Federico Fellinis Klassiker "La Dolce Vita" und "Roma" kommen einem selbst bei dieser kurzen Beschreibung von Paolo Sorrentinos ("Cheyenne – This Must Be The Place") unweigerlich in den Sinn, geht es doch um einen leichtlebigen Journalisten und mindestens ebenso auch um ein Porträt der ewigen Stadt Rom selbst. "La Grande Bellezza" ist jedoch weit mehr als nur ein Abklatsch, sondern Sorrentino gibt uns hier trotz seiner teils ausufernden Vielstimmigkeit dank seines faszinierenden Protagonisten und der faszinierend-bombastischen, opulenten Bilderwelten, die teilweise an eine entschleunigte Variante von Baz Luhrmann erinnern, womöglich sogar den besseren Fellini.
Zyniker Jep trifft eine alberne Aktionskünstlerin, scherzt mit seiner asiatischen Haushaltshilfe, besucht eine Beerdigung und stellt dort seine in eleganter Stilisierung perfektionierte Trauer zur Schau, lernt eine verletzliche Stripperin mittleren Alters kennen und besucht mit ihr auf einem nächtlichen Spaziergang märchenhaft schöne Plätze und Palazzi Roms. Außerdem gibt es noch den Witwer von Jeps großer Liebe, den Bekannten, der mit gleichbleibendem Misserfolg seinen Durchbruch als Schriftsteller und als Liebhaber der von ihm verehrten Schauspielerin vorantreibt, den Magier mit seiner Giraffe, einen kulinarisch versierten Kardinal und zuletzt eine 104jährige Heilige... Das Figurenarsenal ist enorm und die durch diese Konstellation gegebene Episodenhaftigkeit wird zusammengehalten von einem atemberaubend aufspielenden Toni Servillo in der Hauptrolle, Kamera und Schnitt mit der atemberaubenden Inszenierung Roms als zweiter Hauptrolle, sowie einem hypnotischen Soundtrack, der mit Kirchenmusik ebenso aufwartet wie mit Dance-Pop. Selten bis nie wurden grundsätzliche Themen des menschlichen Lebens wie Liebe, Religiosität, die Sinnfrage und die Vergänglichkeit des Lebens schöner, ausufernder, fordernder und überwältigender in Szene gesetzt. Ein absolutes Filmereignis.
Deutscher Kinostart: 25.07.
Wertung: 5 von 5 Adlern.

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