Sonntag, 30. Dezember 2012

Top 10 Lieder 2012: Platz 10-6

Zusätzlich zu den traditionell Anfang Januar von adlerkuss in der Rückschau gekürten Alben und Filmen des Vorjahres, gibt es diesmal auch noch die Songs des Jahres 2012 –  ausgewählt jedoch mit dem Vorbehalt, keine Lieder zu verwenden, die auf einem der meiner bescheidenen Meinung nach zehn besten Alben des Jahres zu finden sind. Mithilfe dieser nerdigen Spielregel ist es deutlich leichter, versteckte Perlen und Einzelveröffentlichungen zu ihrer wohlverdienten Erwähnung kommen zu lassen. Hier nun also Platz 10-6 der besten Songs des Jahres, die nicht gleichzeitig auf einem der zehn besten Alben des Jahres enthalten sind. An der Catchiness des Namens dieser Liste muss man womöglich noch arbeiten...

10. Arcade Fire – Abraham's Daughter

Arcade Fires Beitrag zum Soundtrack zu "Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele", der Verfilmung des ersten Teils der ebenso erfolgreichen wie uninteressanten "Hunger Games"-Science-Fiction-Romantrilogie, ist ein großartig düsterer Song und erzählt ausgehend von dröhnenden Gitarren und angetrieben von einem Marschmusikrhythmus, der mit Régine Chassagnes zarter Stimme kontrastiert wird, eine weibliche Variation der biblischen Geschichte der geplanten Opferung von Abrahams Sohn Isaak. Wieder mal ein ganz großes Stück Musik der kanadischen Indiezauberer.


9. Loreen – Euphoria

Es passiert selbst mir als passioniertem Fan der Veranstaltung nie nicht oft, dass ein Siegerlied des Eurovision Song Contests zu den musikalischen Highlights eines ablaufenden Jahres gezählt werden kann. Ende 2011 hätte ich nicht mal mehr gewusst, was auch nur der Titel des recht beliebigen Geträllers des aserbaidschanischen Siegerduos gewesen sein könnte. "Euphoria" hingegen ist und bleibt mit seinem schicken Kontrast zwischen düster-melancholischen an Kate Bush gemahnenden Strophen und zum Tanzen gerade zu zwingenden Beats, ekstatischen Synthies und Ohrwurmmelodie im Refrain ein perfektes Stück Popmusik.




8. Bobby Womack – Please Forgive My Heart

Im Juni erschien (von Blur-Gorillaz-Tausendsassa Damon Albarn und XL Recordings Richard Russell produziert)  das erste Album der 68-jährigen Soullegende Womack in diesem Jahrhundert. Der absolute Höhepunkt der Platte ist das mit Klavierharmonien und sanften elektronischen Beats sparsam unterlegte, ergreifende "Please Forgive My Heart". Womacks gefühlvolle Stimme und seine schonungslose Bekenntnislyrik packen den Hörer ganz tief drin. Nur zu gerne verzeihen wir seinem Herzen und das zurecht, denn schließlich ist es ja so: "Not the problem lies anywhere in there..."
 




7. Dirty Projectors – Gun Has No Trigger

Die Vorabsingle des aktuellen sechsten Albums der amerikanischen Experimentalrocker bietet mit coolem Beat und coolen Uuuuhs des weiblichen Hintergrundgesangs den wohl entspanntesten Groove des Jahres, der zudem noch frappierend an den Klassiker "Drinking in L.A." aus den guten alten Neunziger Jahren erinnert. Darüber singt dann Frontmann Dave Longstreth mit großartig kraftvoll-larmoyanter Stimme und in der Titelzeile enorm zum laut Mitgrölen einladend über die Waffe ohne Abzug – wunderbar.




6. Crying Day Care Choir – Join the Joyful Revolution

Das hymnische und wie für Lagerfeuer geschaffene Titellied der Debüt-EP "Join the Joyful Revolution" von der schwedischen Band Crying Day Care Choir könnte mit seiner naiv-optimistischen Botschaft so ähnlich auch im Matsch von Woodstock intoniert worden sein. Zu allem Überfluss gibt es den Song auch noch gleich unten zum kostenlosen Download und am besten holt ihr euch hier für einen bescheidenen Obulus die gesamte EP, die man – würde sie nicht gar so herzlich und friedlich klingen – durchaus als "all killer no filler" beschreiben könnte.

Donnerstag, 13. Dezember 2012

adlerkuss im Advent: adlerkuss' liebste Weihnachtsmusi (10)

Ohne große Sternenumschweife geht es gleich weiter mit dem zweiten Teil von adlerkuss' liebster Weihnachtsmusi im Advent 2012.

Withered Hand ist der Bühnenname eines schottischen Singer-Songwriters, der aussieht wie ein Trucker und klingt wie eine traurige, aber hübsche Frau mit Ringen unter den Augen. Der ergreifende Song "It's a Wonderful Lie" erinnert in seiner Unmittelbarkeit und Intensität an die frühen Sachen von Bright Eyes und wen das kalt lässt, den kann man nur noch Frosty nennen.



Auch dieses Jahr gibt es wieder einen Song aus Phil Spectors wunderbar schwungvollen Weihnachtsalbum "A Christmas Gift For You", wenn auch leider nicht als Stream und diesmal handelt es sich um Darlene Loves unfassbar groovy Variante der Hymne auf die verschneite Winterlandschaft , die gleichzeitig wohl auch den Wunschtraum vieler fettleibiger Kinder beschreibt: "It's a Marshmallow World in the winter!"


"Oh Holy Night" wurde vor 165 Jahren mit französischem Text verfasst und war 1906 das insgesamt zweite Musikstück der Menschheitsgeschichte, das es im Radio zu hören gab. Branches sind eine christliche Band aus Wisconsin und ihre im Duett gesungene, akustische Version des Songs ist zugleich reduziert unaufdringlich und ungeheuer kraftvoll.


Der "Christmas Song" des dänischen Duos The Raveonettes aus dem Jahr 2009 ist ein herzerwärmendes Stück Indie-Rock'n'Roll mit 50er-Jahre-Touch im Dreivierteltakt, das eine unschuldige Romanze zur Weihnachtszeit beschreibt. Einfach nur herzig.



Oops, he did it again: Tausendsassa Sufjan Stevens hat nach der 5-EP-Sammlung  "Songs For Christmas" von 2005 nachgelegt und diesen November mit "Silver & Gold" eine zweite Kollektion von Weihnachtsliedern vorgelegt, die ganze 58 (!) Songs enthält, bei der Weihnachtslicht und -Schatten nahe beieinander liegen. Der schönste neue Originalsong ist "Christmas in the Room", der sich dynamisch steigert und der betont, wie unwichtig der ganze weihnachtliche Firlefanz im Vergleich dazu, Zeit mit seiner großen Liebe zu verbringen, doch eigentlich ist: "no gifts to give / they're all right here / inside our hearts / the gloriest cheer". Hach!



"Stop the Cavalry" von Jona Lewie aus dem Jahr 1980 ist eigentlich eher ein lakonischer und durchaus effektiver Protestsong gegen den Krieg als ein Weihnachtslied, gehört heute aufgrund des schmissigen Bläsersatzes, ein paar Glöckchen und der enthaltenen Stoßseufzerzeile "Wish I was at home for Christmas" zum absoluten Kanon der modernen Weihnachtshits.




Laurie Berkner ist eine populäre  Sängerin im sogenannten Kindie-Rock-Genre und damit so etwas wie die weibliche, amerikanische Variante von Rolf Zuckowski. "Santa Claus is Coming to My House Tonight" beschreibt sehr unterhaltsam die Vorbereitungen und Vorfreude eines kleinen Mädchens am Vorabend von Weihnachten. Leider gibt's den Song auch nicht im Stream, einfach auf Verdacht herunterzuladen ist jedoch schwer empfehlenswert!

Natürlich kommt alderkuss auch in diesem Jahr nicht ohne eine neue Version des ultimativen weihnachtlichen Hits von Wham! über die enttäuschte Liebe aus dem Vorjahr aus. Die herrliche Adaption von "Last Christmas" von PAS/CAL beginnt als akustisches Ballädchen, entpuppt sich dann jedoch  als Indie-Pop-Groove-Monster ersten Ranges.



Mittwoch, 12. Dezember 2012

adlerkuss im Advent: adlerkuss' liebste Weihnachtsmusi (9)

Donner und Blitz(en)! Die wunderbare, oh du fröhliche Weihnachtszeit ist schon im vollen Gange, der Schnee rieselt leise und welch ein Jubel, welch ein Trubel wird in unserem Hause sein! Fehlt zur vollendeten Festivität nur noch der alljährliche bunte Strauß weihnachtlicher Melodien bei adlerkuss, wie gewohnt auch in diesem Jahr nicht nur zum Anhören, sondern  auch immer gleich zum Herunterladen als mp3. Per Klick hier könnt ihr auch noch den Geist der vergangenen Weihnachtsmusi beschwören und nochmal nachhören.

Die erste Weihnachtsweise der diesjährigen Sammlung ist der 1943 für das Musical Meet Me In St. Louis entstandene Klassiker "Have Yourself a Merry Little Christmas", in dem Judy Garland das Lied ihrer traurigen kleinen Schwester vorsingt. Hier hören wir den Song in der ebenfalls traurigen, verzaubert dreampoppigen Variante von Day Joy.



Deutlich flotter, aber dennoch augenzwinkernd nostalgisch ist der absolut ins Bein gehende, hervorragende Weihnachtsstampfer "Christmas Was Better in the 80s" von den Futureheads aus dem Jahre 2010. Denn natürlich war der Schnee damals tiefer...




 Der laut der BMI, einer der US-Varianten der vor allem von deutscher Youtube-Nutzern so geschätzen GEMA, häufigstperformte Weihnachtssong in Nordamerika ist der simpel betitelte "Christmas Song", der unter seinem Untertitel "Chestnuts Roasting on an Open Fire" noch deutlich bekannter und vor allem distinktiver ist. Hier die wunderschön hymnenhaft arrangierte Version der gegenwärtig 21-köpfigen Sinfonie-Chor-Rockband The Polyphonic Spree.




Die Everly Brothers haben mit "Christmas Eve Can Kill You" genau vor 40 Jahren eines der wohl traurigsten saisonalen Lieder überhaupt veröffentlicht. Es geht um einen einsamen Tramp am Weihnachtsabend, den keiner der weihnachststimmungsbeseelten Autofahrer mitnehmen möchte – "christmas eve can kill you when you're trying to hitch a ride". Bonnie Prince Billy und Dawn McCarthy ist es jetzt gelungen, eine ebenso harmonische, aber fast noch düstere Version des Songs aufzunehmen.




Hier wird es Zeit für einen scharfen Kontrast: 1958 erschien der Sampler "Christmas Is For Children", auf dem neben anderen Hits wie dem Santa gegenüber etwas despektierlichen "Fat Fat Man" auch der für mich und viele anderen durchaus programmatische Song "I Like Christmas (I Like It, I Like It)" des damals achtjährigen Barry Gordon enthalten ist. Trivia gefällig? Der erwachsene Barry Gordon wurde  Synchronsprecher und hat viele Jahre später in der Turtles-Zeichentrickserie den Donatello gesprochen. I like it!




Die schottische Indie-Rock-Band Ballboy erzählt in dem schnucklig-akustischen  Song "Merry Christmas to the Drunks, Merry Christmas to the Lovers" eine alkoholgeschwängerte Liebesgeschichte mit so schönen Zeilen wie "Lay me down 'neath the tree and see if I'm sober in the morning when you appear". Wer könnte da widerstehen?




Cery Matthews war in den 90er Jahren Sängerin der Waliser Britpopper von Catatonia und hat in diesem November ein nicht spektakuläres, aber wunderbar anzuhörendes Album mit Weihnachtsstandards veröffentlicht, das ähnlich wie "She & Him" im Vorjahr ohne viel Schnickschack auskommt, aber umso mehr Seele mitbringt. Ein gutes Beispiel hierfür ist Matthews' Version von "Oh Tannenbaum", das sogar eine deutschsprachige Strophe enthält, an der es auch von der Aussprache her nichts zu meckern gibt, wenn man mal über das schon sehr schwierige Wort "Sommerszeit" hinwegsieht (das eher nach "Somersteid" klingt).





Die zweite und sogar noch längere Hälfte (ja, Mathematiker dürfen sich jetzt wundern) von adlerkuss liebster Weihnachtsmusi 2012 gibt es dann morgen!

Sonntag, 4. November 2012

50 Jahre Bond, James Bond: Die 5 besten Bond-Girls aller Zeiten

Ein Hauptinteresse des Agenten mit der Doppelnull galt neben der Rettung der Welt auch stets seiner Libido und 60 stets schöne Frauen gaben sich Bond in den vergangenen 22 Filmen denn auch in Hotelzimmern überall auf der Welt oder auch im Nomadenzelt oder einem motorisierten Eisberg hin. Hier sind die fünf tollsten Bond-Girls, die idealerweise Charme und Sexappeal mit einem interessanten Charakter verbinden.

5. Anya Amasova (Barbara Bach) 

James Bond: Oh, by the way, thanks for deserting me back there.
Major Anya Amasova
: Every woman for herself, remember?
James Bond
: Still, you did save my life.
Major Anya Amasova
: We all make mistakes, Mr. Bond. 

Anya Amasova ist in "Der Spion, der mich liebte" eine toughe und clevere KGB-Agentin, die Bond nicht (nur) verliebt anschmachtet, sondern ihm auf Augenhöhe begegnet und ihn aus Vergeltung nach dem Erreichen des gemeinsamen Zieles gar töten wollte. Allerdings wusste sein verführerischer "letzter Wunsch" Anya dann doch  noch eines Besseren zu belehren. Barbara Bachs größter Erfolg seit dieser Rolle ist wohl die Eheschließung mit Beatles-Schlagzeuger Ringo Starr 1980.

4. Pussy Galore (Honor Blackman)

James Bond: Who Are You?
Pussy Galore: My name is Pussy Galore.
James Bond: I must be dreaming. 


Schon mit ihrem Namen setzt Pussy Galore in "Goldfinger" dem für Bondgirls üblichen sexuellen Innuendo die Krone auf. Die rein weibliche Besetzung der Flotte Goldifingers Privatpilotin heißt dann gar noch "Pussy Galore's Flying Circus". Großartig! Das mit 39 Jahren älteste Bondgirl Honor Blackman überzeugt mit Selbstbewusstsein, rauhem Charme, neckischem Grinsen und letztlich entscheidender Mithilfe bei der Vereitlung von Goldfingers Plänen.



3. Vesper Lynd (Eva Green)

Vesper Lynd: There isn't enough room for me and your ego. 

Für die MI6-Sachbearbeiterin Vesper Lynd ist das liebestrunkene Rauhbein Bond in "Casino Royale" bereit, seine eben begonne Agentenkarriere zugunsten romantischer Zweisamkeit schon wieder an den Nagel zu hängen. Dummerweise ist die Schönheit mit den groooßen Augen und dem vornehm blassen Teint eine Doppelagentin, die sich schließlich aus schlechtem Gewissen ertränkt und von einem verletzt-frustrierten Bond als "Bitch" abqualifiziert.

2. Honey Rider (Ursula Andress) 

[Honey describes how she killed the man who had raped her]
Honey Ryder: I put a black widow spider underneath his mosquito net... a female, they're the worst. It took him a whole week to die. Did I do wrong?
James Bond: Well, it wouldn't do to make a habit of it. 


Das Ur-Bondgirl aus "Dr. No" steigt in einer der wohl legendärsten Filmszenen der Populärkulturgeschichte venusgleich und auf betörende Weise von Mangobäumen singend aus den Fluten des Meeres an die Küste Jamaikas und macht nicht nur im Bikini, sondern auch im Duell mit Dr. No eine gute Figur. Die Schweizerin Ursula Andress hat Honey Riders rassige Schwimmbekleidung übrigens selbst entworfen.



1. Elektra King (Sophie Marceau) 

James Bond: Where's M?
Elektra King: Soon she'll be everywhere. 


 Als Elektra King kombiniert Sophie Marceau in "Die Welt ist nicht genug"auf elegante, verführerische und enorm bösartige Weise erstmals Bondgirl und Oberbösewicht in einer Person. King erpresst ihre eigene Familie, foltert Bond und entführt M. Derart königlich durchtrieben war Sophie Marceau wohl zuletzt als pubertierender Teenager in "La Boum"!



Sonntag, 28. Oktober 2012

50 Jahre Bond, James Bond: Die 5 besten Bond-Songs aller Zeiten

Die von fleißigen Grafikdesignern hübsch gestalteten und in nahezu allen Fällen von einem beeindruckenden Liedlein untermalten Vorspannsequenzen gehören zu den Kultelementen der Bond-Reihe. Hier nun die fünf herausragendsten Exemplare aus den bisherigen 21 Bond-Songs: in subjektiver Reihung

5. Tina Turner: GoldenEye (aus "GoldenEye, 1995)

Der Titelsong zum ersten Bond mit Pierce Brosnan ist ein kraftvolles, shirleybasseyeskes Stück Musik, in dem Interpretin Tina Turner ihre Stimmgewalt spielen lässt und auch die Produktion des von Bono und The Edge von U2 geschriebenen Songs alle Register des groß orchestrierten bombastischen Bond-Sounds zieht. Einer der seltenen Fälle wo ein Song so manche seiner direkten Vorbilder hinter sich lässt.


4.Carly Simon: Nobody Does It Better (aus "Der Spion, der mich liebte", 1977)

In Anlehnung an Carly Simon's größten Hit "You're so Vain", kann man James Bond (in diesem Fall Sir Roger Moore) ganz bestimmt keine Eitelkeit vorwerfen, wenn er glaubt, in diesem Song ginge es um ihn. Von den eröffnenden Klaviertönen an ist diese zauberhafte Ballade eine große Liebeserklärung, wenn auch ein gewisses Bedauern darüber mitschwingt, dass eben kein anderer so toll ist, wie "the spy who loved me". Ein herrlicher Ohrwurm.


3. Nancy Sinatra: You Only Live Twice (aus "Man lebt nur zweimal", 1967)

Der fünfte Bond "Man lebt nur zweimal" spielt zu einem guten Teil in Japan, wo Bond Connery es erneut mit dem sich unter dem Namen Guntram Shatterhand (!) im Verborgenen haltenden Blofeld zu tun bekommt und ein gewisser fernöstlicher Touch prägt auch den Titelsong. Nancy Sinatra singt den ursprünglichem ihrem Papa Frank angebotenen Song mit Klasse und Verve. Aus der den Song eröffnenden hohen Violinenfigur, die zu einem klassischen Bondelement wurde, hat Robbie Williams 32 Jahre später in einem großen Stück Recyclekunst noch seinen Hit "Millennium" samt an Bond gemahnendem Video gestrickt.


2. Shirley Bassey: Goldfinger (aus "Goldfinger", 1964)

Angefangen von den orchestralen ersten Klängen mit dem um sein Leben blasenden Bläsersatz ist "Goldfinger" ein großes Stück Musik, das zum größten Erfolg für Interpretin Soulröhre Dame Shirley Bassey werden sollte, die danach gar noch zwei weitere Male für Bond trällerte. Auch der prominente Einsatz des originalen Bond-Themas, der im Song einen Tempowechsel einläutet und so zum enormen Schwung des Liedes beiträgt, ist ein echt genialer Zug des klassischen Bond-Komponisten John Barry.


1. Paul McCartney & Wings: Live and Let Die (aus "Live and Let Die", 1973)

Sir Paul McCartneys Beitrag zur Bond-Reihe war der erste 007-Song, der für den Oscar nominiert wurde und war außerdem bis Casino Royales "You Know My Name" der rockigste Track aller Bonds-Songs. Den besonderen Reiz und herausragenden Groove machen hier natürlich der bombastische erste Einsatz des Orchesters im Refrain und die zahlreichen Tempowechsel aus. Außerdem fasst McCartney James Bonds Arbeitsethos textlich kurz und brillant zusammen: "When you've got a job to do, you gotta do it well: you gotta give the other fellow hell!"


Mittwoch, 24. Oktober 2012

Unterkühlte Elektronik: Ein neuer Song von Chromatics und die Compilation After Dark zum kostenlosen Download

Chromatics' Song "Tick of the Clock" untermalte im übercoolen Film "Drive" Ryan Goslings nächtliche Autofahrkünste während einer Verfolgungsjagd auf hypnotischste Art und Weise. Kühl und hypnotisch ist auch das sonstige Werk der Band aus Portland, die einst mit wüstem Punk begann, längst aber bei feiner Synthiemusik mit Anklängen an Gorgio Moroder und Kraftwerk angekommen ist.

Nach dem durchaus hörenswerten Album "Kill for Love", das im Frühjahr 2012 erschien gibt es jetzt mit dem zumindest in der Titelaussage abgemilderten neuen Song "Looking for Love" schon wieder neues Material mit fein blubberndem Beat, The-XX-Atmosphäre und Karl Lagerfeld samt Modezirkus im Video:



"Looking for Love" ist enthalten auf dem neuen Sampler "After Dark II" des hübsch betitelten Plattenlabels Italians Do It Better. Und aus Anlass dieser anstehenden neuen Veröffentlichung ließ es sich Labelchef und Chromatics-Mitglied Johnny Jewel nicht nehmen, den mir bisher unbekannten (ich kenn mich ja eigentlich in diesen Gefilden beileibe nicht aus), inzwischen aber wohl zum Klassiker gewordenen ersten "After Dark" Sampler als Stream und Download bereit zu stellen. Ideale Klänge für Musikfreunde mit Hang zur analogen elektronischen Musik mit unterkühltem 80er-Jahre-Charme und flächigen Synthiesounds, oder wie es Johnny Jewel formuliert: "77 minutes of analog electronic music mutating through Italo Disco, Krautrock, Electro, Giallo Cinema, & Pop." Eignet sich erprobtermaßen auch prima als Soundtrack für nächtliche Stadtspaziergänge. Oder eben für Autoverfolgungsjagden.

Sonntag, 21. Oktober 2012

50 Jahre Bond, James Bond: Bond-Megamix und der letzte Trailer zum neuen Film Skyfall

Der Agent mit der Lizenz zum Töten, zum Trinken von geschüttelten Martinis und zum Vernaschen unzähliger hübscher Damen aus aller Welt mit tendenziell bizarren Namen (von Pussy Galore über Holly Goodhead bis Strawberry Fields) feiert in diesem Oktober seinen 50. Geburtstag als Leinwandheld.

Aus diesem Anlass haben die ebenfalls mit bizarren Namen gesegneten Produzenten A. Skillz und Krafty Kuts einen wunderbaren, fünfminütigen mit Musik- und Dialogausschnitten prallgefüllten James-Bond-Megamix erstellt, der riesige Lust macht, ungefähr sofort im Anschluss irgendeinen James-Bond-Film zu sehen. Oder sagen wir besser irgendeinen außer der Doppelnull "Stirb an einem anderen Tag", bei dem bereits die wenigen Ausschnitte hier im Video ausreichen, um auch dem wohlwollenden Zuschauer ins Gedächtnis zu rufen, wie furchtbar dieser Film eigentlich war. Die ohne das Video etwas hektisch wirkende Audiospur des Megamixes gibt es hier auch zum kostenlosen Download.


Und da dieses Video die Lust auf 007 ja bereits ordentlich anzuheizen weiß, kann zumindest als Vorpremiere bereits in zehn Tagen Abhilfe geschaffen werden – und zwar mit dem brandneuen Bondabenteuer "Skyfall", dessen spektakulärer Trailer die Vorfreude auf dem Film dann noch einmal zu steigern weiß:


adlerkuss wird nicht nur in der dieses Jahr schmählichst vernachlässigten Rubrik "adlerkuss im Kino" gleich zum Kinostart über "Skyfall" schreiben, sondern auch zur Verkürzung der Wartezeit in den nächsten Tagen noch die Top-5-Bondgirls, die Top-5-Bond-Titelsongs und die Top 5 der Bond-Filme überhaupt küren. Ein ordentliches Quantum Bond also, man lebt schließlich nur zweimal. Liebesgrüße von adlerkuss!

Sonntag, 14. Oktober 2012

Dojos' warme Platten: Moonface with Siinai - Heartbreaking Bravery

"Heartbreaking Bravery Exists." mit dieser anrührenden und selbstgewissen Zeile beginnt das neue Album von Moonface: "Heartbreaking Bravery." Wie in allen Projekten an denen Spencer Krug beteiligt ist, nimmt sich der Sänger von Wolf Parade und Sunset Rubdown auch hier viel Platz für Andeutung und große Geste.

Mit beschwörerischer Eleganz öffnet sich der Titeltrack, und ein bisschen klingt die staubig, liebliche Atmosphäre wie aus einem postapokalyptischem Hawaii. Dieser verhangene Halbzustand wirkt wie eine Petrischale für Krugs Vocals, die ominös und bildhaft zwischen Prophezeiung und Kinderreim verschwimmen. "I've got the Blood and the cause to bleed / because i've got the Blood, but not the Bloodlust you need."

Nahtloser als diese Worte ist der Übergang in den nächsten Track "Yesterdays Fire". Einer grungig industriellen Hymne die wuchtig und dezent an Bowie und Neil Young vorüberschleicht, bis sich "Shitty City" aus dem Album freischält. Ein Song der sich nach einem elektroiden Sperrfeuer schließlich als feinfühliger Synthiehit entpuppt, und ähnlich elektrisierte Lyrics bereithält: "Blowing all around / In our House / And our hearts / It's a house / Of cards."

Irgendwo zwischen Secret Life of Arabia und All Saints taucht das Album weiter durch seine mantraartige Coolness, schafft es aber immer wieder sich unaufdringlich ins epische zu schleichen. Ob im geschmeidigen "Quickfire, i tried", im intimen "Headed for the Door" oder in "Teary eyes, bloody lips." das kuschliger klingt als die Textzeile "Teary eyes, and bloody lips / Make you look like Stevie Nicks" vermuten lässt.

Was bleibt ist der letzte Track "Lay your Cheek on down." Eine Ballade die mit dem kargen Zauber der Pixies und der grazilen Wucht von Tears for Fears liebäugelt, sich dann aber unter Krugs Pathos in die ganz eigene Genialität davonschrammelt. "Heartbreaking Bravery" verklingt also mit einer Erkenntnis die keineswegs überrascht, aber doch in einem ganz neuen Licht dasteht: "Heartbreaking Bravery Exists."

Samstag, 13. Oktober 2012

They call it Austin City Limits - Livemusik vom Feinsten mit Radiohead und Arcade Fire

Die Livemusik-Fernsehshow Austin City Limits ist seit über 30 Jahren eine Institution im US-amerikanischen Fernsehen. War es anfangs noch hauptsächlich texanische Countrymusik (yeehaa!), die es in der Show zu hören gab, so hat sich das Spektrum über die Jahre doch deutlich erweitert. Zu Beginn der aktuellen Staffel gaben sich in den letzten beiden Wochen  dann auch bereits keine geringeren als Arcade Fire und Radiohead die Ehre. Jauchzet und frohlocket: Die ersten 20 Minuten der Gigs gibt es hier und den Rest nach dem Klick auf den Link unter den Videos zu sehen!

Beide ca. 45-minütigen Konzerte sind enorm brillant und zeigen spielfreudige Bands auf der Höhe ihres Schaffens. Radiohead übersetzen in einer durchaus abwechslungsreichen Songauswahl mit einigen selten gehörten Schmankerln selbst die frickelnd-synkopischsten Songfetzen von "The King of Limbs" noch in treibende Livemusik und Arcade Fire bieten einen unfassbar energiegeladenen Querschnitt durch ihre drei absurd großartigen Alben. Man lehne sich zurück und genieße:


Watch Radiohead on PBS. See more from Austin City Limits.



Watch Arcade Fire on PBS. See more from Austin City Limits.
Der Vollständigkeit halber: Auch die aktuellen Austin-City-Limits-Gigs von Coldplay (inklusive "Politik" (!), aber auch viel Schmarrn von Mylo Xyloto) und Wilco gibt es in voller Länge im Netz.

Dienstag, 9. Oktober 2012

Dojos' warme Platten: Mumford and Sons neues Album "Babel"

Pünktlich zu den folkloristischen Umtrieben die jedes Jahr zu dieser Zeit München heimsuchen, stampft, läutet und haucht sich auch das neue Mumford and Sons Album in den Herbst. Ob der Titel "Babel" passend zum bayerischen Spektakel gewählt wurde, ist dabei nicht überliefert.

Der Opener, zugleich Titeltrack, zeigt schon nach den ersten Klängen unmissverständlich auf, wo sich der Release hinbewegen wird. Aus ein paar sanften Akkorden auf der halbakkustischen Gitarre, kräuselt sich ein hypnotisches Banjo, das zu anschmiegsam klingt, um sich vom marschhaften Takt der Drums zersprengen zu lassen. Diesen nah an der Übersteuerung vorbeirauschenden Gleichklang, durchsiebt Marcus Mumford mit seiner unverwechselbaren Stimme, die fast heiser vor Ergriffenheit von gescheiterter Liebe und Selbstsuche erzählt.

"...and i know perhaps my heart is farce, but i was born without a mask." In manchen Momenten des Albums ist diese Befreiung zu spüren, die schmerzhaft, scheue Eindringlichkeit einer plötzlichen Erkenntnis. Dann wieder verselbständigt sich der Überschwang, und man fühlt sich wie in einer viel zu gewichtigen Nabelschau der kollektiven Inbrunst.

"Babel" bietet weit weniger Charme und Originalität als der Vorgänger "Sigh No More", obwohl oder vielleicht gerade weil er so ähnlich klingt. Nichtsdestotrotz blitzt in Tracks wie dem poppigen "Below my Feet", oder dem nur auf der Deluxe Version enthaltenen Cover von Simon and Garfunkels "Boxer" eine verschrobene, mireißende Tiefe auf. Als Wasserstandsanzeiger der aktuellen Folk-Musik dient das Album also aufgrund seiner kommerziellen Relevanz und der stilbildenden Attitüde allemal.

Sonntag, 7. Oktober 2012

Alles Gute! adlerkuss gratuliert Wladimir Putin zum 60. Geburtstag

Der Gerhard-Schröder-Spezl und "lupenreine Demokrat" Wladimir Wladimirowitsch Putin wurde am 7. Oktober 1952 im damaligen Leningrad geboren. Judo und absurd in Szene gesetzten Heldenposen zu Pferd oder in Rambomanier mit Gewehr begeistern den Präsidenten der Russischen Föderation ja bekanntlich weit mehr als Pressefreiheit, Versammlungsrecht und andere absoluten Machtansprüchen eher hinderliche Kinkerlitzchen. 60 ist zwar theoretisch das gesetzliche Rentenalter in Russland, nach bereits 8 Jahren als Präsident zwischen 2000 und 2008 winkt dem erst im Mai nach dem Ämtertausch mit Dimitri Medwedew wieder auf den Kremlthron zurückgekehrten Putin nach einer von ihm selbst angeregten Verlängerung der Legislaturperiode eine potenzielle Amtszeit bis 2024, na das sind Aussichten.

Der NDR-Journalist Hubert Seipel kam für sein fein beobachtetes Porträt "Ich, Putin" dem starken Mann Russlands Anfang des Jahres ungewöhnlich nahe. Hier gibt es den hochspannenden und sehr sehenswerten Film zu sehen:


Als Geburtstagsständchen für Wladimir jedoch hier noch ein bisschen Punkrock, der womöglich seinen Geschmack gar nicht mal unbedingt trifft – Pussy Riot mit dem Song Putin zazhigaet kostry:

Sonntag, 26. August 2012

Außerordentlich amüsante Autofahrten: Jerry Seinfelds neue Webserie

Jerry Seinfeld, dessen großartige Sitcom "Seinfeld" in den Neunzigern auf Pro 7 im montäglichen Nachtprogramm lief und somit dafür sorgte, dass ich am Dienstag in der Schule immer etwas müder war, hat eine äußerst nette neue Show, die ausschließlich im Internet zu sehen ist und in der er einfach nur zusammen mit bekannten Komikern im Auto unterwegs ist und Kaffee trinkt. Konsequent betitelt heißt das ganze "Comedians in Cars Getting Coffee" und wie bei einer kondensierten, weniger intellektuellen Variante von artes Reihe "Durch die Nacht mit..." ist es auch hier sehr unterhaltsam, Leuten dabei zuzusehen, wie sie sich unterhalten.

Auf der offiziellen Seite könnt ihr alle bisherigen fünf Episoden sehen und hier gibt es noch den Trailer und die meiner Meinung nach bisher schönste Folge mit dem wunderbaren Alec Baldwin. Viel Spaß!





Dienstag, 14. August 2012

Ein Spektakel von Musikvideo: Get Well Soons: "Roland, I Feel You"

Das Video zu Get Well Soon's erster Single aus dem neuen Album "The Scarlet Beast O’ Seven Heads - La Bestia Scarlatta Con Sette Teste" (dessen herrliches Schlussstück es ja bereits zu hören gab) wurde nach großen Ankündigungen und einer Serie von Trailern auf der Bandwebsite vor knapp einer Stunde veröffentlicht. Und wahrlich ist das siebenminütige Epos, bei dem Sergio Leone auf LSD hätte Regie geführt haben können ein äußerst spektakuläres, überkandidelt überwältigendes und völlig abgefahrenes Musikvideo vom Feinsten. Spaghettiwestern trifft Schneewittchen, magische Sektenführer und zum Schluss auch noch das scharlachrote Biest mit den sieben Köpfen vom Albumtitel höchstselbst.

Der Song selbst gerät angesichts der Bilderflut aufmerksamkeitstechnisch etwas ins Hintertreffen, bietet jedoch spätestens beim zweiten Hören eine bittersüß-grandiose Mixtur aus Easy Listening, Morricone und der Apokalypse. Falls noch nicht geschehen, das in anderthalb Wochen erscheinende Album gleich hier vorbestellen. Aber jetzt besser noch erstmal anschnallen und auf Play drücken:




Montag, 13. August 2012

Somebody That I Used to Know: Das ultimative Cover-Version -Mash-Up

Grob geschätzt fünf Trillionen Videos mit Coverversionen des auch auf diesen Seiten schonmal hochgelobten Überhits "Somebody That I Used to Know" des belgisch-australischen Songwriters Gotye stapeln sich auf Youtube. Die ultimative cover version to end all cover versions veröffentlich nun Gotye selbst auf seiner Website und vermengt dabei in einer wilden, originellen und verblüffend gut funktionierenden Mixtur über 120 vom Originalsong inspririerte Videos, unter anderem auch die berühmte 5-Leute-1-Gitarre-Version von Walk Off The Earth und dessen Parodie von unseren Jungs Joko und Klaas. Viel Spaß bei einer knapp sechsminütigen Tour durch alle Genres und über alle Kontinente - bald sicher auch höchstviral auf den Facebookseiten aller Freunde.


Freitag, 20. Juli 2012

Ich glotz' TV: 5 Empfehlungen für das Fernsehprogramm von Sa. 21.7. bis Fr. 27.7.

Sonntag 22.7. ARD 21.45 Uhr

Vom Traum zum Terror – München 72

Knapp eine Woche vor der Eröffnung der Olympischen Spiele in London wirft das Doku-Drama einen Blick zurück auf die dramatischen Ereignisse um das Geiseldrama, das sich vierzig Jahre zuvor bei den Spielen in München abspielte. Auch wenn der Trailer hier etwas überzogen daher kommt, kann man wohl davon ausgehen, dass hier wie schon bei Heinrich Breloers Filmen über den Deutschen Herbst sowohl informativ, als auch ergreifend und spannend deutsche Zeitgeschichte aufgearbeitet wird.



Montag 23.7. NDR 23.15 Uhr

Meine teuflischen Nachbarn

Vollblutspießer Ray (Tom Hanks) genießt sein Leben in der amerikanischen Vorstadt, wären da nur nicht diese seltsamen Klopeks, die im Haus nebenan wohnen und nicht so recht in die idyllische nachbarschaftliche Gemeinschaft passen... Joe Dantes schwarze Komödie ist einer der lustigsten Filme der 80er Jahre und immer wieder sehenswert. Wie wäre es, wenn man einfach mal rübergeht und hallo sagt...?



Mittwoch 25.7. ARD 23.40 Uhr

Wegelagerer und Wichtigtuer

Im Oktober jährt sich die Spiegel-Affäre, bei der sich die Redaktion des Spiegels nach Veröffentlichung eines kritischen Artikels des Vorwurfs des Landesverrats ausgesetzt sah und mehrere Redakteure (u.a. auch Spiegel-Gründer Augstein) für teilweise mehrere Monate ins Gefängnis wanderten und die nach massiven Protesten in der Bevölkerung schließlich gar zum Zerbrechen der Regierungskolation führte, zum 50. Mal. Die ARD-Doku bereitet den Fall noch einmal auf und lässt unter anderem Wolfgang Schäuble und Spiegel-Chefredakteur Georg Mascolo zur Frage der Lage der Pressefreiheit in Deutschland heute zu Wort kommen.

Donnerstag 26.7. arte 20.15 Uhr

Die Kennedys

Ausgehend vom Präsidentschaftswahlabend 1960 lässt Familie Kennedy (u.a. Greg Kinnear als John F. und Katie Holmes als Jackie) den Werdegang der Familie Revue passieren... Die US-Miniserie zeigt in acht Folgen Erfolge, Tragödien und Intrigen im Hause Kennedy und nähert sich dabei zwar hin und wieder dem Seifenopernniveau ähnlich gelagerter Serien über historische Familienbanden wie den Borgias oder den Tudors an, ist aber letztlich doch weniger klischeehaft inszeniert und besser gespielt. arte zeigt zum Start gleich mal drei Folgen hintereinander.



Freitag 27.7. ZDF 21.30 Uhr

Olympia live: Eröffnungsfeier

In den nächsten 16 Tagen werden ARD und ZDF ca. hunderttausend Millionen Stunden live aus London von den über 300 Entscheidungen (und viielen Vorrunden) der Olympischen Spiele berichten. Zunächst aber geht es los mit einer sicher mal wieder spektakulären Eröffnungsfeier, zumindest mischt alles mit was Rang und Namen hat: Die Gesamtinszenierung übernimmt Oscar-Preisträger Danny Boyle ("Slumdog Millionär", "Trainspotting"), für die musikalische Leitung sind die Dance-Legenden von Underworld ("shouting lager lager lager") verantwortlich. Die formelle Eröffnung wird Her Majesty Elizabeth II. persönlich vornehmen und auch Sir Paul McCartney wird angeblich ein Liedchen trällern. Muss man sehen, hilft ja nix.

Sonntag, 8. Juli 2012

Höher, schneller, queener: Muse' offizieller Song für Olympia 2012

Nicht nur, dass Blur letzte Woche von sich hören ließen, nein auch die Prog-Brit-Pop-Helden von Muse lieferten ihr erstes Lebenszeichen seit dem Soundtrack zum Teenie-Vampir-Schmonz Twilight vor gut zwei Jahren. "Survival" ist nicht nur der erste Vorbote zum im September erscheinenden Album "2nd Law", sondern auch einer von fünf ( man gönnt sich ja sonst nichts) offiziellen Songs zu den Olympischen Spielen 2012 in London.

Muse' ja tendenziell bereits vorhandener Hang zum Pathos wird mit "Survival" in Anbetracht des Anlasses des megalomanischsten Sportereignisses der Welt mit Drama, Falsett, sowie Tenor und Sopran im Backgroundchor nochmals in neue Höhen getrieben, in denen bisher nur Freddie Mercury und Band noch einigermaßen gut atmen konnten, ohne völlig zu scheitern. Der Song ist überzogen, kitschig und lyrisch enorm schwach ("Race, it’s a race / But i’m gonna win / Yes i’m gonna win"), allerdings dennoch durchaus mitreißend und vor allem das instrumentale Intro und des später einsetzende Gitarrengewitter wissen durchaus zu überzeugen, bzw. -wältigen.

Der Trailer zum im September erscheinenden, neuen Muse-Album "The 2nd Law" ließ vermuten (befürchten? hoffen?), dass das Trio um Matthew Bellamy sich dem aktuellen Dubstep-Trend anschließen würde, davon ist in der Pathos-Überdosis "Survive" jedoch mal noch nichts zu spüren. Die Vorfreude auf die Synchronschwimmberichterstattung aus London im August ist mit dem Wissen, dass die Übertragung von Muse untermalt werden wird, mal durchaus gestiegen. In diesem Sinne: I'm gonna wiiiiiiiiiin!




Montag, 2. Juli 2012

Neue Songs von Blur: "Under the Westway" und "The Puritan"

Die einmaligen und unvergleichlichen Blur debütierten letzten Abend auf Twitter (moderne Zeiten...) zwei neue Songs.

Das hier bereits erwähnte "Under the Westway" ist auch in der Studioversion eine herrliche Ballade, die an die ganz großen Momente der Band wie "Best Days" erinnert, aber doch noch eine Spur melancholischer daher kommt. Definitiv einer der Songs des Jahres. Das vom offiziellen Blur-Channel veröffentlichte YouTube-Video ist GEMA sei Dank nicht offiziell genug für Deutschland, sollte aber hier dennoch verfügbar sein. Außerdem gibt's den Song hier auch zum Download, damit ihr ihn hören könnt, während ihr die limitierte Vinyl-Single auf bunter Platte hier erwerbt.

Die B- oder doch Doppel-A-Seite ist das groovende und eingängige "The Puritan", das mit extrem billig klingendem Synthie-Sound, diversen Effekten und "Lalala"-Refrain Parklife und Think Tank aufeinander prallen lässt.



Die beiden Songs markieren 21 Jahre nach dem Debütalbum ein äußerst starkes, offiziell exklusiv für das Olympiaabschlusskonzert im August entstandenes Lebenszeichen von Blur, das die Hoffnung auf ein neues Album weiter nährt. There's no other way, all that you can do is watch them play!

Dienstag, 26. Juni 2012

Expelliarmus! "Harry Potter und der Stein der Weisen" wird heute 15 Jahre alt.

"Mr. and Mrs. Dursley, of number four, Privet Drive, were proud to say that they were perfectly normal, thank you very much." So lautet der erste Satz des Debütromans der arbeitslosen Lehrerin Joanne Rowling, der heute vor 15 Jahren am 26. Juni 1997 in einer Startauflage von 500 Exemplaren in Großbritannien veröffentlicht wurde. Bereits die allererste Besprechung in The Scotsmen zwei Tage später attestiert dem Buch sehr prophetisch "the makings of a classic".

Von der mit dem siebten Band zehn Jahre später vollendeten Harry-Potter-Serie wurden weltweit unfassbare 500 Millionen Bücher verkauft, über 3407 (oder 4344 deutschsprachige) Seiten hinweg fieberten Fans aller Altersstufen mit dem Zauberlehrling. Buchläden öffneten an den Veröffentlichungstagen um Mitternacht und da die Ungeduld der Anhängerschar allzu groß war, gelangten gar die englischen Originale vor Veröffentlichung der jeweiligen Übersetzung in die nationalen Bestsellerlisten.

Außerdem spielten acht mal mehr und mal weniger gelungene Verfilmungen (die allesamt zu den 35 erfolgreichsten Filmen aller Zeiten gehören) weltweit über 7,5 Millarden Dollar ein. Wie der letzte dieser Filme im Idealfall geendet hätte, das sehen wir heute, exakt 15 Jahre nachdem alles mit 500 Exemplaren eines Debütromans begann, noch einmal hier:

Montag, 18. Juni 2012

Alles Gute! adlerkuss gratuliert Sir Paul McCartney zum 70. Geburtstag

James Paul McCartney wurde am 18. Juni 1942 in Liverpool geboren. Kurz nach seinem 15. Geburtstag lernte er bei einem Kirchenfest in einem Vorort einen gewissen John Lennon kennen – der Rest ist Musikgeschichte. Auch nach dem Ende der größten Band aller Zeiten im Jahr 1970 blieb McCartney mit den Wings und auch solo immer aktiv und erweiterte das ja sowieso schon aberwitzig großes Spektrum von Hits aus seiner Feder ("Yesterday", "Let It Be", "Hey Jude" etc. etc. etc.) um weitere Geniestreiche der Populärmusik wie "Live and Let Die" und "Hope of Deliverance". Außerdem scheute Sir Paul auch nie Experimente und nahm nicht nur zusammen mit dem Produzenten Youth clevere experimentelle Ambient-Elektronikamusik auf, sondern schrieb auch Symphonien, Oratorien (ganz hervorragend: "Ecce Cor Meum" aus dem Jahr 2006) und im vergangenen Jahr sein erstes Ballett.

Auch live weiß Macca immer noch zu überzeugen und die auf das Publikum überspringende unbändige Spielfreude vom wohl bekanntesten Linkshänder Welt und seiner Band ist und bleibt einfach mitreißend.

Ob la di Ob la da, life goes on: Sir Paul McCartney wird am heutigen Montag 70 Jahre alt.

Zur Feier des Tages gibt es hier ein knapp einstündiges Konzert im intimen Rahmen, das Paule 2005 in den Abbey Road Studios gab und als Zugabe noch der triumphale Abschluss des Konzerts zum Thronjubiläum der Queen Anfang dieses Monats. Dear Sir Paul, thanks for making our lives better, better, better, better, better aaah.. naaa, naa naa nanana naa...



Sonntag, 17. Juni 2012

EM-Regeln-Spickzettel: Wer kommt weiter in Gruppe B?

Die UEFA hat in Ihrer unendlichen Weisheit Regularien für das Weiterkommen aus der Gruppenphase aufgestellt, zu deren Verständnis ein höherer Abschluss in Mathematik zwar nicht zwangsläufig notwendig, aber äußerst hilfreich ist. Die Regelung für den direkten Vergleich ist an sich ja fragwürdig, aber zumindest verständlich. Heikel wird es, wenn drei Mannschaften die gleiche Punktezahl erreichen, da dann die "bessere Tordifferenz aus den direkten Begegnungen" zählt. Nachdem ich große Teile der zweiten Halbzeit zwischen der Tschechischen Republik und Polen damit verbracht habe, über eben dieses System nachzudenken, habe ich (glaube ich) durchschaut, was diese Regel für die deutsche Gruppe B bedeuten könnte.

Als besondere Serviceleistung von adlerkuss gibt es hier zum Download einen handlichen und übersichtlichen Spickzettel für alle möglichen Ausgänge der Spiele. Ein nahezu unabdingbarer Begleiter für den heutigen Fußballabend!

Und kurz (hüstel...) gesagt sieht es so aus:

Also... Wenn zwei Mannschaften punktgleich sind, zählt der direkte Vergleich (siehe zuletzt Griechenland und Russland). Wenn drei Mannschaften punktgleich sind, zählt die "bessere Tordifferenz aus den direkten Begegnungen".

Es gibt zwei Möglichkeiten, wie das in der deutschen Gruppe passieren könnte: Zum einen wäre es der Fall, wenn Dänemark Deutschland schlüge und Portugal die Niederlande. Dann hätten Dänemark, Deutschland und Portugal sechs Punkte, die Niederlande null. Die Spiele der drei Länder mit sechs Punkten gegen die Niederlande würden dann für die Berechnung gestrichen. Das hieße Portugal hätte auf jeden Fall schon ein Torverhältnis von 3:3 (0:1 gegen Deutschland, 3:2 gegen Dänemark). Wenn Dänemark Deutschland mit mehr als einem Tor Unterschied schlüge, hätte Dänemark ein positives Torverhältnis und Deutschland ein negatives, Dänemark wäre also Erster, Deutschland Dritter. Wenn Dänemark Deutschland mit einem Tor Unterschied schlüge, wäre Dänemark auch weiter, weil sie auf jeden Fall vor Deutschland wären. Allerdings könnte Deutschland dann noch vor Portugal liegen – wenn es 2:3 ausginge und somit beide Länder bei einem Torverhältnis von 3:3 stünden, wäre dies durch den gewonnenen direkten Vergleich der Fall, wenn es 3:4, 4:5 etc. (hier sind wir nun schon eher im theoretischen Bereich angelangt) ausginge, läge es daran, dass Deutschland dann zwar auch ein ausgeglichenes Torverhältnis hätte, jedoch mit mehr geschossenen Toren.


Der zweite und wahrscheinlichere Fall für Punktegleichheit von drei Mannschaften wäre ein Sieg von Deutschland gegen Dänemark und ein gleichzeitiger Sieg der Niederlande gegen Portugal. Dann hätte Deutschland neun Punkte, die anderen drei Punkte. Also würden in diesem Fall alle deutschen Spiele für die restlichen drei Mannschaften aus der Wertung fallen . Damit hätte Dänemark schon sicher ein Torverhältnis von 3:3, was auf keinen Fall reichen würde, da Portugal selbst wenn es nur 0:1 gegen Niederlande verlöre auch das Torverhältnis von 3:3 hätte und dann das direkte Duell, das Portugal ja 3:2 gewonnen hat, zählen würde. Wenn die Niederlande bei gleichzeitigem deutschen Sieg mit mindestens zwei Toren Unterschied gewönnen, hätte des Deutschen Lieblingsnachbar ein positives Torverhältnis und wäre als Zweiter im Viertelfinale.

Alles kla? (Die Konjunktive sind übrigens fast noch schwieriger als die Rechnerei...)

Samstag, 16. Juni 2012

Herrlich warmherziger Folk aus Schweden: Crying Day Care Choir

Ich scheine skandinavische Choralmusik zu mögen, denn nach dem musikalisch recht anders angelegten Dänen vom Choir of Young Believers ist es mir eine große Freude, heute den schwedischen Crying Day Care Choir vorzustellen.

Die drei Herren plus Dame aus Malmö und Stockholm machen einfach gehaltene melodieseelige Folkmusik, die sowohl im Arrangement als auch textlich mehr als nur ein bisschen mit der Flower Power der ausgehenden Sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts flirtet. Das hymnische und wie für Lagerfeuer geschaffene Titellied der Debüt-EP "Join the Joyful Revolution" mit seiner naiv-optimistischen Botschaft könnte so ähnlich auch im Matsch von Woodstock intoniert worden sein. Anders als bei EPs oft der Fall fällt das Niveau hier nach dem gloriosen Beginn nicht ab, sondern auch die weiteren Songs gehören zum herzerwärmendsten, das es dieses Jahr zu hören gab: Die bittersüße Ballade "Flowers upon Flowers" mit den schönen Zeilen "If we all just took a break from everything we think we know / We'll see flowers upon flowers and perhaps we too will grow", die an Fairport Convention erinnert, weiß ebenso zu überzeugen wie das rhythmisierte und sehnsüchtige "Where did John Lennon Go?" und vor allem das Schlussstück "Bumblebee", das auch auf dem nächsten Album der Fleet Foxes erscheinen könnte.

Die ganze EP gibt es zum ab 1 Dollar frei wählbaren Preis hier zu erwerben und beachtlicherweise gehen alle Einkünfte aus dem Download in Gänze an Yoko Onos Imagine Peace Foundation. Hach, diese Hippies. Also bitteschön hier anhören und dann dort kaufen! Join the peaceful revolution! And be sure to wear some flowers in your hair...

Dienstag, 29. Mai 2012

Gone, but not forgotten: Romy Schneider starb heute vor 30 Jahren

Die allzu oft nur auf die Rolle als rührselige, den Franzl vergötternde Kitschkaiserin Sissi reduzierte Romy Schneider war wohl eine der größten deutschsprachigen Schauspielerinnen überhaupt. Faszinierend schön und geheimnisvoll undurchdringlich zugleich stellte sie oft zerbrechliche Frauen in schwierigen Lebensumständen dar, eine Umschreibung, die leider über viele Jahre hinweg auch zu ihrer privaten Situation passte. Romy Schneider starb am 29.5. 1982 mit nur 41 Jahren an Herzversagen.

3Sat zeigt in den kommenden Tagen noch einige Filme mit Romy Schneider:

Mittwoch, 30. Mai , 22.25 Uhr
Das wilde Schaf (F/ITA 1973)
Großartige, frivol-bösartige Gesellschaftssatire, in der sich Romy Schneider von Karrierist Jean-Louis Trintignant verführen lässt.



Donnerstag, 31. Mai , 22.25 Uhr
Die Liebe einer Frau (BRD/F/ITA 1979)
Ohne Kitsch, sondern mit sanftem Optimismus erzählt der Film von der zarten Liebe zweier Trauernder (Yves Montand und Romy Schneider).

Freitag, 1. Juni 2012, 16.15 Uhr
Die Halbzarte (BRD/AUT 1958)
Nette, aber doch belanglose Verwechslungskomödie mit Romy als bravem Töchterchen, das sich als Vamp ausgeben muss.

Freitag, 1. Juni 2012, 22.00 Uhr
Die Spaziergängerin von Sans-Souci (F/BRD 1982)
In Schneider letzter Film liefert sie wohl neben "Der Swimmingpool" (rbb, 2. Juni, 23.45Uhr) auch ihre beste Leistung ab. Romy brilliert in diesem NS-Melodram in einer Doppelrolle als Diplomatenfrau, deren Mann wegen Mordes inhaftiert wird und tapferer Berlinerin, die einen jüdischen Waisenjungen bei sich aufnimmt.

Samstag, 26. Mai 2012

Eurovision Song Contest 2012: Trinkspiel und Wertungstafel

In 2 Stunden beginnt das TV-Highlight des Jahres, höchste Zeit für letzte Vorbereitungen für den 57. Eurovision Song Contest in Baku:

adlerkuss bietet zum Download über Mediafire auch dieses Jahr sowohl eine Wertungstafel für die Stimmabgabe der heimischen Sofa-Jury, als auch feuchtfröhliche Regeln für ein Eurovision Song Contest Trinkspiel. Viel Spaß allen heute Abend!

Hier noch der wohl beste Song des diesjährigen Eurovision Song Contests, der tragischerweise bereits im Halbfinale gescheitert war. Finnlands bezaubernder, schwedischsprachiger, verträumter Ohrenschmeichler "När Jag Blundar" von Pernilla:



Ach ja, gewinnen wird Schweden!

Samstag, 19. Mai 2012

Sweetest Perfection: Das neue Album von Soulsavers und Dave Gahan im Stream!

Depeche-Mode-Sänger und -Rampensau Dave Gahan ist Gastsänger und -textschreiber auf dem an diesem Wochenende erscheinenden neuen Album des britischen Duos Soulsavers, die zuvor unter anderem mit Will Oldham und Mark Lanegan zusammen gearbeitet hatten. Die Namen dieser Americana-Heroen deuten schon ein bisschen an, wohin die musikalische Reise hier geht: Synthiepopzentrierte Anhänger von Gahans Hauptmusikkapelle werden angesichts der auf "The Light the Dead See" angerührten Mixtur aus Rockmusik, Country, Gospel, Italowesternsoundtrack und sogar coheneskem Liedergut womöglich etwas abgeschreckt werden, alle anderen werden beim einen oder anderen pathosgetränkten melodieseeligen Song unwillkürlich die Feuerzeuge (und bitte nicht die iPhones) schwenken.

Alle 12 Lieder von "The Light the Dead See", die auch mit dem klassischen DM-Albumtitel "Songs of Faith and Devotion" angemessen überschrieben wären, kann man auf soundcloud in voller Länge lauschen, hier gibt es die durchaus repräsentative Vorabsingle "Longest Day":

Mittwoch, 16. Mai 2012

Euro Pop Hallelujah! Der Eurovision Song Contest 2012 steht vor der Tür!

In genau 10 Tagen ist wieder Eurovision Song Contest! Die Veranstaltung, die ich als Kind unter dem Namen Grand Prix Eurovision de la Chanson (wörtlich: "es isch wieder Kroprie!") kennengelernt hatte und die in diesem Jahr zum nunmehr 57. Mal zelebriert wird, hat auch nach über einem halben Jahrhundert nichts von ihrem Reiz als Spektakel und Sinnbild für den europäischen Gedanken, Völkerverständigung und abgefahrenes Liedgut verloren. Nachdem adlerkuss bereits im letzten Jahr seine subjektive Top 10 der besten Eurovision-Songs aller Zeiten vorgestellt hatte, bleibt mir in diesem Jahr nur die Empfehlung für den bakublog, auf dem es täglich einen durchaus amüsanten ESC-Lagebericht aus Aserbaidschan gibt und für den Youtube-Channel von Euroensiklopediya, wo es alle (!) Ausgaben des Eurovision Song Contests seit 1957 (!!) in voller Länge (!!!) zu sehen gibt – welch ein feuchter Schlagertraum für Hardcorefans.

Außerdem eine sehr charmante Art, die Vorfreude auf den diesjährigen Wettbewerb (der ja bereits am kommenden Dienstag mit dem ersten Halbfinale, das live auf Eins Festival übertragen wird, beginnt) zu befriedigen, ist die schön gemachte Doku-Show Boom-Bang-A-Bang, mit der die BBC vor 6 Jahren das 50jährige Jubiläum unser aller Lieblingsliederwettstreit beging:



Mittwoch, 9. Mai 2012

Music Man Murray: Eine berührende Doku über das Sammeln von Platten und noch viel mehr

Music Man Murray ist ein legendärer Plattenladen in Los Angeles, dessen aus über 300000 Scheiben bestehende Kollektion der inzwischen 88(!)-jährige Murray Gershenz seit 1962 mit großer Sammelleidenschaft zusammengetragen hat. Filmemacher Richard Parks (der Sohn von Beach-Boys-Kollaborateur Van Dyke Parks) hat Music Man Murray mit seiner wunderbaren, zwanzigminütigen Dokumentation ein herrliches Denkmal gesetzt, in dem es neben dem Leben für Vinyl auch und vor allem um universelle Themen, nämlich ein Vater-Sohn-Verhältnis, Glaube und die Frage nach dem Vermächtnis eines Menschen nach dem Tod geht. Unbedingt ansehen!

Dienstag, 1. Mai 2012

Ich glotz' TV: 5 Empfehlungen für das Fernsehprogramm von Di. 1.5. bis Fr. 4.5.

Dienstag 15.4. ARD 11.00 Uhr

Europakonzert der Berliner Philharmoniker 2012

Das traditionelle, alljährliche Europakonzert der Berliner Philharmoniker findet an diesem ersten Mai in der Spanischen Hofreitschule in Wien statt. Wo sonst edle Lippizanerpferde trainieren, spielt das feine Orchester unter der Leitung von Gustavo Dudamel zur Donaumetropole passende Werke von Brahms, Haydn und Beethoven. Von letzterem gibt es gar die überaus populäre 5. Sinfonie zu hören. Da da da daaaaa!

Dienstag 15.4. ARD 13.10 Uhr

Ein Herz und eine Krone

Die junge Kronprinzessin Ann (Audrey Hepburn) ist auf Besuch in Rom. Angeödet von ihren royalen Pflichten nimmt sie reißaus und lernt inkognito den Reporter Joe (Gregory Peck) kennen... Die 1953 entstandene Mutter aller romantischen  Komödien ist auch knapp 60 Jahre später ein herzallerliebstes Filmvergnügen und markierte seinerzeit den Durchbruch für die bezaubernde und prompt oscardekorierte Audrey Hepburn.

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Dienstag 15.4. arte 20.15 Uhr

Drei Leben: Axel Springer

Anlässlich des 100. Geburtstags von Verleger und BILD-Erfinder Axel Springer zeichnet die Doku ein vielschichtiges und facettenreiches Porträt des Hamburgers, der als "Verleger – Feindbild – Privatmann" das 20. Jahrhundert in Deutschland entscheidend mitgeprägt hat. Drei Filmemacher arbeiten jeweils einen Aspekt der Biografie Springers heraus und bieten so ein spannendes Mosaikporträt des verhassten und bewunderten Geschäftsmanns.

Mittwoch 16.4. ARD 20.15 Uhr

Die Heimkehr

Weltenbummler August kehrt zurück in seinen schwäbischen Heimatort und verguckt sich in Witwe Katarina, die im Dorf nicht besonders hoch angesehen ist... Aus Anlass des 50. Todestages von Hermann Hesse entstand diese Verfilmung einer der frühen Novellen des Autors, die unglaublicherweise gleichzeitig die erste deutsche Hesse-Verfilmung überhaupt ist. "Die Heimkehr" beschäftigt sich mit dem Spannungsverhältnis von Heimat und individueller Verwirklichung und ist auch als Buch äußerst lesenswert.

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Donnerstag 17.4. MDR 23.40 Uhr

Der Teufel mit der weißen Weste

Gangster Maurice verdächtigt seinen Kollegen Sillian (Jean-Paul Belmondo), ein Spitzel zu sein, schließlich ist dieser mit Inspector Salignari befreundet... Das düstere und komplexe Krimi-Drama um Mord, Vertrauen und Verrat ist ein grandioser Film noir, der sein unterkültes Spiel mit den Erwartungen des Zuschauers treibt und dabei jeden Bogart an Brillanz übertrifft.

Donnerstag, 26. April 2012

Wundersames aus Dänemark: Das neue Album von Sleep Party People im Stream!

Ich gehörte ja schon immer zu denen, denen Dänen und ihre Populärkultur (von Lars von Trier zu den Olsen Brothers) sympathisch waren, aber dass ich so kurz nach dem Choir of Young Believers schon wieder ein sehr spezielles und doch sehr hörenswertes Album aus dem Land von Kierkegaard und Hans Christian Andersen empfehlen kann, das ist schon was Besonderes. Sleep Party People sind das Projekt des Multiinstrumentalisten Brian Batz, der unter diesem Namen im Jahr 2010 sein Debütalbum veröffentlicht hatte und aus Schüchternheit bei Liveauftritten nur mit Hasenmaske (!) aufgetreten war. Inzwischen sind Sleep Party People zum Quintett angewachsen (live natürlich auch alles Hasen!) und morgen erscheint die neue Platte "We Were Drifting On a Sad Song" offiziell in Deutschland.

Auf "We Were Drifting On a Sad Song" trifft Dreampop Marke Beach House den Space Rock der Flaming Lips und die elektronische Hymnenhaftigkeit von M83 kurz vor Sonnenaufgang auf dem Nachhauseweg von einer guten Party. Zusammengehalten wird diese eigenwillige, gleichzeitig und abwechselnd stattfindende Mischung von einer an Jonsi von Sigur Ros gemahnenden Stimme, die jedoch durch Hall, Vocoder und weitere Effekte so stark verfremdet ist, dass die Texte nicht nur nahezu völlig unverständlich sind, sondern der Gesang auch wie nicht von dieser Welt stammend klingt. Auf diese Art und Weise entführen Sleep Party People den Hörer für eine knappe Dreiviertelstunde in eine mystisch entrückte Welt zwischen Ekstase, Schlaf und Tod, in ein bizarres Wunderland. Wie das weiße Hasen eben so tun.

Meine Anspieltipps sind das Eröffnungsstück "A Dark God Heart", das klingt wie eine Adaption von Johannes Brahms' Melodie zu "Guten Abend, Gut' Nacht" für müde Androiden und das herrliche groovende Titelstück. Zu kaufen gibt's das Ganze zu äußerst fairen Preisen von 8 Pfund für die CD und 12 Pfund für die Schallplatte hier direkt beim Label.

Mittwoch, 25. April 2012

Neuer Song von Get Well Soon zum kostenlosen Download!

Der grandeurgetränkte Eklektizismus von Get Well Soon hat es 2008 und 2010 spielend in meine Top 5 der Alben des Jahres geschafft. Jetzt wurde bekannt, dass die dritte Langspielplatte den epischen Titel "The Scarlet Beast O’ Seven Heads - La Bestia Scarlatta Con Sette Teste" tragen und am 27. August erscheinen wird. Eine von (wie es auf der Website der Plattenfirma heißt) ganzen 3227 Inspirationen für das Album ist passend zum Titel wohl auch der typische Sound von italienischer Filmmusik. Oder wie Konstantin Gropper, das Mastermind hinter Get Well Soon, das neue Album sehr schön beschreibt: “To my new album, the average billionaire trustfund kid can happily cruise around the mountains atop Largo di Garda in his convertible, complete with trophy girlfriend in the passenger seat. But if he feels like it, he can also get off his medication and just go crashing through the barriers.“ Man kann also gespannt sein!

Damit wir leichter über die viermonatige Wartezeit hinwegkommen, gibt es bereits jetzt das großartige Schlussstück des Albums mit dem herrlich fatalistischen Titel "You Cannot Cast Out The Demons (You Might As Well Dance)" zum Anhören, Herunterladen und sehr lieb haben:
Get Well Soon - You Cannot Cast Out The Demons (You Might As Well Dance) by City Slang

Freitag, 13. April 2012

Ich glotz' TV: 5 Empfehlungen für das Fernsehprogramm von Sa. 14.4. bis Fr. 20.4.

Sonntag 15.4. ARD 10.03 Uhr

Nils Holgerssons wunderbare Reise

Die 2011er-Realverfilmung von Literaturnobelpreisträgerin Selma Lagerlöfs Roman über den geschrumpften Jungen Nils, der mit einem Schoof Gänse durch Schweden reist ist eine sehr liebevolle und charmante Neuauflage des Stoffes. Die ARD zeigt den Weihnachtszweiteiler von 2011 als vier einstündige Happen, wunderbar geeignet für die kommenden Sonntagvormittage.

Montag 16.4. ARD 22.45 Uhr

BILD.MACHT.POLITIK.

Deutschlands größte Tageszeitung feiert im Juni ihren 60. Geburtstag. Die Doku untersucht, inwiefern die BILD Spiegel der Volksseele oder aktiver Meinungsmacher (vgl. z.B. Liebling Guttenberg und Feindbild Wulff) ist und spricht mit Lesern, Kritikern und auch Chefredakteur Kai Diekmann. Wer diese Woche auch die BILD-Schlagzeile zur "Hartz-IV-Sauerei" gesehen hat, möchte hier bitte weiterlesen, abgesehen davon, dass man den Bildblog ((leider) nicht nur wegen der BILD!) sowieso verfolgen sollte.

Dienstag 17.4. WDR 23.15 Uhr

Ein erfolgreicher Maler zieht aus Paris zurück in sein Elternhaus auf dem Land. Als er einen Gärtner sucht, meldet sich ein ehemaliger Schulkamerad und bodenständiger Eisenbahner in Rente. Die beiden sehr unterschiedlichen Männer tauschen Erfahrungen aus und werden Freunde... "Ziemlich beste Freunde"-Darsteller Daniel Auteuil glänzt hier in einem schönen Männerfilm, der durchaus Ähnlichkeiten zum aktuellen Kinohit aufweist, dabei aber weniger klamaukig und gefühlvoller daherkommt.




Mittwoch 18.4. 3Sat 20.15 Uhr

Plastic Planet

Der österreichische Filmemacher Werner Boote zeigt die Allgegenwart von Plastikprodukten und deren Konsequenzen auf unserer Erde auf, von der westlichen Wohlstandsgesellschaft über die Slums von Kalkutta bis zu den Weltmeeren, in denen sechsmal mehr Plastikmüll als Plankton schwimmt. Eine spannender und vor allem durch den persönlichen Ansatz von Boote durchaus auch unterhaltsamer Film über ein unangenehmes Thema. Und wer Mittwoch Abend keine Zeit hat, findet den Film auch hier.

Freitag 20.4. ZDF 1.20 Uhr

Lemming

Die perfekte Ehe des glücklichen jungen Paares Bénédicte (Charlotte Gainsbourg) und Alain gerät aus den Fugen, nachdem Alains Chef und dessen Frau Alice (Charlotte Rampling) ihren Beziehungskrieg bei einem gemeinsamen Geschäftsessen offen austragen. Alice beeinflusst Bénédicte zunehmend und für Alain ist bald nichts mehr so wie es einmal war... Die beiden Charlottes spielen in diesem leicht verstörenden Mystery-Psychodrama ganz groß auf.

Donnerstag, 5. April 2012

Orchestraler Pop mit Brechungen: Das neue Album von Choir of Young Believers.

The Choir of Young Believers ist das Projekt eines dänischen Singer-Songwriters mit dem tollen Namen Jannis Noya Makrigiannis. Das am Samstag offiziell in Deutschland erscheinende "Rhine Gold" ist das zweite Album der Band und der Titel ist insofern ganz passend, als dass es sich durchaus um einen musikalischen Schatz handelt, der jedoch nicht allzu direkt zugänglich ist. "Rhine Gold" ist ein episches und sehr ambitioniertes Werk, dessen neun Songs durchschnittlich mehr als 6 Minuten lang sind und ideenreich genug sind, um dabei nie langweilig zu werden. Zu veträumten orchestralen Melodien, Pathos und von Makrigiannis glockenheller Stimme getragener großer Geste gesellen sich Synthiesounds, orientalische Einschläge und an Krautrock erinnernde Elemente (ohne dabei jedoch jemals die Nervigkeit der letztgenannten Musikrichtung zu erreichen...). Die gelungene Vermeidung von Kitsch trotz großer Geste als Kombination von emotionalem Sog und einer gewissen intellektuellen Distanz macht "Rhine Gold" so überaus spannend. Anspieltipps sind das wunderbar bassig groovende "Sedated", das den Sound des Albums ganz gut repräsentiert und die Über-Ballade "Have I Ever Really Been Here?". Das (lang-)ohrenschmeichelnde Ostergeschenk "Rhine Gold" gibt's hier zu erwerben.

Freitag, 30. März 2012

Ich glotz' TV: 5 Empfehlungen für das Fernsehprogramm von Sa. 31.3. bis Fr. 6.4.

Samstag 31.3. ProSieben 20.15 Uhr

Das große ProSieben Promiboxen

Brot und Spiele fürs Volk anno 2012: ProSieben reaktiviert das Format des Promiboxens und beweist, dass Trash-TV nicht unbedingt im australischen Dschungel stattfinden muss. Allerdings waren fünf der acht Kontrahenten, die zur gepflegten Prügelei antreten, schonmal bei "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" dabei. Highlight des Abends: 840 Gramm Polster in den Brüsten von Nackt-DJane (ich liebe diese Berufsbezeichnung) Micaela Schäfer treffen auf deren 450 in der Oberweite von Ex-Bro'Sis-Sängerin Indira Weiss. Untergang des Abendlandes? Ach was – get in the ring!

Mittwoch 4.4. arte 22.20 Uhr

The Black Power Mixtape 1967-1972

Ende der 1960er Jahre reiste ein schwedisches Filmteam in die USA und interviewte die Führungsriege der Black-Power-Bewegung. Nachdem die Aufnahmen fast 40 Jahre lang im Archiv geschlummert hatten, wurden sie jetzt um Interviews mit prominenten Amerikanern afrikanischer Herkunft ergänzt und neu zusammengeschnitten. Ein hochspannendes Stück Zeitgeschichte in deutscher Erstausstrahlung.




Mittwoch 4.4. arte 23.20 Uhr

Hunger

Im nordirischen Gefängnis für IRA-Häftlinge verlieren die Insassen 1976 ihren Status als politische Gefangene. 5 Jahre später beginnt nach zahlreichen ergebnislosen Protesten der junge Gefangene Bobby Sands einen Hungerstreik... Das Regiedebüt von Steve McQueen mit Deutsch-Ire Michael Fassbender in der Hauptrolle (die zweite Zusammenarbeit der beiden, der großartige Film "Shame" ist derzeit in den Kinos) ist ein intensives, dialogarmes, fast schon dokumentarisch direktes Stück Kino. Jenseits jeglicher moralischer oder politischer Positionierung zeigen McQueen und sein beeindruckender Hauptdarsteller Fassbender den Kampf für eine Überzeugung mit dem eigenen Körper als letzter Waffe.




Freitag 6.4. 3Sat 17.55 Uhr

Wolfgang Amadeus Mozart: Requiem d-Moll, KV 626

Ideal für eine Stunde ernste Feierlichkeit am Karfreitag ist Mozarts Requiem in einer Aufführung des Wiener Musikvereins unter der Leitung des legendären Dirigenten Herbert von Karajan. Wolferls letztes Werk stammt nur zu zwei Dritteln von ihm selbst stammt und wurde von Schülern des Meisters vollendet. Dennoch (nicht nur) für uns Laien: Einfach wunderbar.


Freitag 6.4. arte 23.25 Uhr

Monty Python: Die ganze Wahrheit – Oder fast! (1/6)

Die britischen Komiklegenden von Monty Python blickten 2009 in einer schwer unterhaltsamen, sechsteiligen Doku auf die Karriere des Kollektivs zurück. Dabei gibt es interessante Einblicke in alle Phasen des pythonschen Schaffens, von den Beginnen über Flying Circus bis hin zu den Filmen und dem Auseinanderbrechen der Gruppe. arte zeigt am Osterwochenende von Freitag bis Sonntag in drei Doppelfolgen die gesamte Doku. Für Fans ein Muss!

Donnerstag, 29. März 2012

Großartige Coverversion: Lana del Reys "Video Games" auf österreichisch!

In der mittwochnächtlichen Talkradio-Sendung "Bonustrack" auf der uneingeschränkt empfehlenswerten österreichischen Alternativ-Station FM4 gab es die letzten beiden Male ein Stück Musik zu hören, dem unbedingte Weitervebreitung gebührt: Lana del Reys "Video Games" auf österreichisch!

Im Tempo und in der streicherseeligen Produktion hält sich die Coverversion eng ans Original, der Interpret ist hier jedoch männlich. Dieses Spiel mit den Geschlechterrollen ist angesichts Lana del Reys Inszenierung als gefallener Trailerpark-Lolita natürlich besonders reizvoll. Außerdem glänzt "Video Spü" mit einer äußerst gelungenen Übertragung des Songtextes in die deutsche Sprache, die in Kombination mit dem Gesang, der del Reys verhuscht-schläfrig-sedierten Charme gegen einen direkten, teilweise cohenesken Vortrag eintauscht, zu einer herzzerreißenden Unmittelbarkeit führt.

Der Interpret dieses besten Covers seit langem ist die hübsch benamte Neigungsgruppe Sex, Gewalt und Gute Laune, ein Projekt von Leuten aus dem FM4-Dunstkreis, die neben eigenen modernen Wiener Liedern vor Jahren auch schon das schöne Bright-Eyes-Cover "Luada" produziert hatten. Hier nun also "Video Spü" zum Anhören und zum Download in geht-so-Radio-Rip-Qualität!

Videospui (Austrian Cover Version of Lana del Rey's Video Games) by adlerkuss

Mittwoch, 28. März 2012

adlerkuss im Kino: Take Shelter – Ein Sturm zieht auf

Bauarbeiter Curtis (Michael Shannon) lebt mit seiner hübscher Frau Samantha (Jessica Chastain) und ihrer tauben Tochter als typisch amerikanische Familie in einem Haus am Rande einer Kleinstadt in Ohio. Ein gutes Leben, wie Curtis' Arbeitskollege ihm gleich zu Beginn des Films versichert. Jedoch ziehen sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne Wolken auf: Curtis wird von furchtbaren Albträumen heimgesucht, die immer mit einem schrecklichen Sturm beginnen und im Zuge deren er oder seine Familienmitglieder körperlich angegriffen werden. Außerdem türmen sich Wolkenungetüme vor Curtis auf, Vögel fliegen in ungewöhnlichen Schwärmen und niemand außer Curtis hört den Donner krachen, der ihn zusammen zucken lässt. Als konservativer amerikanischer Familienvater kann Curtis seiner Frau nicht eingestehen, was ihn plagt, sondern er versucht, seine Familie vor dem seiner Meinung nach bevorstehenden Unglück zu beschützen und setzt wie besessen alle Energie – und mehr Geld als für die Familie gut ist– daran, den Sturmschutzbunker hinter dem Haus auszubauen, ganz egal was alle anderen denken...

Regisseur Jeff Nichols inszeniert Curtis' zunehmendes Abdriften in die Paranoia (oder sind es doch visionäre Fähigkeiten?) auf sehr ruhige, realistische und gerade deswegen sehr intensiv und beklemmende Art und Weise. Wahn und Wirklichkeit sind effektiv optisch einander angeglichen, erst wenn Curtis schweißgebadet aufwacht wissen wir, dass es sich um eine Traumsequenz gehandelt hatte. Gleichzeitig sind die Figuren des Films auch eingebettet in eine gesellschaftliche Situation, in der einfachen Menschen dank Klimawandel, Finanzkrise und Hypothekendruck zumindest die allegorische Apokalypse nicht zwangsläufig unwahrscheinlich vorkommt.

Hauptdarsteller Michael Shannon dominiert mit seinem subtilen Spiel nahezu jede Szene, sein Curtis wankt in seiner angegriffenen männlichen Selbstwahrnehmung wie ein angeschlagener Boxer, seine Gesichtszüge schwanken zwischen völliger Entschlossenheit und absoluter Verunsicherung. Dier Tatsache, dass "Take Shelter" das Publikum nicht nur als Psychostudie, sondern auch als Familiendrama zu packen weiß, ist Jessica Chastain in der Rolle als Curtis' Frau Samantha zu verdanken, deren Fassungs- und Hilflosigkeit angesichts des Verhaltens ihres Mannes absolut glaubhaft und ergreifend ist.

"Take Shelter" ist ein subtiler und packender Film, der bis zur letzten Szene voller eindrücklicher Momente ist und im Zuschauer eine Sturm auslöst, der noch nachwirkt, lange nachdem im Kino die Lichter wieder angegangen sind.

Deutscher Kinostart: 22.3.
Wertung: 4 von 5 Adlern.







Sonntag, 25. März 2012

Ich glotz' TV: 5 Empfehlungen für das Fernsehprogramm von So. 25.3. bis Fr. 30.3.

Sonntag 25.3. ARD 0.20 Uhr

Long Island Blues

Trügerische Vorstadtidylle in einem kleinen amerikanischen Städtchen 1979: Der introvertierte 15-jährige Scott (Rory Culkin) ist verliebt in die hübsche Nachbarin Adrianna (Emma Roberts), delikaterweise hat sein Papa (Alec Baldwin) eine Affäre mit Adriannas Mama... Wie so häufig versteckt die ARD auch hier wieder mal die deutsche Erstausstrahlung eines kleinen Filmjuwels am sehr späten Sonntagabend. Die schwarzhumorige Tragikomödie à la "Der Eissturm" ist glänzend besetzt und sehr sehenswert.



Montag 26.3. 3Sat 20.15 Uhr

Das Rainald Grebe Konzert

Deutschlands vielleicht spannendster Musikkabarettist, dessen Songs im Spannungsfeld von gaga, Dada, Satire und bitterem Ernst stehen, lässt dank enormer Bühnenpräsenz und großer Stimme seine Auftritte zu einem ganz besonderen Erlebnis für die Zuschauer werden. "Das Rainald Grebe Konzert" ist sein brandneues Soloprogramm. 3Sat zeigt Höhepunkte von einem Ende Februar aufgezeichneten Konzert in Mainz.


Montag 26.3. ARD 22.45 Uhr

Propaganda, Hass, Mord – Die Geschichte des rechten Terrors

Die späte Aufklärung der unter dem unsäglichen Namen „Dönermorde“ bekannt gewordene Mordserie der Zwickeauer Neonazi-Gruppe schockierte im vergangenen Jahr ganz Deutschland. Die hochinformative ARD-Doku stellt den aktuellen Fall in einen größeren historischen Zusammenhang und verortet das tragische Oktoberfest-Attentat von 1980 als Beginn der „Geschichte des rechten Terrors“.


Mittwoch 28.3. BR 21.45 Uhr

Küss mich bitte!

Am Ende eines netten Abends hätte Gabriel gerne einen Kuss von Emilie, doch diese erzählt ihm die warnende Geschichte von Judith und Nicholas, deren Leben von einem "harmlosen" Kuss völlig auf den Kopf gestellt worden war. Die hinreißende Virginie Ledoyen (bekannt unter anderem aus „8 Frauen“) sorgt in dieser leichten, typisch französischen Liebeskomödie für überaus charmant-erotische Abendunterhaltung zur Wochenmitte. Oh là là!


Freitag 30.3. arte 20.15 Uhr

Das unsichtbare Mädchen

Das Verschwinden eines Mädchens vor elf Jahren lässt dem inzwischen im Ruhestand befindlichen Kommissar Altendorf (Elmar Wepper) noch heute keine Ruhe. Zusammen mit dem jungen und unkonventionellen Ermittler Tanner verfolgt er eine neue Spur, sehr zum Missfallen seines Vorgesetzten (Ulrich Noethen). Dominik Graf, dem Regisseur der viel gelobten und wenig gesehenen Krimiserie „Im Angesicht des Verbrechens“ gelingt auch hier ein harter, dichter, vielschichtiger und packender Film, der über das Niveau des durchschnittlichen deutschen TV-Krimis weit hinausgeht. Außerdem beweist Elmar Wepper nach „Kirschblüten“ und „Dreiviertelmond“ einmal mehr seine darstellerische Extraklasse.

Donnerstag, 22. März 2012

Gone, but not forgotten: Johann Wolfgang von Goethe starb heute vor 180 Jahren.

Der deutsche Dichterfürst starb am 22. März 1832 im hochbetagten Alter von 82 Jahren in Weimar. Ohne ihn hätte der junge Werther nicht gelitten (und ebenso wenig manch Schüler im Deutschunterricht mit und unter selbigem), der Vater wäre mit dem Kind nicht so spät durch Nacht und Wind geritten und auch Faust hätte nie zum Augenblick gesagt: "Verweile doch, du bist so schön".

Schön und gebührend dramatisch ist auch Dietrich Fischer-Dieskaus herrliche Interpretation von Franz Schuberts Vertonung von Goethes "Erlkönig", mit der wir hier den Jahrestag begehen wollen. Goethe selbst war allerdings kein Fan: Freunde Schuberts schickten 1816 einige seiner Goethe-Vertonungen zum Meister nach Weimar, die von jenem jedoch unkommentiert zurückgesandt wurden... Snob!

Montag, 19. März 2012

Alles Gute! adlerkuss gratuliert Wolfgang Ambros zum 60. Geburtstag!

Die am 19. März 1952 im Dorf Wolfsgraben in der Nähe von Wien geborene Austropop-Legende, die jenseits des Après-Ski-Monsters "Schifoan" vor allem in den 1970er Jahren einige großartige Alben veröffentlichte und in diesem Jahrzehnt auch als Interpret von Liedern von Tom Waits bzw. Hans Moser aufhorchen ließ, feiert ihren Ehrentag heute Abend in Tirol auf der Bühne. Gelegenheit, Ambros' charakteristisch rauchig-knarzende Stimme und Hits wie das romantische "Langsam wachs ma' zamm" oder seinen ersten großen Erfolg, die sozialkritische Satire "Da Hofa" live zu erleben, gibt es in diesem Jahr auch noch in München und zahlreichen anderen Städten.

Ein absolutes Schmankerl ist Ambros' sehr empfehlenswerter Auftritt bei Werner Schmidbauers "Aufg'spuit" von 2008, den es bei youtube in voller Länge zu sehen gibt. Hier noch mein absolutes Ambros-Lieblingslied "Es lebe der Zentralfriedhof":



Es lebe das Wolferl!