Freitag, 25. Dezember 2015

OK "Spectre": Der abgelehnte Bond-Song von Radiohead im Stream und also kostenloser Download!

Ihr Name ist -head, Radiohead, und wie Sänger Thom Yorke heute bei Twitter verriet, war die Band im letzten Jahr tatsächlich gebeten worden, den Titelsong für James Bonds neuestes Filmabenteuer zu schreiben. Wie wir wissen, ist daraus nichts geworden und Sam Smith durfte den Vospann zu Spectre eher unterwältigend untermalen. Radiohead wollten den Song aber offenbar nicht in der digitalen Schublade versauern lassen und ganz weihnachtlich beschenken sie  uns heute mit dem Song . zum anhören und kostenlos herunterladen!

Radioheads Spectre erinnert mit seinem vertrackt verschleppten Rhythmus an ihren "Pyramid Song" vom Album Kid A aus dem Jahr 2000 und bietet zusätzlich Thom Yorkes warmes Falsett, Gänsehaut fördernde Streicher und auch die nahezu essentielle Bondsongzutat des Bläsersatzes. Insgesamt einer der besten Songs des Jahres, ein wunderbares Lebenszeichen der Band und 2016 kommt dann vielleicht das neue Album....?







Sonntag, 20. Dezember 2015

adlerkuss im Advent: adlerkuss' liebste Weihnachtsmusi (18)

Der Geist der diesjährigen Weihnacht suchte mich zurecht vergangene Nacht heim und raunte mir ein ebenso gruseliges wie berechtigtes "adlerkuss liebste Weihnachtsmusi...wieso geht da eigentlich nichts?" zu. Nur noch wenige Tage vor dem Christfest hier also noch einmal fünf alte und neue, beschwingte und traurige, alberne und berührende und meist glockenspiellastige Weihnachtssongs.

Und wo wir gerade bei den Dickensschen Weihnachtsgeistern sind, Deirdre & The Dark aus Brooklyn werden nach eigenen Angaben vom Geist der vergangenen Weihnacht verfolgt, weil Deirdre wohl immer eher naughty als nice gewesen ist. Der dazugehörige Noir-Pop-Song klingt nach 60s und Belle & Sebastian und ist ziemlich fantastisch:




Kay Martin & The Bodyguards waren ein erfolgreicher Nachtclub-Act in den 50er Jahren und wussten mit ihren eindeutig zweideutigen Texten nicht nur seinerzeit die Casinobesucher von Las Vegas und Reno zu begeistern, sondern sind auf jeden Fall auch heute noch für ein Schmunzeln gut. In "I Know What You Want For Christmas" säuselt Kay begleitet von ungeheuer groovy Orgelsounds davon, was sie ihrem Schatz zu Weihnachten schenken möchte. Herrlich.




Die South London Lo-Fi Explosion aus, ja genau, South London erzählt im wunderbar altmodisch klingenden aber brandneu seienden Song "Christmas Girl" von einer saisonalen Liebe und bringt mit herrlichen Harmonien voll "uuuh" und "babababa" jeglichen Schnee zum Schmelzen, selbst wenn er noch irgendwann fallen sollte.




Johnny Marks, der sicherlich erfolgreichste Weihnachtsliedschreiber des 20. Jahrhunderts schrieb nicht nur unter anderem das Lied vom rotnasigen Rudolf und vom Rocken um den Weihnachtsbaum herum, sondern beschrieb 1952 auch sehr groovy was genau denn passiert "When Santa Claus Gets Your Letter". Hier hören wir die an die Flaming Lips erinnernde, psychedelisch-blubbernd-meets-oldschool-Version der Band White Widow:




Selbst wenn der Wham!sche Evergreen dem einen oder anderen Musikfreund schon seit vielen vielen Weihnachtsfesten aus dem rotbemützten Halse hängt: Aus lieb gewordener Tradition führt auch in diesem Jahr bei adlerkuss liebster Weihnachtsmusi kein Weg an George Michaels ewiger Reminiszenz an die Liebschaft der vergangenen Weihnacht vorbei.  Denn auch ganze 30 Jahre nach Erstveröffentlichung bleibt "Last Christmas" mit seiner titelgebenden Zeitlosigkeit, seinem hohen lyrischen Identifikationspotenzial, seinem gnadenlosen Uhrwurmfaktor und seiner rituellen Kultigkeit à la "Dinner For One" der beliebteste moderne Weihnachtssong überhaupt. Natürlich ist der Klassiker von Wham! auch diesen Dezember mal wieder in den deutschen Charts eingestiegen und in der dritten Woche gerade auf Platz 31. Die wunderbar reduzierte Version von Lisa Alma ist mit flirrenden Synthies, sanften Beats und Lisas engelsgleicher Stimme ein Dream-Pop-Weihnachsschmankerl.




Donnerstag, 17. Dezember 2015

adlerkuss im Kino: Star Wars - Das Erwachen der Macht

Vor 38 Jahren war Darth Vaders Atmen erstmals im Kino zu hören, vor 26 Jahren staunte ich vor dem kleinen Schwarz-Weiß-Fernseher über den Krieg der Sterne (wie das damals noch hieß) und wollte wie Han Solo sein. Vor 18 Jahren begeisterte mich die Trilogie aufgepeppt im Kino, vor zehn Jahren sorgte die "Geburt" von Darth Vader im definitiv besten von drei eher schwerer zu liebenden neuen Filme für Gänsehaut. Und heute nun startet mit "Das Erwachen der Macht" tatsächlich Episode 7 der Star-Wars-Reihe weltweit in den Kinos.

Das Erbe, das Disney, dem die Marke Star Wars inzwischen gehört, und Regisseur JJ Abrams mit diesem Film antraten war zunächst wohl eher nur ein mittelschweres. Zum einen müsste die Macht in den Machern schon sehr stark sein, um an die klassische Trilogie anknüpfen zu können, zum anderen wäre das Publikum bereits froh gewesen, keinen seelenlosen Blödsinn mit albernen, sprachfehlerbehafteten Echsen zu sehen. Die Erwartungshaltung ging dann allerdings mit Veröffentlichung einer Reihe von Teasern und Trailern, die in fantastischen Bildern eine deutliche optische Orientierung an den Klassikern zeigten, fast wie von Yoda geschleudert schlagartig durch die Decke. In der Mitternachtspremiere erfuhr ich vergangene Nacht nach Monaten zwischen Hoffen und Bangen nun endlich, ob der Hype berechtigt gewesen war.

Auf die Inhaltsangabe möchte ich nahezu komplett verzichten, ganz grob geht es um neue Konflikte zwischen sehr bösen Bösewichten auf der dunklen Seite der Macht und den Guten ungefähr 30 Jahre nach der Schlacht um Endor am Ende von Episode 6.

Neben einer Reihe von nahezu durchweg gelungen konzipierten und gespielten neuen Recken und Helden (wider Willen), gibt es auch ein herzerwärmendes Wiedersehen mit (und zwischen) Leia, Han Solo & Co. Und die klassischen Charaktere haben begeisternderweise weit mehr als bloße Cameo-Auftritte, der von Harrison Ford mit sichtbarem Vergnügen verkörperte Han Solo kann sogar als Herz des Films bezeichnet werden. Trotzdem ist "Das Erwachen der Macht" keine Solo-Solo-Show, denn auch die neue Generation besticht durch spannende Charaktere, deren Geschichten eigentliche klassische Coming-of-Age-Themen aufgreifen, wie zum Beispiel die Suche nach dem eigenen Platz in der Gesellschaft und das Annehmen neuer Lebensumstände. Die von der britischen Newcomerin Daisy Ridley gespielte Rey ist außerdem mit Sicherheit die stärkste weibliche Figur der Star-Wars.-Historie und die Aussicht, in weiteren Filmen noch mehr über sie zu erfahren, ist bereits Grund genug sich auf Episode 8 zu freuen.

Die eingangs bereits aufgrund der Eindrücke aus den Trailern erwähnte Optik von "Das Erwachen der Macht" ist tatsächlich größtenteils überwältigend, gerade was eine Rückbesinnung auf den "Look & Feel" der originalen Trilogie angeht. Hier wurde viel Wert auf echte Kulissen, Modellbau und Maske gelegt und der Film strahlt somit eine Lebendigkeit, Wärme und gewissermaßen auch Echtheit aus, die den nahezu ausschließlich vor dem Green Screen entstandenen Prequels völlig abgeht.

Während sowohl die Annäherung in der Optik als auch das Wiedersehen mit den alten Bekannten aus Episode 4 bis 6 sehr gelungen ist, sind Abrams und sein Mit-Drehbuchautor Lawrence Kasdan (zu dessen nicht ganz schlechten Büchern "Das Imperium schlägt zurück", Die Rückkehr der Jedi-Ritter" und auch "Jäger des verlorenen Schatzes" gehören) mit inhaltlichen Parallelen zum ersten "Krieg der Sterne"-Film etwas übers Ziel hinausgeschossen, sodass "Das Erwachen der Macht" vor allem in der zweiten Hälfte phasenweise fast wie ein Reboot oder zumindest wie eine Variation im Sinne der klassischen Musik wirkt.

Trotz dieses zum Adlerabzug führenden Wermutstropfen bleibt "Das Erwachen der Macht" ein sensationell starke Blockbuster-Fortsetzung mit tollen Charakteren, einer perfekten Dosis Humor und (mit einer Ausnahme, bei der die im letzten Abschnitt genannte Problematik sehr offenkundig wird) auch mitreißenden Action-Szenen. Also ab ins Kino und möge die Macht mit euch sein!

Deutscher Kinostart: 17.12.
Wertung: 4,5 von 5 Adlern


Freitag, 11. Dezember 2015

adlerkuss im Advent: adlerkuss' liebste Weihnachtsmusi (17)

Potzblitz(en)! Die wunderbare, oh du fröhliche Weihnachtszeit ist schon im vollen Gange, der Schnee rieselt leise und welch ein Jubel, welch ein Trubel wird in unserem Hause sein! Fehlt zur vollendeten Festivität nur noch der alljährliche bunte Strauß weihnachtlicher Melodien bei adlerkuss, wie gewohnt auch in diesem Jahr nicht nur zum Anhören, sondern  auch immer gleich zum Herunterladen als mp3. Per Klick hier könnt ihr auch noch die Geister der vergangenen Weihnachtsmusis beschwören und nochmal nachhören.


Wir beginnen die diesjährige Weihnachtsmusikollektion mit dem Klassiker "It's the Most Wonderful Time of the Year", der die adventliche Stimmung in der weltlich-amerikanischen Version sehr schön zelebriert. Anstatt der wahrscheinlich bekanntesten Version des Songs von Andy Williams hören wir hier die leicht sufjaneske, xylophonselige Variante von Steve Shimchick und Kelsy McIntosh:




Die New Yorker Band Sally spielt herrliche Mitwipp-Twee-Pop-Musik und neben Kristen Gudsnuks schmeichelnder Stimme überzeugt an "Christmas Isn't Over" vor allem auch der herrlich optimistische Trotz der Ich-Erzählerin: "Christmas isn't over til I had some fun / I just sit here waiting til I find someone". Das ist doch mal eine Einstellung.




Mit der überraschenden Erkenntnis "Navidas es cada día", Weihnachten ist jeden Tag, wartet der Wiener Musiker, Autor, Schauspieler, Hotelier und Tausendsassa Markus Prummer in seinem gleichnamigen Song auf und klingt dabei wie die trunkene Kollaboration eines spanisch säuselnden Jonathan Richman und eines Beats beisteuernden Thom Yorke. Der wohl seltsamste Ohrwurm, den ihr diesen Advent haben werdet.





Ein höchst spannendes Hörerlebnis bietet uns Pianist Chilly Gonzales mit seinem Stück "A Minor Key Christmas Medley" -  wie der Titel schon verrät, ein Medley von schön arrangierten Weihnachtsklassikern in Moll. Nie klangen der Little Drummer Boy, Jingle Bells und Stille Nacht so sehr wie ein Gangsterfilmsoundtrack von Ennio Morricone.




Der in diesem Blog bereits mehrfach gefeierte Crying Day Care Choir aus Schweden ist dieses Jahr ein zweites Mal zum Christmas Day Care Choir geworden und alle vier Songs der EP sind herzerwärmende Folk-Pop-Perlen, die genau so "happy, warm and kind-hearted " klingen, wie es die Band auf Bandcamp ankündigt. Als wäre dies nicht Herunterladbegründung genug, geht der Verkaufserlös auch noch an eine wohltätige Einrichtung. Also seid keine Scrooges, öffnet den (Paypal-)Geldbeutel und lasst euch im Gegenzug vom Christmas Day Care Choir die Herzen öffnen. Unbedingter Anspieltipp: "Our Very Own Christmas".

Samstag, 31. Oktober 2015

It don't matter if it's black and white: 5 Filmklassiker für den wohlig-grusligen Halloween-Abend!

All Hallow's Eve ist genau der richtige Zeitpunkt um auch diesem untoten Blog neues Leben einzuhauchen. Hier also die Top 5 der besten bei Youtube verfügbaren Gruselfilme in schwarz und weiß für einen wohlig-grusligen Halloween-Abend mit Laptop im Bett.

5. Carnival of Souls (1962)

Nach einem Autounfall wird die junge  Organistin Mary von Visionen geplagt und sie verliert zunehmend den Bezug zur Realität...

Der unter dem Namen Tanz der toten Seelen erst in den Neunzigern auf Deutsch erschienene Low-bis-No-Budget-Horrorfilm von 1962 bietet verstörende Bilder in rauer Ästhetik, einen atmosphärischen Soundtrack und eine eindringliche Performance der Haupdarstellerin Candace Hilligoss (die leider außer in The Curse of the Living Corpse, der noch schlechter ist als sein Titel vermuten lässt in keinem anderen Film mehr zu sehen war).





4. Night of the Living Dead (1968)

Eine Gruppe von Leuten verbarrikadiert sich in einem einsamen Farmhaus vor den aus ihren Gräbern gestiegenen hungrigen Untoten....

Der Urvater der Zombiedarstellung, wie wir sie heute kennen und die mit The Walking Dead wohl so populär ist wie nie, ist nägelkaufördernd spannend und bis heute ein düster-nihilistischer Schlag in die Magengrube. Wer im Leben nur einmal einen Film mit Zombies anschauen möchte, sollte sich hierfür entscheiden. Oder vielleicht für Shaun of the Dead.




3. Repulsion (1965)

Die introvertierte Carol hat ein sehr gestörtes Verhältnis zu Männern. Als ihre Schwester in den Urlaub fährt, zieht sie sich in ihrer Londoner Wohnung zurück und verliert langsam die Kontrolle...

Roman Polanskis Ekel war der erste englischsprachige Film des Regisseurs und zieht den Zuschauer dank der einseitigen Perspektive und dem sensationellen Spiel von Catherine Deneuve immer tiefer in den Strudel der Halluzination und des Wahnsinns.




2. The Innocents (1961)

Die neu angestellte Gouvernante Miss Giddens wird das Gefühl nicht los, dass ihre beiden kleinen Schutzbefohlenen Miles und Flora von Geistern verstorbener Hausangestellter besessen sein könnten...

Gruselige Kinder haben immer eine besonders intensive Wirkung auf den Zuseher, sodass es hier in der Verfilmung von Henry James Gothic Novella The Turning of The Screw außer der psychologisch dichten Handlung und einiger wohl dosierter Schauereffekte keiner weiteren Zutaten bedarf, um eine atmosphärische und packende Geistergeschichte zu erzählen. Wer von gruseligen Kindern nicht genug kriegen kann, führe sich als nächstes Das Dorf der Verdammten zu Gemüte. Brrr.




1. Das Cabinet des Dr. Caligari (1920)

Der Schausteller Dr. Caligari versetzt mithilfe seiner somnambulen Attraktion Cesare eine Kleinstadt in Angst und Schrecken...

Die surreal expressionistische Bilderwelt dieses stilbildenden Stummfilmklassikers ist bis heute ebenso atemberaubend wie das grotesk-intensive Spiel der beiden Hauptdarsteller. Cesare ist sicherlich Vorbild für Boris Karloffs Frankensteins Monster und der Kosmos von Tim Burtons Kreationen ist ohne Caligari definitiv nicht denkbar. Vor allem in der hier eingebundenen, 2014 atemberaubend großartig restaurierten Fassung mit der neuen Musik von John Zorn ein absolutes Erlebnis.





Samstag, 23. Mai 2015

Eurovision Song Contest 2015: Das traditionelle Trinkspiel

Heute Abend ist es wieder so weit, in Wien findet der 60. Eurovision Song Contest  (früher im deutschen Sprachraum oftmals frankophiler als Grand Prix Eurovision de la Chanson bekannt) statt – eines der größten Showspektakel der Welt, das alljährlich höchst interessante Einblicke in die Befindlichkeiten und Geschmäcker unseres vielfältigen Kontinents bietet. In diesem Jahr gibt es neben unter anderem einen goldenen Israeli und eine georgische Xena zu bestaunen. 

Auch dieses Jahr bietet adlerkuss natürlich wieder über Mediafire zum direkten Download das beliebte , feuchtfröhliche adlerkuss-ESC-Trinkspiel fürs heimische Sofa. 5464 Trunkenbolde, die das Trinkspiel in den letzten vier Jahren bereits runtergeladen haben, können ja nicht irren!

Und für die Wartezeit bis es endlich losgeht eignet sich natürlich die urkomische Eurosong-Episode der irischen Sitcom Father Ted, eine hervorragende FAZ-Analyse der ESC-Siegertitel der vergangenen zehn Jahre, einen tollen 8-Bit-Eurovision-Song-Generator und außerdem könnt ihr beim offiziellen Eurovision-Matchmaker höchst wissenschaftlich fundiert herausfinden, in welchem Eurovision-Jahrzehnt ihr euch am meisten zuhause fühlt. 

Dienstag, 19. Mai 2015

Eurovision Song Contest 2015: Tippzettel für die Semifinals feat. Eurovision's Greatest Hits - Die Show in voller Länge

Ich bin verliebt in dieses Märchen, auch wenn es manchmal weh tut: Die Eurovisionswoche ist angebrochen, ein Fanal für den europäischen Gedanken, für Völkerverständigung in dieser schweren Zeit und für sowohl begeisterndes als auch erschütternd katastrophales Liedgut. Heute Abend steigt in Wien das erste Halbfinale, das im TV ab 21 Uhr gleich von zwei Hitsendern, nämlich Phoenix und EinsFestival übertragen wird und von den Fernsehlosen hier live im Internet verfolgt werden kann. Natürlich bin ich Nerd genug um auch für das Halbfinale Tippzettel vorzubereiten, die die fellow nerds hier (1. Halbfinale) und hier (2. Halbfinale) herunterladen können. Das Tippspiel fürs Finale und das zurecht immer sehr beliebte Trinkspiel folgen natürlich auch noch rechtzeitig.

Der Eurovision Song Contest feiert dieses Jahr ja seinen 60. Geburtstag (und das 59 Jahre nach der Premiere...) und dieses Jubiläum war bereits vor einigen Monaten mit einer großen Nostalgieshow in London begangen worden, bei der es ein Wiedersehen mit vielen großen Hits und (großen) Künstlern der ESC-Geschichte gab. Die Show bereitet durchaus Vergnügen, selbst wenn man es nur rührend findet, mit wie viel Inbrunst die im Publikum versammelte ESC-Gemeinde den legendären Gassenhauer "Fly on the Wings of Love" von den dänischen Olsen Brothers oder das Song-Contest-Medley von Mr. Eurovision Johnny Logan mitsingt und zelebriert. Außerdem unter anderem noch dabei: die aktuelle Siegerin Conchita, die euphorische Loreen, die ein bisschen friedliche Nicole und die hart rockenden Lordi, hallelujah! Wunderbare 90 Minuten also, um einen eurovisionlosen Abend dieser Woche mit Sinn zu erfüllen.




Samstag, 16. Mai 2015

Top 5 der besten Lieder beim Eurovision Song Contest: Die 50er Jahre

Steht auf wie ein Phoenix, liebe Eurovisionfreunde - es ist wieder so weit. Heute in einer Woche wird im großen Finale in Wien der Sieger des 60. Eurovision Song Contests gekrönt. Zuvor wagt adlerkuss heute jedoch einen Blick ganz weit zurück in die Anfänge des Grand Prix Eurovision de la Chanson und kürt die 5 besten Songs der Wettbewerbe aus den ersten Jahren 1956 bis 1959.

5. Michèle Arnaud: Ne Crois Pas (1956)

Beim insgesamt musikalisch eher unspannenden allerersten Grand Prix Eurovision de la Chanson 1956 in Lugano wurde nur die Punktezahl des Siegertitels aus der Schweiz bekannt gegeben, man kann also durchaus behaupten, dass die für Luxemburg angetretene Französin Michèle Arnaud mit ihrem zum Mitwippen einladenden, schmissigen Chanson "Ne Crois Pas" immerhin Platz 2 erreicht hatte. Ein noch heute frisch klingender Song, der auch auf einem aktuellen Album von ZAZ ein Plätzchen finden könnte. Leider gibt es vom relativ schrecklichen Siegertitel abgesehen keine Bildaufnahmen der Erstausgabe unseres Lieblingsmusikwettbewerbs.



4. Danièle Dupré: Tant De Peine (1957)

Auch im Eurovisionsjahr 1957 bereiten die meisten der dargebotenen Songs, ob das nun Deutschland mit Telefon am Ohr oder Österreich im Zwiegespräch mit einem Pony ist, dem unter fünfundachtzigjährigen Hörer aus heutiger Perspektive eher Schmerzen - eine Ausnahme ist ausgerechnet das Lied, das die Schmerzen bereits im Titel trägt (auch wenn die deutsche Moderatorin des vom Hessischen Rundfunks veranstalteten ESC den Titel im Freistil als "Warum bin ich so traurig" übersetzt). Mit dem mit dunkler Stimme vorgetragenen Schmachtseufzer erreichte Danièle Dupré für Luxemburg Platz 4.




3. Birthe Wilke: Uh, jeg ville ønske jeg var dig (1959)

Birthe Wilke hatte schon zwei Jahre zuvor beim ESC Mut bewiesen, als sie zum Abschluss ihres Songs skandalträchtig Duettpartner Gustav Winckler ausführlich und intensiv auf offener Bühne küsste. Ebenso recht selbstbewusst besingt die Dänin im leicht swingenden Ohrwurm "Uh, jeg ville ønske jeg var dig" wie schön es wäre, das eigene Gegenüber zu sein, wenn auch nur um sich dann selbst anfassen zu können. Für diese Narzissmushsymne reichte es im bisherigen Rekordteilnehmerfeld von immerhin 11 Nationen zu Platz 5. Daduda dadei dadu!




2. Jean Philippe: Oui Oui Oui Oui (1959)

Mit dem im Klang ebenso wie im Titel sehr lebensbejahenden Chanson erreichte der Franzose mit dem sehr klischeehaft französischen Namen beim französischen Heimspiel in Cannes 1959 den dritten Platz. Ein Welthit (in Frankreich) wurde der Song dann aber erst ein Jahr später in der Dean-Martin-in-Las-Vegas-Version von Sacha Distel.




1. Domenico Modugno: Nel blu dipinto di blu (1958)

Der mit weitem Abstand beste Song der Eurovision-Bewerbe der 50er Jahre, die ein gutes Beispiel dafür sind, dass früher sicher nicht alles besser war und die gute alte Zeit oftmals auch einfach nur sehr alt, wurde zwar beim ESC in Hilversum nur Dritter, aber dafür ein weltweiter Hit, die Nummer 1 der amerikanischen Billboard Charts und der erste Grammy-Gewinner überhaupt. Meine Generation wurde von den Gipsy Kings mit dem herrlichen Ohrwurm "Volare" infiziert und Millionen von Fußballfans und -spielern trällern oder eher grölen die Melodie bis heute um den Einzug ihrer Mannschaft in ein Endspiel zu feiern.


Und bereits im Mai 2016: Die Top 10 der besten Lieder beim Eurovision Song Contest - Die 60er Jahre! Bleiben Sie uns bis dahin gewogen!

Donnerstag, 14. Mai 2015

Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker in voller Länge anschauen!

Neben dem Klassik Open Air in Nürnberg ist das seit 2004 jährlich vor herrlicher Kulisse im Schlossgarten Schönbrunn stattfindende Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker eines der größten europäischen Open-Air-Veranstaltungen für klassische Musik und zieht meist mehr als 100000 Zuschauer in die kaiserlich-königlichen Grünanlage im Wiener Westen.

Heute Abend war es wieder so weit und die Wiener Philharmoniker präsentierten unter der Leitung von Zubin Mehta ein eher skandinavisch geprägtes Konzertschmankerl, unter anderem mit der durch die Allgegenwart als Werbeträger für Margarine, Bier etc. enorm bekannten Peer-Gynt-Suite von Edvard Grieg.

Dem leiwanden ORF sei Dank konnte das Ereignis nicht nur direkt vor Ort in Sisis Hinterhof verfolgt werden, sondern es war auch live im Fernsehkastl zu sehen. In der Mediathek von 3Sat ist das Konzert noch eine Woche lang in voller Länge verfügbar.

Als Bonus gibt es hier noch das wirklich tolle Konzert vom Vorjahr in voller Länge. Die musikalische Leitung hatte Christoph Eschenbach (der Bond-Bösewicht unter den Stardirigenten), Solist an den Tasten war Lang Lang. Mein Anspieltipp ist ab Minute 11:00 die eindringliche und abgefahrene symphonische Dichtung Mazeppa von Franz Liszt.







Sonntag, 26. April 2015

Waking Up the Souls: System of a Down's "Homecoming"-Konzert in Jerewan in voller Länge anschauen!

Die allesamt armenischstämmigen Alternative-Metal-Heroen von System of a Down spielten am vergangenen Donnerstag zum ersten Mal in ihrer Laufbahn in der armenischen Hauptstadt Jerewan. Bei freiem Eintritt und unter freiem Himmel war der Abend auf dem Platz der Republik nicht nur eine zweieinhalbstündige Zelebrierung des herrlichen Schönlärms aus dem Gesamtwerk von SOAD, sondern am Gedenktag zum Beginn des Völkermords an den Armeniern vor 100 Jahren auch ein unverblümtes und starkes politisches Statement.

Das mitreißende Konzert war nicht nur live im Internet übertragen worden, sondern kann auch jetzt noch in Gänze gehört werden, und das möglichst laut:




Mittwoch, 4. März 2015

Willkommen zuhause: Oliver Gottwalds Debütalbum "Zurück als Tourist"

Vier Jahre nach Anajos Schwanengesang "Drei" ist deren Kopf Oliver Gottwald wieder munter, er ist wieder drauf: Sein Debüt als Solokünstler "Zurück als Tourist" ist enorm ohrwurmiger Indie-Pop mit cleveren Texten, erinnert damit natürlich an Anajo und das ist durchaus auch gut so. Mit der Unterstützung von Florian Meya an den Saiten und Marc Frank, der zusammen mit Michael Kamm (von den seligen Nova International) auch produziert hat an Schlagwerk und Keyboards scheint der Sound gleichzeitig noch etwas konziser, dennoch variabler und damit womöglich erwachsener geworden zu sein.

So wartet der Rezessionshit "Alles muss raus" mit Sixties-Harmoniegesang auf und "Alter Ego", das in diesem Jahr bei den Indie-Disco-Abenden dieser Republik zahllose Studenten ins Schwitzen bringen sollte, glänzt mit maximoparkesker Zackigkeit und zwingt Gliedmaßen förmlich in Bewegung - ein Highlight des Albums. Als solche müssen auch das auf diesen Seiten bereits erwähnte "Freunde fürs Leben", die neue Single "Perpetuum immobile" und vor allem "Doppeldeckerbus" gelten, eine Welteroberungshymne zum Mitwippen für Frisch- oder Immer-noch-Verliebte: "Uns beiden ganz alleine gehört die Nacht / Im Doppeldeckerbus oben auf der ersten Bank".

Auch bei reduzierterem Tempo geht dem Album nicht die Luft aus. Die Ballade "Balance" bietet die physikalisch fragwürdige Einsicht "Die beste Balance ist das Ungleichgewicht" und im sanften (Fast-)Schlusstrack hören wir eine schöne Formulierung für das Gefühl bei einer bittersüßen Trennung: "Schade, dass es endlich vorbei ist". Im abgefahrenen (nicht besonders) hidden Track reichen sich dann noch Andreas Dorau und Pulp die Hände, bevor doch leider sehr kurze und herrlich kurzweilige 35 Minuten Spielzeit vorbei und wir um eine Erkenntnis reicher sind: Oliver Gottwald ist "Zurück als Tourist" und wir begleiten ihn auf dieser Reise nur allzu gerne.

Samstag, 28. Februar 2015

adlerkuss im Kino: Fifty Shades of Grey

Die tollpatschige Anastasia Steele (Dakota Johnson), ihres Zeichens Mauerblümchen und Literaturstudentin, begegnet dem wahnwitzig reichen und unverschämt gut aussehenden Prinzen Geschäftsmann Christian Grey (Jamie Dornan) und verliebt sich über beide Ohren. Und auch Christian ist nicht abgeneigt. Jedoch steht der hübsche Herr, der natürlich ein düsteres Geheimnis verbirgt, mehr auf Rohrstock als auf Romantik...

Die Verfilmung ist bei Mega-Bestseller-Büchern von Bibel über Potter bis Panem für gewöhnlich ja nur eine Frage der Zeit. Warum sollte es also beim dreiteiligen Kitsch-BDSMärchen "Shades of Grey" anders gewesen sein?

Eher ungewöhnlich für eine Buchverfilmung ist jedoch, dass der Film "Fifty Shades of Grey" deutlich besser ist als die Buchvorlage "Shades of Grey: Geheimes Verlangen". Drehbuchautorin Kelly Marcel und Regisseurin Sam Taylor-Johnson taten gut daran, den nahezu unerträglich dämlichen inneren Monolog der Hauptfigur Anastasia auf den Buchseiten zurückzulassen, sodass dem Zuschauer sowohl die Unterhaltungen zwischen Anas Unterbewusstsein und ihrer Kapriolen der Freude schlagenden "inneren Göttin" erspart bleiben als auch ihr endloses Kleinmädchengeplapper der Marke "Why does he have such an unnerving effect on me? His over-whelming good looks maybe? The way his eyes blaze at me? The way he strokes his index finger against his lower lip? I wish he'd stop doing that."

Eine ebenfalls willkommene Abweichung zur Buchvorlage ist die Tatsache, dass sowohl Greys krankhafter Kontrollwahn weniger stark betont wird als auch Anastasias Position in der Beziehung der beiden eine stärkere und selbstbewusstere ist, wie zum Beispiel eine von Anastasia dominierte, fast screwballkomödienhaft komische Verhandlungsszene über die Ausgestaltung des angedachten Dom-Sub-Verhältnisses beweist.

Anastasias Stärke ist auch das Verdienst der (für ein Mauerblümchen natürlich viel zu unverschämt hübschen) Darstellerin Dakota Johnson, die trotz manch immer noch vorhandener unfreiwillig komischer Dialogzeile äußerst charmant und nahezu glaubwürdig wirkt. Auch die Chemie mit ihrem insgesamt deutlich blasseren Co-Star Jamie Dornan ist recht gut, vor allem in den längeren Dialogszenen, die in den besten Momenten mehr Erotik versprühen als die Sexszenen. Jene sind nämlich eher konservativ inszeniert und sicher weniger aufregend, als man dies auch im Mainstream-Hollywoodkino bereits vor 20 (Basic Instinct) oder gar 30 Jahren (9½ Wochen) zu sehen bekam und gewinnen hauptsächlich durch den geschickten Einsatz des eleganten Edelpopsoundtracks mit feinen Beiträgen von unter anderem Beyonce und The Weeknd.

Natürlich bleibt es platt und klischeehaft, dass die wahre Liebe hier schlussendlich einen durch frühkindliche Traumatisierung ausgelösten Kontrollwahn überwinden soll (wenn auch erst in den unvermeidlichen Fortsetzungen). Allerdings gilt dies auch für zum Beispiel die Überwindung von bipolaren Störungen und Depressionen durch einen Tanzkurs, wie dies im viel gelobten Film "Silver Linings" vor wenigen Jahren dargestellt wurde.  "Fifty Shades of Grey" bietet nette und überraschend kurzweilige Hochglanz-Kinounterhaltung, die sicher mehr Spaß macht als die durchschnittliche Rom Com. Mein innerer Gott freut sich schon auf Teil 2.

Wertung: 3,5 von 5 Adlern.






Freitag, 20. Februar 2015

Oscars 2015: Tippspiel, Trinkspiel und ein nominierter Kurzfilm im Stream!

Sonntag Nacht werden die Größen Hollywoods auf dem roten Teppich während Scott Orlin hektisch winkt am unvermeidlichen Steven Gätjen vorbeiflanieren, um ihre Plätze für die 87. Oscarverleihung einzunehmen. Dieses Jahr liefert adlerkuss mal wieder mit den hier herunterladbaren Tippspiel und Trinkspiel die adäquaten Hilfsmittel, um Geist und Leber bei einer gar festlichen Filmnerdparty unter Freunden in der Nacht auf Montag angemessen zu stimulieren. Viel Vergnügen bei Hollywood's Biggest Night!

Als Bonus gibt es hier noch den sehr schönen, überaus berührenden und dieses Jahr bei den Oscars nominierten Kurzfilm "Phone Call" mit Sally Hawkins und Jim Broadbent:



Sonntag, 18. Januar 2015

Top 10 Alben 2014: Platz 5-1

Ohne further ado folgt hier nun endlich die musikalische Crème de la Crème des Vorjahres – Platz 5 bis 1 der meiner unbescheidenen Meinung nach besten Alben des Jahres 2014.

5. Alvvays: Alvvays (Juli 2014)

Das fünftbeste Album des Jahres  kommt vom kanadischen Quintett Alvvays um Sängerin Molly Rankin. Die selbstbetitelte Debütplatte bietet feinsten, oft bittersüßen Surf-Dream-Pop mit 60s-Einschlag und erinnert an Heroen wie Best Coast, Teenage Fanclub oder die jungen Belle & Sebastian. Zugleich melancholisch-nostalgisch und mitreißend beschwingt ist "Alvvays" von Alvvays eine wunderbare Ergänzung für den Lebenssoundtrack.

Beste Songs: Next of Kin und Atop a Cake



4. Wanda: Amore (Oktober 2014)

Wanda wurden mit ihrem Debütalbum "Amore" nicht zu Unrecht als neue Ikonen des zeitgenössischen Austropop gefeiert. Direkter und weniger verkopft als Bilderbuch oder Der Nino aus Wien kombinieren Wanda melodietrunkene Indiepopmusik mit amüsanten Texten voller zitierfähiger Stellen. Highlight des Albums ist die Trennungshymne "Auseinandergehn ist schwer" mit der hervorragenden Zeile "wannst b'soffen wirst, redst immer nur von ihr". Wer kennt diese Problematik nicht...

Beste Songs: Schickt mir die Post und Auseinandergehen ist schwer




3. Future Islands: Singles (Februar 2014)

Das zurecht selbstbewusst "Singles" getaufte vierte Album der Synthpop-Band aus Baltimore ist all killer no filler voller mitreißender Hymnen. Getrieben von Schlagzeug und einem Peter-Hook-Bass-Sound, sowie großer New-Wave-Synthie-Hooks schmettert sich Frontmann Samuel T. Herring mit unwiderstehlichem Verve durch zehn potenzielle Hits, denen weder Herz noch Tanzbein widerstehen kann.

Beste Songs: Fall from Grace und Seasons (Waiting For You), hier in der bereits legendären, unwiderstehlichen Live-Version aus der Letterman-Show.



2. Ja, Panik: Libertatia (Feber 2014)

Statt wie bisher meist dem schrammelnden Indie-Rock wird auf der fünften Platte der Ösi-Berliner Ja, Panik der 80s-Popmusik gehuldigt, mit der einen oder anderen musikalischen Referenz an Roxy Music oder gar Falco.  Und auch in der politischen Agenda scheint sich etwas getan zu haben, denn nicht mehr die Revolution, sondern eher das Arrangement mit dem Verhältnis und kleine Fluchten im Privaten werden hier besungen. Allerdings ist "Libertatia" auch ganz ohne ideellen Überbau eine herrlich eingängige Platte mit augenzwinkernd selbstironischen Zeilen, funky Rhythmen und ohrwurmfördernden Melodien. Oder wie hatte es adlerkuss-Rezensent Dojos letzten Februar ebenso schön wie kryptisch formuliert: "Die Platte ist wie eine gefüllte Tanzfläche, in deren Mitte ein Eurodance-Nerd so versunken abgeht, dass die Punks um ihn herum für einen Moment das Pogen vergessen. Das ist für beide kein schlechter Deal." 

Beste Songs: Libertatia und Au Revoir





1. Elbow: The Take Off and Landing of Everything (März 2014)

Mit ihrem sechsten Album haben es die gestandenen Indie-Rock-Mannen (das Debüt stammt von 2001) um den bärtigen Bariton Guy Garvey zum ersten Mal auf Platz 1 der britischen Charts geschafft. Dabei ist es nicht so, dass die Herren aus Manchester nach ihrem großen Erfolg "One Day Like This" anno 2008, der noch in hundert Jahren Hochzeiten und den Abspann von Sportübertragungen untermalen wird, den vermutlich einfacheren Weg in Richtung Radiohymnenproduktion gegangen wäre, sondern vielmehr mit einem zurückhaltenderen Werk vor drei Jahren die Coldplay- bzw. U2isierung des eigenen Sounds zu vermeiden wusste. "The Take Off and Landing of Everything" bedeutet nun gleichzeitig eine weitere Verfeinerung des eigenen Songwritings mit einigen eingestreuten Ausflügen in Prog-Gefilde. Elbow lassen den Songs auf diesem Album Zeit, mehrfach geht die Spieldauer der Tracks über die 6-Minuten-Marke hinaus. Der clevere Aufbau und die feine Produktion der Stücke mit zurückhaltend eingesetzten Streichern und Bläsern verhindern jedoch, dass jemals so etwas wie Langeweile aufkommt, sondern vielmehr ein magisch-hypnotischer Sog entsteht, der sowohl für Gänsehaut als auch für majestätische Euphorie sorgt. 

Beste Songs: My Sad Captains und Fly Boy Blue / Lunette




Donnerstag, 15. Januar 2015

Top 10 Alben 2014: Platz 10-6

Nachdem mit dem besten Liedern der Rückblick auf die Höhepunkte der kurzen Form abgehandelt ist, folgen nun die besten Musikalben des Jahres 2014. Obwohl wegen Spotify, Grooveshark und Konsorten die Verkaufszahlen von Alben sowohl in physischer als auch in digitaler Form steil nach unten gehen (die Schallplatte ist hier mit 9 Millionen verkauften meist schwarzen Scheiben im Vorjahr allein in den USA - und damit 50% mehr als 2013 als es auch schon 34% mehr als 2012 waren -  ein herrlich sympathischer, dem Zeitgeist widersprechender Ausnahmefall) ist aus kreativer Sicht die Liedersammlung eines Künstlers im Albumformat nach wie vor prächtig lebendig.

Hier nun also Platz 10 bis 6 auf der Liste der meiner Meinung nach besten im Jahr 2014 erschienenen Alben:

10. Crying Day Care Choir: Leave the Kingdom (Mai 2014)

Der weinende Tagesstättenchor wusste bereits mit seiner ersten EP im Jahr 2012 und der Weihnachtsliedkollektion anno 2013 zu begeistern. Im Vorjahr erschien nun mit "Leave the Kingdom" endlich das erste richtige Album der inzwischen zum Quintett angewachsenen schwedischen Folk-Pop-Band. Zu hören gibt es herrlich melodieseelige Folkmusik mit fein arrangiertem Harmoniegesang und hymnischen Refrains, die an Fleet Foxes oder eine weniger glatte Variante von Mumford & Sons erinnert. Dass diese Band nicht bekannter ist, ist ein Skandal.

Beste Songs: Folklore und Hymn for Ragna (A Lover's Life)




9. Leonard Cohen: Popular Problems (September 2014)

Der einmalige und unvergleichliche Poet und Singer-Songwriter Leonard Cohen veröffentlichte am 23. September, zwei Tage nach seinem sage und schreibe 80. Geburtstag, sein 13. Studioalbum "Popular Problems". Abwechslungsreicher arrangiert als auf dem Vorgänger "Old Ideas" raunt sich der Altmeister durch neun Songperlen zwischen Blues, Folk oder hallelujaheskem Hymnus und dank Ex-Madonna-Produzent Patrick Leonard tauchen auch mal poppigere oder gar sanft elektronische Klänge auf. Ein Umstand, der puristische Jüngern eventuell entrüstet, tatsächlich aber eine angenehme Auflockerung der Düsternis der Cohenschen Lyrik bietet. 

Beste Songs: Almost Like the Blues und Nevermind

Leonard Cohen - Nevermind - - www.muzik20.com from El Pueblo on Vimeo.


8. Thom Yorke: Tomorrow's Modern Boxes (September 2014)

Die elektronische Ausrichtung des zweiten Solo-Albums von Radiohead-Frontmann Yorke überrascht nach dem letzten Werk seiner Hauptband und auch schon wenn man sich das Solo-Debüt "The Eraser" von 2006 zurück ins Gedächtnis ruft, natürlich keineswegs.  Dennoch ist es faszinierend mit welcher Konsequenz hier praktisch auf jegliche organisch klingende Instrumentierung verzichtet wurde und stattdessen Beats und Beeps dröhnen, fiepen und rauschen. Die Kombination dieser unterkühlten Klangwelt mit Yorkes intim, warm und verletzlich klingenden Falsettstimme übt einen nahezu hypnotischen Sog aus.

Beste Songs: Interference und  A Brain in a Bottle




7. Damon Albarn: Everyday Robots (April 2014)

Nachdem Blur sich seit 2003 im nur gelegentlich unterbrochenen Winterschlaf befinden, lag Tausendsassa Damon Albarn nicht auf der faulen Haut und veröffentlichte unter anderem (!) vier Alben mit der eklektischen Affenbande der Gorillaz, zwei kollaborative Alben mit afrikanischen Volksmusikern, war Mitglied zweier Supergroups und schrieb zwei Opern. Erst im vergangenen April jedoch gab es erstmals die Veröffentlichung einer Songkollektion unter dem Namen Damon Albarn. Diese bereits formal auffällige Reduktion findet im meist melancholischen Sound von "Everyday Robots" überwiegend ihre Fortsetzung, denn oftmals begnügt sich Albarn mit zurückhaltenden Akzenten auf Klavier oder Gitarre über einem sanften mit zurückhaltenden Loops und Samples angereicherten elektronischen Beat.

Beste Songs: Lonely Press Play und You And Me




6. The Notwist: Close to the Glass (Februar 2014)

Die Weilheimer Indielectric-Größen von The Notwist hatten sich mit diesem neuen Album stolze sechs Jahre Zeit gelassen, das lange Warten hat sich für uns Hörer jedoch gelohnt. Das heiß ersehnte, einen Stilmix von Folk bis Krautrock beherbergenden "Close to the Glass" mit ungewöhnlichen Rhythmen, wildem Elektrogefrickel und großen, wie aus dem Ärmel geschüttelt wirkenden Melodien ist ein weiteres Zeugnis für die gelungene Soundbastelei Marke Notwist. Der eingängige Indierocker  "Kong" wäre in einer gerechten Welt ein Superhit, "Into Another Tune" widerum erinnert in seiner kühlen Beklemmung an die späten Portishead.

Beste Songs: Into Another Tune und Kong

Dienstag, 6. Januar 2015

Top 10 Lieder 2014: Platz 5-1

Kommen wir nun zu adlerkuss' Dauerrotationskandidaten und absoluten Gehörgangsschmeichlern aus dem Vorjahr. Hier sind die besten 5 Songs 2014 (die nicht auf einem der 10 besten Alben 2014 erschienen sind)!

5. Perfume Genius: Queen

Mit verzerrten Rockgitarren (vgl. R.E.M.'s Monster), Cembalo, markigen Drums und Hintergrundchor fährt  die glamouröse Hymne "Queen" vom dritten Album der Ein-Mann-Band Perfume Genius von Mike Hadreas musikalisch schwere Geschütze auf, die herrlich zum flamboyanten Gesang und der im Text beschworenen, "Hoppla-jetzt-komm-ich"-Mentalität passen. 





4. Tom Petty & The Heartbreakers: Faultlines

Stolze 38 Jahre nach ihrem Debütalbum rockten Herr Petty und seine Herzensbrecher im vergangenen Jahr auf ihrer neuen Platte "Hypnotic Eye" so leidenschaftlich wie schon lange nicht mehr . Im von einem wild galoppierenden Basslauf getriebenen, herausragenden "Faultlines" dient im Text die Plattentektonik als Metapher für nie direkt ausgesprochene Seelenqualen, denen hier mit packendem Groove begegnet wird.




3. FKA twigs: Two Weeks

Es gab 2014 wohl kaum einen Song der zugleich so sexy und verstörend war wie FKA twigs' R'n'B-Trip "Two Weeks" vom Debütalbum der Britin, deren Sound an eine Menage à Trois aus Kate Bush, Björk und Aaliyah erinnert . Über stotternd flirrenden Synthies und verschlepptem Beat versucht die Erzählerin unverblümt ihren Wunschlover zu betören ("I can fuck you better than her") und evoziert dabei lyrisch wie musikalisch ein Spannungsfeld von Unterwürfigkeit und Dominanz, das in 4 Minuten deutlich aufregender ist als drei Teile "Shades of Grey" es jemals zustande bekommen.

FKA TWIGS [two weeks] from nabil elderkin on Vimeo.


2. Fanfarlo: Let's Go Extinct

Der Titelsong und majestätische Schlusspunkt von Fanfarlos drittem Album ist eine bittersüße, epische Ballade, die die titelgebende Weltuntergangssehnsucht in einen bezaubernden Klangteppich aus sphärischen Keyboardsounds, ergreifendem Harmoniegesang und sanften Streichern verpackt. Und endgültig hin und weg ist man spätestens wenn Frontmann Simon Balthazar mit sich wehmütig überschlagender Stimme zum Refrain ansetzt: "Cause it's clear the wheels have turned / We're standing in the way of ourselves / The world will go on without us". Hach.





1. Taylor Swift: Shake It Off


Auch wenn die Indie-Polizei entsetzt sein mag (haters gonna hate hate hate), der beste Song des Jahres ist die poptastische erste Single vom fünften Album des ehemaligen Country Girls Taylor Swift. Wohl seit Outkasts "Hey Ya!" vor über zehn Jahren hatte es keinen Popsong mehr gegeben, der derart eingängig, ansteckend gutlaunig und mit infektiösem Rhythmus daher kommt, sodass ein Anhören des Songs ohne wildes Abzappeln wie eine Unmöglichkeit erscheint. Und während es in "Hey Ya" noch Körperteile waren, die wie eine Polaroidaufnahme geschüttelt werden sollten, bietet "Shake It Off" auch noch eine universal vernünftige Botschaft, nämlich den Aufruf dazu, ungerechtfertigte Kritik lässig-entspannt zur Kenntnis zu nehmen und lächelnd bis tanzend abzuschütteln. 




Samstag, 3. Januar 2015

Top 10 Lieder 2014: Platz 10-6

So, 2014 hätten wir auch wieder rum. Höchste Zeit für einen Rückblick auf die Dinge des Jahres, die wirklich wichtig waren: Songs und Filme. Sowohl die musikalischen als auch die cineastischen Highlights des zurückliegenden Jahres werden hier bei adlerkuss heute und in den nächsten Tagen nochmal in ungeheuer subjektiven Top-10-Listen vorgestellt . Los geht es mit den besten Liedern des Vorjahrs, ausgewählt sind die Songs jedoch wieder mit dem Vorbehalt, keine Lieder zu verwenden, die auf einem der meiner bescheidenen Meinung nach zehn besten Alben des Jahres zu finden sind. Mithilfe dieser nerdigen Spielregel ist es deutlich leichter, versteckte Perlen und Einzelveröffentlichungen zu ihrer wohlverdienten Erwähnung kommen zu lassen. Hier nun also Platz 10-6 der besten Songs des Jahres, die nicht gleichzeitig auf einem der zehn besten Alben des Jahres 2014 enthalten sind:

10. Johnny Cash: She Used to Love Me a Lot

Der selige Man in Black veröffentlichte auch 2014 mal wieder von seiner Wolke aus ein neues Album, das aus alten Aufnahmen aus den Jahren 1981 und 1984 zusammengestellt worden war. Begleitet von Mandolinengezupfe erzählt Cashs große, seinerzeit noch nicht brüchige Stimme ergreifend von reumütiger Sehnsucht und verpassten Gelegenheiten.



She Used To Love Me A Lot (Audio) von
  Johnny Cash auf tape.tv.



9. Judith Holofernes: Liebe Teil 2 - Jetzt erst recht

Die erste Single von Heldin Judiths gelungenem Soloalbum berichtet von der sich ändernden Dynamik einer Beziehung, wenn erst mal Kinder da sind. Abgesehen davon, dass das textlich dieses Jahr recht interessant war, glänzt die Indiepop-Perle mit Frau Holofernes' schmeichelnder Kieksstimme, Ukulele-Shuffle und Ohrwurm-Refrain.




8. Caribou: Can't Do Without You

Herzerwärmende Romantik auf dem Dancefloor und das ganz ohne chemische Drogen: Die Tanzbodenhymne "Can't Do without You" des kanadischen Elektroniktüftlers Caribou, die aus wenig mehr als der auf einem sanft steigernden House-Beat schwebenden, scheinbar endlos geloopten Titelzeile besteht, bringt sowohl Beine als auch Gefühle in Wallung. 




7. Get Well Soon: Staying Home

Tausendsassa Konstantin Gropper lässt uns weiter auf ein neues Album von Get Well Soon warten, im November gab es jedoch 3 EPs mit jeweils einem übergeordneten Thema. Der Song "Staying Home" ist das Schlussstück auf "The Lufthansa Heist", auf dem der Musikstil gefeiert wird, der den jungen Konstantin seinerzeit dazu motivierte, eine Gitarre in die Hand zu nehmen und Musik zu machen. Eine herrlich groovende Hommage an den College-Rock der 90er Jahre.




6. Conchita Wurst: Rise Like a Phoenix

Und wieder schafft es ein Eurovision-Song-Contest-Beitrag in  meine Jahrescharts. Der Siegertitel des Gesangswettstreits aus dem vergangenen Mai ist ganz unabhängig vom Gesichtshaar der Interpretin eine wunderbar produzierte James-Bond-Vorspann-Bombast-Ballade der ganz alten Schule. L'Autriche, douze points!