Länge), wurden Radiohead von Portishead-Drummer Clive Dreamer unterstützt und spielten neben dem kompletten "King of Limbs", "Supercollider" und "Staircase" auch noch den weiteren neuen Song "Daily Mail" (den ich dann wohl demnächst hier anpreisen werde...).

Das "Staircase"-Video unten, hier die mp3: Radiohead - Staircase

Montag, 20. Juni 2011

Musikalischer Rundumschlag: Schicker Remix von Belle and Sebastian und eine neue Oper von Damon Albarn!

Das habe ich nicht kommen sehen: Neben einem neuen amüsanten Video für "Come On Sister", einem der geht-so-Tracks aus "Write About Love", das nun auch schon acht Monate auf dem Buckel hat, veröffentlichen Belle and Sebastian auf der dazugehörigen Single auch einen von Richard X gezauberten Remix von "I Didn't See It Coming", der in seinem verträumt reduzierten Arrangement mit fluffigem Beat durchaus das Zeug zum Sommerhit hätte. Und ein animiertes Video gibt's gleich auch noch dazu:

I Didn't See It Coming (Richard X mix) from Belle & Sebastian on Vimeo.



Tausendsassa Damon Albarn (Blur/Gorillaz etc. etc.) hat sich nach der meiner bescheidenen Meinung nach etwas schwer verdaulichen Chinaoper "Monkey: Journey to the West", die 2007 beim Manchester International Festival uraufgeführt worden war, zum zweiten Mal in der Welt des Musiktheaters versucht. "Dr. Dee: An English Opera" beschäftigt sich mit dem Leben von Jon Dee, seines Zeichens Wissenschaftler, Mystiker und Berater von Königin Elizabeth I. Vor der ebenfalls beim MIF in Manchester stattfindenden Premiere am 1. Juli präsentierte Albarn gestern im BBC-Frühstücksfernsehen im akustischen Gewand den der Oper entnommenen wunderschönen Song "Apple Carts", der von der rhythmisch-melodischen Gestaltung her (durchaus passend) auch in Zusammenarbeit mit dem elisabethanischen Komponisten John Downland hätte entstanden sein können. Einfach ein Tausendsassa, dieser Damon!

Zusätzlich zum Video bietet adlerkuss die mp3 dieses absoluten Schmankerls auch noch zum kostenlosen Download: Damon Albarn - Apple Carts

Sonntag, 12. Juni 2011

Dojos' warme Platten: 13 & God und Ja, Panik

13 & God: Own Your Ghost

Am Anfang war der Akkord. Dann kamen 13 Typen und breiteten seltsam blinkende Geräte, verzerrte Gitarren und endlos lange Kabel vor ihm aus. "Wo führen diese Kabel nur hin?" fragte der Akkord. "Zu Gott!" sagten die 13 und als der Akkord neugierig im Synthesizer eines langhaarigen Hornbrillenträgers verschwand, wusste er nicht dass er diesen Ort nicht mehr heil verlassen würde. Ob Gott ihn noch erkannt hätte, den Akkord, wenn er so zerstückelt, verschnürt, und ausgeräuchert vor seiner Tür gestanden hätte? Vermutlich, denn laut Bandname ist er ja ein unverzichtbarer Bestandteil von 13 & God. Der Akkord darf sich also durchaus in guten Händen wähnen auf "Own Your Ghost", dem zweiten Album aus der Kollaboration von The Notwist und Themselves.

Wirkte der Vorgänger noch etwas sperrig und zusammengewürfelt, setzt sich auf "Own Your Ghost" schließlich der eingängige und innovative Spieltrieb beider Combos durch. Fast wirkt es, als ob The Notwist dort weitermachten, wo sie mit "Gone, Gone, Gone" auf ihrem 2008er Release "The Devil, You and Me" aufhörten. Zerbrechliche Akustikriffs und die schmerzhaft sanfte Stimme Micha Achers eröffnen das Album, dem es dann gleich in der zweiten Minute perkussiv klickernd an den Kragen geht. Das folgende, wirr vertrackte "Death Major" ist der erste Höhepunkt der Scheibe. Giftig schlängelt sich der Track vorbei an Trance und Hip Hop, umtänzelt Outkast und Hot Chip. Diesen manchmal poppig klingenden Flirt der Genres kontrastiert Doseones beschwörerisch wispernder Rap mit verstörender Grooviness. Es klickt und knarzt an jeder Ecke, doch hinter allem bleibt die Melancholie zu spüren. Auf "Death Major" in Form von synthethischen Chören, im darauf folgenden "Armored Scarves" im bewährt fragilen acherschen Songwriting. Notwistfans werden spätestens mit dem fünften Track vollkommen zufriedengestellt sein, denn das hymnisch luftige "Old Age" hätte in seiner Klarheit und Brillanz ohne weiteres auch auf dem Meilenstein "Neon Golden" seinen Platz finden können. Verfrickelt und ominös irrt das Album von da an weiter, mit knusprigen Beats und kariösen Synthieläufen, die bei "Death Minor" zu einer psychedelischen Fata Morgana irgendwo zwischen Air und den Beatles verschwimmen.

Unaufdringlich episch geht "Own your Ghost" schließlich zu Ende. Ein fast schon linearer Breakbeat, housige Claps und Störgeräusche aus den Anfängen der Telekommunikation schleichen sich langsam ins Verstummen. Das Album, in seiner Rätselhaftigkeit, gibt sich damit natürlich nicht so schnell zufrieden. Der Akkord will zurück zum Hornbrillenträger. "Own your Ghost", sagt die Repeattaste.

Das gesamte Album gibt es hier im Stream!




Ja, Panik: DMD KIU LIDT

Dass das Zitat ein richtungsweisendes Stilmittel sein kann, wissen wir ja spätestens seit Helene Hegemann und diversen politisch engagierten Doktoranden. Ja, Panik haben dieses Prinzip auf ihrem vierten Album "DMD KIU LIDT" bis ins kleinste Detail perfektioniert. Besser vielleicht: Revolutioniert. Es steckt so viel von Lou Reed, David Bowie, Bob Dylan, Ton Steine Scherben, den Doors, Falco und Blumfeld in ihren Tracks dass es über bloße Beeinflussung hinausgeht. Ja, Panik als Plagiatoren zu bezeichnen, wäre dennoch eine dreiste Fehleinschätzung. Treffender wäre, sie zur gegenwärtig originellsten Band aus dem deutschsprachigen Raum zu erklären.

Die dadaistische Schnörkellosigkeit, die als Grundstimmung durch die letzten drei Alben geisterte, ist auf "DMD KIU LIDT" einer heiteren Tragik gewichen. Gleich der Opener "This Ship Ought to Sink" strotzt vor Lebensbejahung und Resignation. "Diese Welt ist eine schrecklich dunkle Welt" heißt es triumphierend im Refrain, bei dessen Überschwang man nicht genau weiß, ob man dazu schunkeln oder in Tränen ausbrechen will. Das darauf folgende, sanftmütige "Trouble" ist ein Friedensangebot an Plauderton und Weltschmerz, an die süße Verlockung der Ausweglosigkeit, die eins der großen Themen des Albums ist und gleich im nächsten Track "The Horror" zum ohrwurmhaften Abgesang wird: "I didn't burn my guitar, but yes I burned the manifestos."

In der Tat wirken die Texte und Andreas Spechtls Gesang jetzt linearer und unaufgeregter, vor allem bei den Parts in englischer Sprache, die auf "DMD KIU LIDT" überwiegen. Die Experimentierfreude der Band zeigt sich jetzt vor allem in den Kompositionen. Vom karg instrumentierten "Nevermind“" das klingt als hätten sie dafür die Dire Straits in einer Berliner Fußgängerzone aufgegabelt, bis zum androgynen "Surrender", sind es musikalische Welten die Ja, Panik scheinbar mühelos ineinander legen. "The taste of now or never", wie in ebenjenem „Surrender“ besungen, bleibt die verbindende Gemeinsamkeit. Das folgende „Bittersweet“ wirkt dann ein bisschen, als hätte Robert Smith den Song in Jim Morrisons Badewanne in Paris liegen lassen, und Brian Molko ihn dort gefunden. Wie Spechtl da rangekommen ist, weiß man nicht, aber man merkt hier vor allem, dass er nicht bloß kopiert, sondern ein eigensinniger Künstler, mit einer wahnwitzigen Bandbreite an Stimmlagen ist.

"Ich seh' keinen Grund zu warten, denn ich hab alle Zeit der Welt": Gegenwartsgeil und exzessbejahend, immer auf dem schmalen Grat zwischen Aufbruch und Flucht tänzelnd, treiben die Österreicher die originelle Zitiererei weiter, bis sie mit "Suicide" in gewohnt narzisstischer Manier noch mal alle Existenz in Frage stellen, und damit den Weg für die pathetischen Schlusstracks ebnen. "The Evening Sun", der vorletzte Titel, ist eine wuchtige, pianogetragene Ballade die Sänger wie Hörer gleichermaßen leergerockt zurücklässt. "There is no secret worth to keep." ist hier mehr als Attitüde. Intim und fast schon selbstzerfleischend geht das Album dann schließlich zu Ende. "DMD KIU LIDT" verklingt als Refrain. Ausgeschrieben heißt der Albumtitel "Die Manifestation des Kapitalismus in unserem Leben ist die Traurigkeit." Ob Zitat oder nicht, und trotz verbrannter Manifeste. Ja, Panik liefern ein Meisterwerk der Selbstinszenierung, und die Legitimation dafür gleich mit: "Nicht du bist in der Krise, sondern die Form die man dir aufzwingt." Vielleicht sind ja doch noch ein paar Buchstaben auf der Asche zu erkennen.

Donnerstag, 9. Juni 2011

Alles Gute! adlerkuss gratuliert Michael J.Fox zum 50. Geburtstag

Der am 9. Juni 1961 als Michael Andrew Fox geborene Schauspieler, der seinen Zweitnamen später zu einem einfachen J. ändern sollte, war (neben Lex Barker) mein Lieblingsschauspieler aus Kindertagen. Neben den über alle Maßen großartigen Marty McFly in den "Zurück in die Zukunft"-Filmen, waren es auch Fox' Rolle als konservativer Sohn von Hippie-Eltern in der langlebigen Comedyserie "Familienbande" und natürlich ganz allgemein sein bubihaft verschmitzter Charme, die ihn damals wie heute interessant und sympathisch machten. Ein zu Unrecht eher unterschätzter, sehr glaubwürdiger Auftritt in einem sehenswerten Vietnam-Drama gelang Fox in "Die Verdammten des Krieges".

1998, während er mit der Comedyserie "Chaos City" ein kleines Comeback feierte, erklärte Fox der Öffentlichkeit, dass er bereits sieben Jahre zuvor mit der Parkinson-Krankheit diagnostiziert worden war. Seither beschränken sich seine schauspielerischen Auftritte auf kleinere Gastrollen, während sein Hauptfokus der Arbeit für seine Stiftung für Parkinson-Forschung gilt, die in den ersten knapp 10 Jahren ihrer Existenz schon über 149 Millionen Dollar aufgebracht hat. Alles Gute Michael J. Fox zum Geburtstag und alles Gute weiterhin bei seinem beeindruckenden Umgang mit dieser schweren Krankheit. Michael, niemand nennt dich eine feige Sau!

Dienstag, 31. Mai 2011

Musikalischer Rundumschlag: Neues von Coldplay, Pulp sind zurück & "Neil Young" covert Miley Cyrus

Coldplay haben auf ihrer Website für den kommenden Freitag einen ersten neuen Song als Vorbote ihres später in diesem Jahr erscheindenden, fünften Studioalbum angekündigt. Das neue Lied wird "Every Teardrop Is a Rainfall" heißen und die dazugehörige Coverkunst ist selten ekelhaft, hässlich und geschmacklos. Sollte das Album optisch ähnlich verstörend ausfallen, gibt es wohl tatsächlich noch einen Herausforderer von Lady Gagas "Born This Way" im Rennen um das hässlichste Albumcover des Jahres. Ebenfalls auf der Website nachzulesen ist der Text zu "Every Teardrop Is a Rainfall". Die vier Jungs standen ja noch nie in Verdacht große Lyriker zu sein, daher als kleine Kostprobe nur folgender, sehr hübscher Vers: "IT WAS A WA WA WA WA WA-ATERFALL". Bei soviel Vorabanlass zum Stirnrunzeln, kann das Lied eigentlich nur noch hervorragend werden.

Pulp, die legendären Britpop-Heroen um Jarvis Cocker, sind dieses Jahr ja nun auch dem allgemeinen Trend zur Wiedervereinigung erlegen und spielen erstmals seit 2002 wieder zusammen auf diversen Festivals. Als kleine Generalprobe vor dem ersten Auftritt beim Primavera letztes Wochenende gab es ein erstes Konzert in Toulouse, von dem sehr hübsches Bildmaterial existiert. Die Band klingt grandios und Jarvis scheint exaltiert wie eh und je, herrlich:



US-Late-Night-Moderator Jimmy Fallons beachtliche Künste als Neil-Young-Imitator wurden auf diesen Seiten bereits einmal gewürdigt. Vergangene Woche unterstützen die Veteranen Stephen Stills und Graham Nash "Neil Young" nun bei seiner Coverversion von Miley Cyrus "Party in the USA", seines Zeichens ein ganz besonders belangloses Autotune-Verbrechen von einem Popsong. Sicher klang die Zeile "and a Jay-Z song was on" nie erhabener als hier bei Stills, Nash & "Young":

Samstag, 28. Mai 2011

adlerkuss im Kino: Wer ist Hanna?

Hanna (hinreißend: Saoirse Ronan) wächst mit ihrem Papa Erik (Eric Bana) völlig isoliert von der Außenwelt in der finnischen Einöde auf. Ihr Vater, ein ehemaliger CIA-Agent – liest ihr aus dem Lexikon vor und lehrt sie ansonsten die notwendigen Dinge des Lebens: Vielerlei Fremdsprachen und absolute Perfektion als Killerin. Als Hanna beschließt, dass sie "bereit" ist, beginnt eine abenteuerliche Hetzjagd durch Marokko und halb Europa, bevor Hanna in Berlin schließlich Marissa Wiegler (lustvoll böse: Cate Blanchett) der skrupellosen Geheimdienstlerin, die für den Tod von Hannas Mutter verantwortlich ist, gegenüber steht...

Was zunächst anmutet, wie eine weibliche Teenieversion von Jason Bourne (Nahkampfkönner erforscht die eigene Vergangenheit und endet in Berlin), ist vielmehr eine etwas krude Mixtur aus Coming-of-Age-Geschichte und Actionthriller mit märchenhaften Zügen: Hanna verlässt die Hütte im Wald um die finstere Welt da draußen zu entdecken und muss am Ende (nicht zufällig in einem Brüder-Grimm-Park in Berlin) den Kampf mit der bösen Hexe Marissa Wiegler überstehen. So interessant dieser Genrecocktail auch sein mag, geht das Rezept am Ende womöglich nur bedingt auf: Actionfans werden sich eventuell langweilen, wenn Hanna in einer langen Szene zu Flamencomusik am Lagerfeuer die ersten Anflüge von Teenagerromantik entdeckt und Arthauskinogänger werden von Hannas Entwicklung nur schwerlich über die mit unglaubwürdigen und unlogischen Stellen gespickte, esspapierdünne Story hinweg getröstet.

"Wer ist Hanna?" bleibt dennoch ein origineller und tendenziell sehenswerter Film, dank der atemberaubenden schauspielerischen Leistung von Saoirse Ronan, dem treibenden Soundtrack der Chemical Brothers und der beeindruckenden visuellen Inszenierung, die jenseits von Bournescher Hektik sowohl Kampfszenen, als auch berührende Momente und märchenhafte Sequenzen ins rechte Licht zu setzen weiß.

Deutscher Kinostart: 26.05.

Wertung: 3 von 5 Adlern.






Dienstag, 24. Mai 2011

Zwei neue Songs von Arcade Fire!

Arcade Fire's Album "The Suburbs", das hier bei adlerkuss immerhin zum zweitbesten des Vorjahres gekürt wurde, erscheint am 24. Juni in einer Deluxe-Version, die außer einer längeren Version von "Wasted Hours (A Life That We Can Live)" und des halbstündigen Kurzfilms "Scenes from the Suburbs" von Spike Jonze auch zwei neue Lieder enthalten wird: "Culture War" und "Speaking In Tongues", letzteres mit Gastgesang von Talking Head David Byrne. Beide Songs gibt es (wie es sich gehört) nach ihrer gestrigen Radiopremiere heute im Netz zu hören und beide können es mit den aberwitzig guten regulären Albumtracks nahezu aufnehmen.

Arcade Fire - Culture War by MergeRecords

Arcade Fire - Speaking in Tongues (feat. David Byrne) by MergeRecords

Hier auch noch der durchaus interessant wirkende Trailer zu "Scenes From the Suburbs":



Na dann mal her mit den Luxus-Vororten!

Samstag, 21. Mai 2011

adlerkuss im Kino: Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten

Nachdem ein London-Aufenthalt anders lief als geplant, findet sich Jack Sparrow (Johnny Depp) zusammen mit seiner Ex-Flamme Angelica (Penélope Cruz) an Bord des Schiffes von Blackbeard (Ian McShane), dem Piraten, den auch die Piraten fürchten, wieder. Ziel der Reise ist die Quelle der ewigen Jugend, da Blackbeard aufgrund einer Prophezeiung um sein Leben fürchtet. Dasselbe Ziel haben jedoch auch ein Schiff der spanischen und eines der englischen Krone, letzteres unter der Führung von Jacks altem Bekannten Captain Barbossa (Geoffrey Rush)...

Johnny Depps großartige Darstellung des Piraten als geschminktes, nuschelndes, affektiertes Schlitzohr machte Jack Sparrow zu einer Ikone der Filmgeschichte und nebenbei spielte die Trilogie weltweit 2,6 Millarden Dollar an den Kinokasse ein – kein Wunder also, dass die Piratenbande ein viertes Mal in See sticht. Regisseur Gore Verbinski ist allerdings ebenso wenig mit von der (Boots)-Partie wie Orlando Bloom und Keira Knightley, deren (zunehmend verwirrender) Handlungsbogen ja im letzten Film endete.

Und genau dieser Neustart gibt "Fremde Gezeiten" auch eine ordentliche Portion frischen Wind hinter die Segel. Munter, flott, unterhaltsam und mit prächtiger optischer Ausstattung inszeniert ist der Film durchaus hochklassiges Popcorn-Abenteuer-Kino und übertrifft seine beiden Vorgängerfilme, die erzählerischen Schiffbruch erlitten hatten, um mehrere Bootslängen. Neben dem diesmal ganz im Zentrum des Geschehens stehenden Johnny Depp überzeugen auch Penélope Cruz als (was sonst?) temperamentvoll-rassige Angelica und vor allem Geoffrey Rush, dem man anmerkt, wie viel Vergnügen ihm seine Figur Barbossa bereitet.

Kleinere Flauten gibt es zwar innerhalb der etwas zu langen 130 Minuten Laufzeit, jedoch werden wir vor nicht enden wollenden Seeschlachten verschont und wirklich störend ist nur die völlig unnötige Romanze enorm blasser Nebenfiguren, die wohl den fehlenden Will-Elizabeth-Schmachtfaktor wettmachen hätte sollen. Dafür, dass es sich hier um den vierten Teil einer Filmreihe handelt, die eigentlich nur auf einer Rummelplatzattraktion aus den Disney-Parks basiert, bietet "Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten" wirklich sehr ansehnliche und spaßige Kinounterhaltung. Und es ist kein Ende in Sicht: Das Drehbuch für Teil 5 steht wohl bereits. In diesem Sinne: Yo, yo, yo – und 'ne Buddel voll Rum!

Deutscher Kinostart: 17.05.

Wertung: 3,5 von 5 Adlern.