Regisseur Jeff Nichols inszeniert Curtis' zunehmendes Abdriften in die Paranoia (oder sind es doch visionäre Fähigkeiten?) auf sehr ruhige, realistische und gerade deswegen sehr intensiv und beklemmende Art und Weise. Wahn und Wirklichkeit sind effektiv optisch einander angeglichen, erst wenn Curtis schweißgebadet aufwacht wissen wir, dass es sich um eine Traumsequenz gehandelt hatte. Gleichzeitig sind die Figuren des Films auch eingebettet in eine gesellschaftliche Situation, in der einfachen Menschen dank Klimawandel, Finanzkrise und Hypothekendruck zumindest die allegorische Apokalypse nicht zwangsläufig unwahrscheinlich vorkommt.
Hauptdarsteller Michael Shannon dominiert mit seinem subtilen Spiel nahezu jede Szene, sein Curtis wankt in seiner angegriffenen männlichen Selbstwahrnehmung wie ein angeschlagener Boxer, seine Gesichtszüge schwanken zwischen völliger Entschlossenheit und absoluter Verunsicherung. Dier Tatsache, dass "Take Shelter" das Publikum nicht nur als Psychostudie, sondern auch als Familiendrama zu packen weiß, ist Jessica Chastain in der Rolle als Curtis' Frau Samantha zu verdanken, deren Fassungs- und Hilflosigkeit angesichts des Verhaltens ihres Mannes absolut glaubhaft und ergreifend ist.
"Take Shelter" ist ein subtiler und packender Film, der bis zur letzten Szene voller eindrücklicher Momente ist und im Zuschauer eine Sturm auslöst, der noch nachwirkt, lange nachdem im Kino die Lichter wieder angegangen sind.
Deutscher Kinostart: 22.3.
Wertung: 4 von 5 Adlern.

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