Obwohl auf dem Plattenteller noch ganz klar Ziggy Stardust zur Trauerarbeit beiträgt und Aladdin Sane aus den Kopfhörern schallt, präsentiert adlerkuss heute die besten Musikalben des Jahres 2015. Auch wenn wegen Spotify, Prime Music und Konsorten die Verkaufszahlen von Alben sowohl in physischer als auch in digitaler Form steil nach unten gehen (die Schallplatte als Craft Beer unter den Musikformaten ist hier mit 12 Millionen verkauften meist schwarzen Scheiben im Vorjahr allein in den USA - und damit 30% mehr als 2014 als es auch schon 50% mehr als 2013 waren - ein herrlich sympathischer, dem Zeitgeist widersprechender Ausnahmefall) ist aus kreativer Sicht die Liedersammlung eines Künstlers im Albumformat nach wie vor prächtig lebendig.
10. Grimes: Art Angels (November 2015)
Claire Boucher, deren genresprengendes, visionäres "Visions" anno 2012 mit dem Song Genesis mit die perfektesten Pop-Minuten des Jahrzehnts enthalten hatte, bleibt auch auf dem neuen Album "Art Angels" unberechenbar vielseitig, hektisch, überkandidelt und mit einem ungeheuren Talent für Melodie und Beat. Die absoluten Highlights der durchaus auch anstrengenden Platte sind "Belly of the Beat", ein Zaubermix aus Akustikgitarre, Drumcomputer und High-Pitch-Frauenchor und "Venus Fly" mit der großartigen Janelle Monaé – der fantastischste Gwen-Stefani-Song, den Gwen Stefani nie gesungen hat.
Beste Songs: Belly of the Beat und Venus Fly
Grimes (feat. Janelle Monáe) - Venus Fly from konrad komrade on Vimeo.
9. Ryan Adams: 1989 (September 2015)
Alternative-Country-Folk-Rocker Ryan Adams (= nicht der von "Summer of ´69") überraschte 2015 zunächst mit der Ankündigung, Taylor Swifts Album 1989 in voller Länge zu covern und schließlich noch viel mehr damit, wie überaus gelungen dieses Album geworden ist. Ryan Adams gießt die swiftsche Popperfektion abwechselnd in schmissigen Countryrock (der hin und wieder auch an Springsteens E-Street-Band erinnert) sowie hauchzarte akustische Balladen und hat spürbar Spaß dabei.
Beste Songs: Welcome to New York und Blank Space
8. FFS: FFS (Juni 2015)
Franz Ferdinand und Sparks bilden als FFS eine gut gelaunte, wie für einander geschaffene Supergroup, die in den besten Momenten ihres Albums die theatralische Exaltiertheit der amerikanischen Art-Pop-Veteranen mit dem zackig-groovigen Indierock der Schampus-mit-Lachsfisch-Genießer aus Glasgow zu unverschämt eingängigen Songs zu kombinieren weiß. Ron Maels Falsett und Alex Kapranos baritoneske Stimme harmonieren bestens und auch die augenzwinkernden Texte sind äußerst unterhaltsam, sodass FFS durchaus mehr als "borderline attractive from afar" ist, wie es in einer Zeile des Openers "Johnny Delusional" heißt.
Beste Songs: Collaborations Don't Work und Johnny Delusional
FFS - Johnny Delusional from AB/CD/CD on Vimeo.
7. Belle and Sebastian: Girls in Peacetime Want to Dance (Januar 2015)
"Be popular, play pop and you will win my love" rät die "Everlasting Muse" im gleichnamigen Song auf dem neunten Studioalbum der schottischen Indie-Pop-Heroen von Belle and Sebastian und man kann dieser Zeile durchaus eine gewisse Programmatik des Albums entnehmen. Unerschrocken erweitern Stuart Murdoch und seine Mitstreiter den Sound der Band um an die Pet Shop Boys ("Enter Sylvia Plath") und leider auch ein bisschen an eine Kollaboration mit den Flippers ("Play For Today") erinnernden Euro-Dance-Pop. Ungeachtet der etwas holprigen, stilistischen Vielfalt des Albums schütteln die Schotten natürlich nach wie vor herrliche Popperlen aus den Ärmeln, allen voran den Mitwipphit "Nobody's Empire" und den bassigen Groove von "The Everlasting Muse" mit seinem herrlichen Walzer im Refrain.
Beste Songs: The Everlasting Muse und Nobody's Empire
Belle & Sebastian 'Nobody's Empire' from AR CP on Vimeo.
6. Tocotronic: Tocotronic (Das rote Album) (Mai 2015)
Auf ihrem elften Album widmen sich Tocotronic ganz direkt, unverblümt und unpolitisch den Zaubern der Liebe und der Jugend. Der gesanglich inzwischen tatsächlich recht starke Dirk von Lowtzow croont herrliche Texte im Spannungsverhältnis von Ironie und Kitsch, wie zum Beispiel: "Ich will keine Punkte sammeln, gib mir nur ein neues Leben. Ich will keine Treueherzen, kannst du mir Liebe geben?" Auch musikalisch geht es locker und flockig zu, von ferne grüßen die Smiths und die Stranglers und wir freuen uns über die wohl beste Tocotronic-Songkollektion seit dem ebenfalls selbstbetitelten, seinerzeit schneeweißen Album von 2002.
Beste Songs: Rebel Boy und Die Erwachsenen
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Samstag, 23. Januar 2016
Mittwoch, 5. Januar 2011
Top 10 Alben 2010: Platz 10-6
So, 2010 hätten wir auch wieder rum. Höchste Zeit für einen Rückblick auf die Dinge des Jahres, die wirklich wichtig waren: Songs und Filme. Sowohl die musikalischen als auch die cineastischen Highlights des zurückliegenden Jahres werden hier bei adlerkuss heute und in den nächsten Tagen nochmal in ungeheuer subjektiven Top-10-Listen vorgestellt.
Zunächst Platz 10 bis 6 auf der Liste der besten im Jahr 2010 erschienenen Alben:
10. Tocotronic: Schall & Wahn (Januar 2010)
Das Musikjahr begann mit dem neunten Studioalben der Ex-Trainingsjackenträger, das sogleich auf Platz 1 der deutschen Charts schoss. Großartig berührende Songperlen stehen neben herrlichen Albernheiten und wüstem Lärm. Das Ganze ist weniger als die Summe der einzelnen Teile und findet nur mehr selten den Weg ins Abspielgerät.
Bestes Lied: Die Folter endet nie (Track 3)
9. Rufus Wainwright: All Days Are Nights: Songs for Lulu (März 2010)
Nachdem er sowohl eine eher gefloppte Oper geschrieben als auch viel umjubelt seiner Judy-Garland-Verehrung mit Auftritten, Doppelalbum, DVD und Livealbum Ausdruck verliehen hatte, erschien vergangenes Jahr Wainwrights sechstes reguläres Studioalbum, das eine Abkehr vom pompös-bombastisch-orchestralen Sound der Vorgänger darstellte. 12 Lieder (und das nahezu durchaus im Schubertschen Sinn des Wortes) lang gibt es nur Rufus' intensive Stimme und Klavier zu hören. Das hat gerade in der ersten Hälfte des Albums sowohl bei den beschwingteren ("Give Me What I Want and Give It to Me Now") als auch bei den getrageneren Stücken ("Martha") durchaus seinen besonderen Reiz, gerät jedoch teilweise gegen Ende leider sehr larmoyant und etwas dröge.
Bestes Lied: Martha (Track 3)
8. Wir sind Helden: Bring mich nach Hause (August 2010)
Vor den Aufnahmen für dieses vierte Album gönnten sich Judith Holofernes und Co. erstmal eine längere Pause, herausgekommen ist schließlich die wohl beste und durchgehend stimmigste Platte der Band, deren Sound erwachsener und nachdenklicher daher kommt und die Abkehr von Kieks und Synthiesound ist durchaus wohltuend. Lyrisch wird es tendenziell persönlich und zwischenmenschlich, wobei der typisch heldenhaft-originelle Umgang mit der deutschen Sprache bestehen bleibt. Eine sehr positive Überraschung in diesem Musikjahr.
Bestes Lied: Die Ballade von Wolfgang und Brigitte (Track 5)
7. Warpaint: The Fool (Oktober 2010)
Ein von vorn bis hinten eindrucksvolles Gesamtkunstwerk von Debütalbum legte die amerikanische Band Warpaint hin. Die düstere Postrock-Liedersammlung mit dem sirenenhaft verzaubernden, mehrstimmigen Frauengesang bildete den wohl perfekten Soundtrack für den Herbst. Wie brachte ein wahrer Musikkenner den Sound von Warpaint so genau auf den Punkt: Das Album klingt wie eine gute Mischung aus Echo & The Bunnymen und The Bangles. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
Bestes Lied: Warpaint (Track 2)
6. Midlake: The Courage of Others (Februar 2010)
Die texanischen Indie-Rocker von Midlake klingen auf ihrem dritten Album wie britische Folk-Rocker aus den 60er Jahren und das ist gut so. Der warme und beseelte Sound, der durch Instrumentierung mit Querflöte und Cembalo, sowie Arrangement auch hin und wieder barocke oder gar mittelalterliche (in gut!) Assoziationen weckt, entwickelt mit seinen träumerischen Harmoniegesängen und großen Melodiebögen einen enormen emotionalen Zauber. Ein Album, das zeitlos schön bleiben wird und das auch die Top 5 nur ganz knapp verpasst hat...
Bestes Lied: Acts of Man (Track 1)
Fortsetzung folgt!
Zunächst Platz 10 bis 6 auf der Liste der besten im Jahr 2010 erschienenen Alben:
10. Tocotronic: Schall & Wahn (Januar 2010)
Das Musikjahr begann mit dem neunten Studioalben der Ex-Trainingsjackenträger, das sogleich auf Platz 1 der deutschen Charts schoss. Großartig berührende Songperlen stehen neben herrlichen Albernheiten und wüstem Lärm. Das Ganze ist weniger als die Summe der einzelnen Teile und findet nur mehr selten den Weg ins Abspielgerät.
Bestes Lied: Die Folter endet nie (Track 3)
9. Rufus Wainwright: All Days Are Nights: Songs for Lulu (März 2010)
Nachdem er sowohl eine eher gefloppte Oper geschrieben als auch viel umjubelt seiner Judy-Garland-Verehrung mit Auftritten, Doppelalbum, DVD und Livealbum Ausdruck verliehen hatte, erschien vergangenes Jahr Wainwrights sechstes reguläres Studioalbum, das eine Abkehr vom pompös-bombastisch-orchestralen Sound der Vorgänger darstellte. 12 Lieder (und das nahezu durchaus im Schubertschen Sinn des Wortes) lang gibt es nur Rufus' intensive Stimme und Klavier zu hören. Das hat gerade in der ersten Hälfte des Albums sowohl bei den beschwingteren ("Give Me What I Want and Give It to Me Now") als auch bei den getrageneren Stücken ("Martha") durchaus seinen besonderen Reiz, gerät jedoch teilweise gegen Ende leider sehr larmoyant und etwas dröge.
Bestes Lied: Martha (Track 3)
8. Wir sind Helden: Bring mich nach Hause (August 2010)
Vor den Aufnahmen für dieses vierte Album gönnten sich Judith Holofernes und Co. erstmal eine längere Pause, herausgekommen ist schließlich die wohl beste und durchgehend stimmigste Platte der Band, deren Sound erwachsener und nachdenklicher daher kommt und die Abkehr von Kieks und Synthiesound ist durchaus wohltuend. Lyrisch wird es tendenziell persönlich und zwischenmenschlich, wobei der typisch heldenhaft-originelle Umgang mit der deutschen Sprache bestehen bleibt. Eine sehr positive Überraschung in diesem Musikjahr.
Bestes Lied: Die Ballade von Wolfgang und Brigitte (Track 5)
7. Warpaint: The Fool (Oktober 2010)
Ein von vorn bis hinten eindrucksvolles Gesamtkunstwerk von Debütalbum legte die amerikanische Band Warpaint hin. Die düstere Postrock-Liedersammlung mit dem sirenenhaft verzaubernden, mehrstimmigen Frauengesang bildete den wohl perfekten Soundtrack für den Herbst. Wie brachte ein wahrer Musikkenner den Sound von Warpaint so genau auf den Punkt: Das Album klingt wie eine gute Mischung aus Echo & The Bunnymen und The Bangles. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
Bestes Lied: Warpaint (Track 2)
6. Midlake: The Courage of Others (Februar 2010)
Die texanischen Indie-Rocker von Midlake klingen auf ihrem dritten Album wie britische Folk-Rocker aus den 60er Jahren und das ist gut so. Der warme und beseelte Sound, der durch Instrumentierung mit Querflöte und Cembalo, sowie Arrangement auch hin und wieder barocke oder gar mittelalterliche (in gut!) Assoziationen weckt, entwickelt mit seinen träumerischen Harmoniegesängen und großen Melodiebögen einen enormen emotionalen Zauber. Ein Album, das zeitlos schön bleiben wird und das auch die Top 5 nur ganz knapp verpasst hat...
Bestes Lied: Acts of Man (Track 1)
Fortsetzung folgt!
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