Samstag, 14. Mai 2022

Eurovision Song Contest 2022: Das traditionelle Trinkspiel und der Stimmzettel für die Sofa-Jury

In knapp 4 Stunden ist es wieder so weit, in Turin findet der 66. Eurovision Song Contest  (früher im deutschen Sprachraum oftmals frankophiler als Grand Prix Eurovision de la Chanson bekannt) statt – eines der größten Showspektakel der Welt, das alljährlich höchst interessante Einblicke in die Befindlichkeiten und Geschmäcker unseres vielfältigen Kontinents bietet. In diesem Jahr gibt es unter anderem einen australischen Gesichsvorhang, einen deutschen Eminem-Abklatsch  und gelbe Wölfe aus Norwegen zu bestaunen.

Und obwohl im letzten Jahr hier ja sowas von überhaupt rein gar keine neuen Texte erschienen sind (adlerkuss' Meinungen zu neuer Musik gibt's inzwischen bei Plattentests.de), bietet adlerkuss natürlich auch 2022 wieder zum direkten Download sowohl eine Wertungstafel für die Stimmabgabe der Sofa-Jury als auch das beliebte , feuchtfröhliche adlerkuss-ESC-Trinkspiel fürs heimische Sofa. Fast 9000 Trunkenbolde, die das Trinkspiel in den letzten Jahren bereits runtergeladen haben, können ja nicht irren!

Und für die Wartezeit bis es endlich losgeht eignet sich neben der urkomischen Eurosong-Episode der irischen Sitcom Father Ted auch der hervorragende Pausenfüller aus dem ersten Halbfinale, als Diodato seinen verhinderten Eurovisionsong von 2020 in einer großartigen Version mitsamt Hilfe des Publikums zur Aufführung brachte:

Samstag, 22. Mai 2021

Eurovision Song Contest 2021: Das traditionelle Trinkspiel und der Stimmzettel für die Sofa-Jury

 In knapp 12 Stunden ist es wieder so weit, in Rotterdam findet der 65. Eurovision Song Contest  (früher im deutschen Sprachraum oftmals frankophiler als Grand Prix Eurovision de la Chanson bekannt) statt – eines der größten Showspektakel der Welt, das alljährlich höchst interessante Einblicke in die Befindlichkeiten und Geschmäcker unseres vielfältigen Kontinents bietet. In diesem Jahr gibt es unter anderem die finnische Antwort auf Limp Bizkit, einen hyperaktiv fröhlichen Deutschen  und überraschend viele glitzernde Fransenfummel zu bestaunen.

Auch dieses Jahr bietet adlerkuss natürlich wieder über Mediafire zum direkten Download sowohl eine Wertungstafel für die Stimmabgabe der heimischen Sofa-Jury als auch das beliebte , feuchtfröhliche adlerkuss-ESC-Trinkspiel fürs heimische Sofa. 6825 Trunkenbolde, die das Trinkspiel in den letzten Jahren bereits runtergeladen haben, können ja nicht irren!

Und für die Wartezeit bis es endlich losgeht eignet sich neben der urkomischen Eurosong-Episode der irischen Sitcom Father Ted auch der wunderbare Netflix-Film Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga.

Hier noch der bemerkenswerteste Song der beiden Halbfinals, der es leider nicht ins heutige Finale geschafft hat. Aus irgendeinem Grund war ich Fyr und Flamme für die gut gelaunten, dänisch singenden Dänen, denen der Modern-Talking-Schlagersound in der Grauzone zwischen Ernst und Parodie sehr gut zu Gesicht steht:

Freitag, 21. Mai 2021

Top 10 der besten Lieder beim Eurovision Song Contest: Die Nuller Jahre (Platz 5-1)

Und hier nun der Rückblick auf die fünf besten Songs bei den 10 Eurovision Song Contests der Nuller Jahre.

5. Marija Šerifović - Molitva

2007 in Helsinki gewann mit der schwermütigen Balkanballade Molitva das erste Mal seit 1995 wieder ein nicht englischsprachiger Beitrag den Eurovision Song Contest. Und dies auch ganz folgerichtig, denn trotz serbokroatischem Text sangen sich Marija und ihre fünfköpfige Unterstützerinnenschar mt ihrer schlichten, aber eleganten Performance und der effektvollen Instrumentierung mit dramatischen Streichern und My-Heart-Will-Go-On-Flöte direkt in die Herzen Europas.



4. Alf Poier - Weil der Mensch zählt

2003 schickte die Alpenrepublik Österreich den Anarchokomödianten Alf Poier zum 48. Eurovision Song Contest nach Riga. Die Nominierung Poiers wurde im Lande von Mozart und Strauss ähnlich kontrovers als Untergang des musikalischen Abendlandes diskutiert, wie es in Deutschland fünf Jahre zuvor bei der ESC-Teilnahme von Guildo "...hat euch lieb!" Horn der Fall war. Der Text von "Weil der Mensch zählt" kann bei aller durchgeknallten Gaga-Qualität auch durchaus als ernstzunehmende Öko-Botschaft im dadaistischen Gewand verstanden werden, mit zusätzlichen Seitenhieben auf Globalisierung und Fortschrittsglauben. Die wilde musikalische Kombination aus Sprechgesang, Kinderlied und Einsprengseln aus Funk und Heavy Metal funktioniert überraschend gut und ist natürlich womöglich auch eine augenzwinkernde Satire auf den eurovisiontypischen Anspruch, es möglichst vielen Zuschauern recht machen zu wollen. Und welch ein Erfolg: Trotz Sprachbarriere erreichte Poier (evtl. aufgrund seiner fantastischen Tanzeinlagen?) mit dem 6. Platz Österreichs bestes Resultat seit anderthalb Jahrzehnten.

 


3. Patricia Kaas - Et s'il fallait le faire

Mit ihrer Mischung aus klassischem Chanson, Jazz und Pop hatte Madame Kaas bereits 16 Millionen Tonträger verkauft, bevor sie 2009 für Frankreich zum ESC in Moskau reiste. Für den Finaltermin am 2. Juni brach Madame Kaas gar mit ihrer goldenen Regel, niemals an diesem Tag (dem Todestag ihrer Mutter) aufzutreten. Und wahrlich war es ein ganz großer Moment, beim Eurovision Song Contest einer Sängerin dieser Klasse, Eleganz, Grandeur und künstlerischen Reife lauschen zu dürfen. Ihr Vortrag der (für den ESC eventuell zu) zurückhaltenden und fragilen Ballade "Et s'il fallait se faire" sorgte schlichtweg für Gänsehaut. Leider war die Eurovision-Gemeinde an jenem Abend wohl zu sehr auf einen (zugegebenermaßen sehr sympathischen) grinsenden Fiedler aus Norwegen konzentriert, um den großen Auftritt der Kaas entsprechend würdigen zu können. Mit Platz 8 kam "Et s'il fallait se faire" zwar nicht schlecht weg, war aber dennoch unter Wert geschlagen. Quel dommage!



2. Verka Serduchka - Dancing Lasha Tumbai

Der Ukrainer Andrej Mychajlowytsch Danylko spielte bereits 1997 in seiner eigenen Comedy-Talk-Show die ältere und etwas verrückte Dame Verka Serduchka. Zehn Jahre später zog es Frau Serduchka schließlich zum Eurovision Song Contest nach Helsinki, wo sie mit Sicherheit den abgedrehtesten und glamouröstesten Auftritt des Abends hinlegte. Schon allein auf das spektakuläre Outfit, ein von einem riesigen, paillettenbesetzten fünfzackigen Stern gekrönter silbrig-glitzerndem Kapuzenmantel, wäre Lady Gaga noch heute neidisch. Und auch musikalisch ist "Dancing Lasha Tumbai" mindestens so überzogen wie die Kostümwahl des Interpreten. Die programmatische Marschrichtung erfährt der Zuhörer gleich zu Beginn des ukrainisch-russisch-deutsch-englischen Beitrags: "Me English nicht verstehen! Let's speak dance!" Und wahrlich lässt einem die aberwitzige, von einem gnadenlosen Discobeat unterlegte Akkordeonmelodie gar keine andere Wahl als zumindest mit dem Tanzbein zu zucken. Verka Serduchka erreichte mit diesem surrealen Fiebertraum von Disco-Ohrwurm den zweiten Platz an jenem Abend und auch nach dem Wettbewerb reichte es für diesen in einigen europäischen Ländern zu vorderen Hitparadenplatzierungen. "Okay, happy end!"



1. Lordi – Hard Rock Hallelujah

Finnland war seit Anfang der Sechziger Jahre nahezu durchgehend beim Eurovision Song Contest vertreten und obwohl das suomische Selbstverständnis der eigenen Nation enormen Sinn für Poesie und Musikalität unterstellt, hat es mit dem Erfolg beim ESC nie so ganz klappen wollen, sodass bis 2005 bei 39 Teilnahmen als bestes Abschneiden ein sechster Platz zu Buche stand, neunmal war man gar Letzter geworden. Es war also wahrlich eine monströse Aufgabe, Finnlands Bilanz aufzupolieren und konsequenterweise schickte man 2006 also auch die aus vier Monstern bestehende Hardrock-Band Lordi zum Eurovision Song Contest nach Athen. Die Nominierung einer kostümierten Metal-Formation sorgte allerdings im Vorfeld für landesweite Entrüstung, sodass es sogar verzweifelte und erfolglose Aufrufe an den Präsidenten gegeben hatte, damit dieser Kraft seines Amtes Lordi vom Song Contest verbannen möge.

Beim Wettbewerb legten die wilden Kreaturen um das auf 40 Zentimeter hohen Plateauschuhen rockende Frontmonster mit der schlechten Gesichtshaut, der riesigen Axt und den eindrucksvollen aufklappbaren (!) Fledermausflügeln dann schließlich einen unvergesslichen Auftritt hin, wie ihn der Wettbewerb noch nie gesehen hatte. Auch musikalisch war der Stampfer mit dem programmatischen Titel "Hard Rock Hallelujah", der schwer an Kiss und Alice Cooper erinnerte, ein headbangendes Vergnügen, das sofort ins Ohr ging, sodass das Gesamtpaket Lordi schließlich mit Rekordpunktezahl den Sieg holte. Und das stolze Heimatland ließ sich nicht lumpen: Zum Empfang nach dem Sieg versammelten sich 70000 Leute in Helsinki, der zentrale Platz in Lordis Heimatstadt Rovaniemi wurde in Lordi Square umbenannt, in den Supermarktregalen wurde Lordi-Cola verkauft und 2007 schließlich zierten Lordi offizielle Briefmarken des Landes. Hard! Rock! Hallelujah!

Mittwoch, 19. Mai 2021

Top 10 der besten Lieder beim Eurovision Song Contest: Die Nullerjahre (Platz 10-6)

In der letzten ESC-Saison vor zwei Jahren blickte adlerkuss auf die von Irland dominierten 90er Jahre beim Eurovision Song Contest zurück, nun ist das nächste Jahrzehnt an der Reihe. Die 2000er Jahre bescherten dem Wettbewerb einen bis dato unbekannten Spektakelfaktor, aufgrund immer weiter wachsender Teilnahmezahl die Einführung zunächst eines, dann zweier Halbfinals und zum Ende des Jahrzehnts 2009 das von vielen Fans sehr kritisch beurteilte Comeback der Länderjurys in Ergänzung zur Zuschauerabstimmung. Nach vollständiger Betrachtung aller zehn Wettbewerbe des Jahrzehnts in den letzten neun Tagen (dauerhafte Schäden schließe ich nicht aus) hier Platz 10 bis 6 der gnadenlos subjektiven Top 10 der besten Lieder beim Eurovision Song Contest in den 2000er Jahren.

10. The Ark - The Worrying Kind

Nachdem die norwegische Glamrockband Wig Wam zwei Jahre zuvor einen sehr achtbaren neunten Platz geholt hatte, schickte auch das Nachbarland Schweden 2007 eine ähnlich gelagerte Musikgruppe zum Eurovision Song Contest: The Ark waren eine der populärsten Bands des Landes und ihr mit einer ordentlichen Prise ABBA gewürzter, groovy Glampoprocksound mit Ohrwurmfaktor hob sich bei der Show in Helsinki deutlich von der Konkurrenz ab.

 

 

9. Les Fatal Picards - L'amour à La Française

Absurderweise direkt nach The Ark traten 2007 in Helsinki fünf schwarz-pink gekleidete Franzosen auf, deren mitreißenden Ska-Punk-Pop und Bühnenauftritt mit vollem Körpereinsatz ich seinerzeit direkt ins Herz geschlossen und deren Song ich über Jahre hinweg auf diversen Mix-CDs platziert habe. In herrlichem Franglais (quasi die französische Variante von Denglisch) betrauert das vermutlich touristische lyrische Ich den Verlust der französischen Geliebten:  Je suis perdu, here without you / And I'm crazy, seul à Paris. Ein herrlicher Spaß!

 


8. Max - Can't Wait Until Tonight

Stefan Raabs Entdeckung Max Mutzke setzte sich 2004 mit Raabs dritter Komposition die zu ESC-Weihen kommen sollte beim wohl bestbesetzten deutschen Vorentscheid aller Zeiten unter anderem gegen keine Geringeren als Scooter, Sabrina Setlur, Mia. oder Westbam durch. Die mit viel Soul, viel Gefühl und viel geschlossenen Augen vorgetragene relaxte Nummer mit enormem Ohrwurmfaktor beschäftigt sich mit der Vorfreude auf einen gemeinsamen Abend mit einer geliebten Person, exakt dasselbe Thema also mit dem eine gewisse J. Lopez einige Jahre zuvor einen ihrer ersten Hits feiern konnte. Aber ich schweife ab.

 


7. Sébastien Tellier - Divine

Mon dieu! 2008 trat Frankreich erstmals mit einem englischsprachigen Song beim ESC an, was in der Grande Nation zu heftigen Diskussionen bis ins Parlament hinein geführt hatte. Davon gänzlichst unbeeindruckt bot Elektropop-Chansonnier Tellier, der mit einem Golfkart auf die Bühne gefahren kam,Big-Lebowski-Kopf- und -Gesichtsbehaarung sowie Sonnenbrille trug und während seines Vortrags Helium aus einen Ballon einatmete einen dem entspannten Song angemessenen coolen Auftritt. "Divine" wurde von einer Hälfte von Daft Punk produziert und ist herrlich nonchalanter Beach-Boys-inspirierter Lounge Pop.

 


6. Laka - Pokušaj

Die Eurovisiongemeinde war und ist sich enorm uneins, was die Beurteilung des bosnisch-herzegowinischen Wettbewerbsbeitrags von 2008 angeht, vermutlich auch und besonders aufgrund der rätselhaften Bühnenshow samt Wäscheleine, mehrerer Bräute und genereller Aufgekratztheit. Der mitreißend groovende Song jedoch, der, wenn er nicht grade naiv-charmant quäkend und in serbokroatischer Sprache vorgetragen wäre, von Struktur und Instrumentierung her durchaus auch von Coldplay hätte sein können, ist trotz der Sprachbarriere ein gnadenloser Ohrwurm. Und jetzt alle: "Pokušaću da te poljubim a ti se pravi luda!"

 

Dienstag, 18. Mai 2021

Eurovision Song Contest 2021: Tippzettel für die Halbfinals feat. Der beste Song des verlorenen Jahrgangs 2020

Wie Conchitas Phoenix aus der Asche erhebt sich dieser Blog wieder einmal in der schönsten Zeit des Jahres: Die Eurovisionwoche ist angebrochen, ein Fanal für den europäischen Gedanken, für Völkerverständigung in dieser schweren Zeit und für sowohl begeisterndes als auch erschütternd katastrophales Liedgut. Heute Abend steigt in Rotterdam das erste Halbfinale, das im TV ab 21 Uhr vom Hitsender ONE übertragen wird und von den Fernsehlosen live im Internet verfolgt werden kann. Natürlich bin ich Nerd genug um auch für das Halbfinale Tippzettel vorzubereiten, die die fellow nerds hier (1. Halbfinale) und hier (2. Halbfinale am Donnerstag) herunterladen können. Das Tippspiel fürs Finale und das ganz zurecht immer äußerst populäre Trinkspiel folgen natürlich auch noch rechtzeitig. 

 Auch der Mittwoch und der Freitag dieser Woche müssen nicht von ESCugserscheinungen geprägt sein, denn adlerkuss wird an diesen beiden Tagen die Top 10 der besten Eurovision Songs der Nullerjahre vorstellen. Als Vorbereitung dafür bieten sich natürlich auch noch meine Rückblicke auf die irischen 1990er, die fönfrisierten 1980er, die schlaghosenlastigen 1970er, die swingenden 1960er und die hüftsteifen 1950er beim europäischen Liederwettstreit an. 

 Im Vorjahr fiel der ESC ja wegen dieser Virensache aus und während immerhin 26 der für 2020 auserkorenen Künstler mit neuen Songs auch diesmal dabei sind, bleibt den Liedern des Vorjahrs nur das undankbare Schicksal ein ewiger Konjunktiv des potenziellen Erfolges zu bleiben. Hier adlerkuss' verhinderte 12 Punkte aus dem Vorjahr:

 

Dienstag, 23. Februar 2021

Die Top 10 Lieder von 2020 (die nicht auf einem Top 10 Album von 2020 sind)

Natürlich ist das Jahresende für Jahresrückblicke schon viel zu lange her, aber dank des fortgesetzten Lockdowns und weiterhin Corona als einzig bestimmendem Thema fühlt es sich doch quasi so an, als hätte 2020 noch nicht einmal aufgehört. Außerdem möchte ich mir hier einfach - und sei es nur zur künftigen Analyse der autobiografischen Kulturgeschichte - einige der Höhepunkte des denkwürdigen Jahres 2020 in den Blog kleben. Los geht es mit den besten Liedern des Vorjahrs, ausgewählt sind die Songs jedoch mit dem Vorbehalt, keine Lieder zu verwenden, die auf einem der meiner bescheidenen Meinung nach zehn besten Alben des Jahres zu finden sind. Mithilfe dieser nerdigen Spielregel ist es deutlich leichter, versteckte Perlen und Einzelveröffentlichungen zu ihrer wohlverdienten Erwähnung kommen zu lassen. Alle zehn Songs gibt es auch hier als Spotify-Playlist.

10. The Weeknd: Save Your Tears

Ja ja, die blendenden Lichter waren natürlich der absolute Überhit des Jahres, auf den sich absolut jeder vom tiktok-Teen bis zum Antenne-Bayern-Mitwipper einigen konnte. Der beste Song auf The Weeknds eigentlich bereits 2019 erschienenem vierten Album "After Hours" ist jedoch der Retro-Synthie-Hit "Save Your Tears", der gekonnt die Soundwelten von Depeche Mode und Wham! miteinander vermählt.


Der legendäre Helge Schneider gießt das Lebensgefühl im Corona-Shutdown in gut drei Minuten sanft groovig-verjazzten Dada-Irrsinn mit Louis-Armstrong-Vibes: forever at home, forever alone, für immer zuhaus, allein wie Kevin.

8. Fenne Lily: I Used to Hate My Body But Now I Just Hate You

Bedroom Pop nennt man die verträumte, verhaucht introspektive Art der Folkmusik irgendwo zwischen Billie Eilish und Phoebe Bridgers heutzutage wohl. Und nun ja, das Label passt wie das Kopfkissen aufs dunkel umrandete Auge zur Britin Fenne Lily, die 2020 ihr zweites Album veröffentlicht hat, dessen Glanzstück dieser ebenso verletzliche wie abgeklärte Breakup-Song darstellt.


Julian Casablancas croont sich im besten Song der Strokes seit 17 Jahren durch einen von Bass und Snare Drum zackig nach vorn getriebenen Track mit gleich mehreren herrlichen Gitarren-Riffs, der Soundelemente aus allen Phasen der Bandgeschichte auf bestmögliche Art und Weise zu vereinen scheint.

6. Tocotronic: Hoffnung

Nachdem sie mit "Die Unendlichkeit" das beste Album 2018 veröffentlicht hatten, stand im letzten Jahr für Tocotronic die große Werkschau mit dem für das Jahr 2020 dann unselig prophetischen Titel "Sag alles ab" an. Der einzig neue Song auf der Kompilation wurde, obwohl der Text längst zuvor fertig gestellt war, als Hoffnungsschimmerhymne in der Trostlosigkeit des ersten Corona-Shutdowns vorzeitig veröffentlich und bietet, wie es im geraunten Text (samt Nino-de-Angelo-Pastiche) heißt ein kleines Stück Lyrics and Music gegen die Vereinzelung.


5. Billie Eilish: No Time to Die

Im Februar 2020 erschien der Song zum neuen Bond - der neue Bond hingegen erschien nie (im November 2021 soll es so weit sein). "No Time to Die" gelingt es, sowohl dem klassischen Bond- als auch dem "klassischen" Eilish-Sound treu zu bleiben und ist ein herrliches Stück  verhuschter Bombast-Pop.


4. Michael Stipe &  Big Red Machine: No Time For Love Like Now

Quasi wie eine amerikanische Version von Tocotronics "Hoffnung" bekam auch im Fall von Michael Stipes Supergroup-Kollaboration mit einer Komposition von Aaron Dessner von The National und Bon Iver Justin Vernon ein älterer Text durch die Corona-Pandemie zusätzliche Tiefe und Resonanz. Und mal ehrlich, dass Michael Stipe 2019 eine Zeile wie the lockdown memories can’t sustain schrieb, kann ja eigentlich nur Vorsehung gewesen sein. Dieses düsterer Pendant zum Evergreen "What the World Needs Now is Love" lässt nicht nur dank Michael Stipes unverkennbarem Timbre an lang vergangene Großtaten von R.E.M. zurückdenken.


3. Danger Dan: Nudeln und Klopapier

Der ultimative Corona-Lockdown-Hit des Jahres 2020 war die traurigschöne Pianoballade "Nudeln und Klopapier", entstanden während einer 14-tägigen Quarantäne im Heimstudio von Danger Dan, seines Zeichens hauptamtlich Rapper bei der Antilopen Gang. In den Lyrics treffen Komik und Melancholie und damit die unstete Gefühlslage aus dem von irritierenden Hamsterkäufen mitgeprägten Coronafrühjahr 2020 unmittelbar aufeinander und münden in der wunderbarsten Liebeserklärung, die 2020 möglich war: Jedes Blatt Klopapier auf dieser Welt, Cannelloni, Makkaroni, Spaghetti, Spirelli & Co., würd ich geben, würd ich geben, für ein Ende der Quarantäne, für einen Frühlingsspaziergang mit dir durch den Berliner Zoo.


2. Liam Gallagher: All You're Dreaming Of

Wie es Bing Crosby nicht sentimentaler hätte hinbekommen können, veröffentlichte Liam Gallagher im Dezember eine völlig ironiefreie, unverschämt kitschige Ballade zur Weihnachtszeit, die nur die zynischsten Grinchs völlig kalt lassen konnte. Gallaghers seit ein paar Jahren triumphal erholte Stimme und natürlich Streicher, Hörner und Chor umschmeicheln die Gehörgänge und erwärmen die Herzen. All that you're dreaming of.


1. Gorillaz feat. slowthai & Slaves: Momentary Bliss

Mit der ersten Veröffentlichung ihrer als bunte Jukebox angelegten "Song Machine" (die später im Jahr doch noch ganz konservativ als Album rauskommen sollte) im Januar legten die vier Comicfiguren um Damon Albarn wie so oft einen genresprengenden Song vor, der auch und vor allem dank der großartigen Features von Slaves und slowthai gleichzeitig experimentell Britpop, Ska, Punk und Grime-Rap vereint und dabei unverschämt eingängig und zum wilden Abzappeln einladend ist. Und wem das nicht gefällt, dem kann man nur die Hookline des Songs entgegenschleudern: It makes me sick to think you ain't happy in your skin!

Montag, 18. Januar 2021

Die beste Kur für den heutigen Blue Monday? "Blue Monday"!

I'm quite sure that you'll tell me / Just how I should feel today: Heute ist der dritte Montag im Januar und damit "offiziell" Blue Monday, der für die Stimmungslage wohl trübseligste Tag des Jahres. Zu den durchaus nachvollziehbaren Faktoren, die hierzu vom britischen Psychologen Cliff Arnall ins Feld geführt werden, gehören das Januarwetter, die seit Neujahr entweder schon wieder aufgegebenen oder schwer zu halten erscheinenden guten Vorsätze, der durch Dezember strapazierte Kontostand und in diesem Jahr erschwerend auch noch die allgemeine Corona-Schwermut.

Auch die Talking Heads wussten, dass man Feuer am besten mit Feuer bekämpft und in diesem Sinne empfehle ich als Kur für den Blue Monday Blue Monday von New Order, einen der wohl großartigsten Songs der Achtziger Jahre. Im Idealfall in voller Länge, signifikant lauter als Zimmerlautstärke und durchs Zimmer tanzend. Do it!



Donnerstag, 24. Dezember 2020

adlerkuss wartet aufs Christkind: Loriots Klassiker "Weihnachten bei Hoppenstedts" und der letzte Teil von adlerkuss' Hörbuch zu Charles Dickens' "Weihnachtslied"

Eine der absoluten Stern(halb)stunden des deutschen Fernsehhumors läuft heute insgesamt viermal, in der ARD gar im Double Feature mit der fast so legendären Weihnachtsfolge von Familie Heinz Becker: Der große Loriot lässt in perfekter Dialogregie und mit minutiösem Blick fürs Detail Opa Hoppenstedt ein Geschenk für seinen Enkel (oder seine Enkelin?) kaufen, während Frau Hoppenstedt Besuch von einem Vertreter für Einhandsaugbläser der Firma Heinzelmann ("Es saugt und bläst der Heinzelmann, wo Mutti sonst nur saugen kann!") bekommt, bevor es sich die Familie dann am Heiligen Abend unter dem Weihnachtsbaum ("grün und umweltfreundlich!") gemütlich macht. Die anderen Segmente der Episode fallen im Vergleich etwas ab, sind aber dennoch das eine oder andere Schmunzeln wert.

Wer zu den Sendeterminen keine Zeit hat (beispielsweise, weil sich es die Familie zu dem Zeitpunkt gerade gemütlich macht, Geschenke auspackt oder die Weihnachtssendung im dritten Programm ansieht), kann sich "Weihnachten bei Hoppenstedts" auch hier zum festlichen Gemüte führen.

Sogar noch festlicher ist das herzerwärmende, große Finale von adlerkuss' Hörbuch zu Charles Dickens "Weihnachtslied" - unbedingt anhören. 

Viel Vergnügen und ein friedliches, frohes Weihnachtsfest allerseits!


Mittwoch, 23. Dezember 2020

Chilly Gonzales' Weihnachtsspecial "A Very Chilly Christmas" und der vierte Teil von adlerkuss' erstem Hörbuch zu Charles Dickens' "Weihnachtslied"

Piano-Virtuose Chilly Gonzales war vor einigen Jahren schon einmal im Zuge von adlerkuss' liebster Weihnachtsmusi erwähnt worden, 2020 hat er nun sein erstes Weihnachtsalbum veröffentlicht und außerdem im Zusammenarbeit mit arte ein eigenes Weihnachts-TV-Special "A Very Chilly Christmas" produziert - natürlich eine Hommage an dieses ganz eigene, klassische TV-Genre zwischen Kitsch und wohlig weihnachtlichen Klängen. Und ebenso wie Bill Murray in "A Very Murray Christmas" vor 5 Jahren bei Netflix gelingt auch Chilly Gonzales ein allzu große Zuckrigkeit vermeidendes Kleinod voller Gaststars - bei Chilly glänzen vor allem Feist und der ja pauschal immer wunderbare Jarvis Cocker, die beide auch schon auf dem Album mit dabei sind. Die gereimten Dialogpassagen in der Rahmenhandlung zwischen Alison Wheeler als Santa Claus und Chilly Gonzales als dessen Psychiater sind teilweise etwas mühsam, die Musik entschädigt jedoch absolut:



Mehr darüber, was für ungeheuerliche Dinge der alte Geizhals Ebenezer Scrooge in Charles Dickens' legendärer Christmas Carol in der Weihnachtsnacht erlebt, hört ihr in adlerkuss' erstem Hörbuch in Fortsetzungen - vier von fünf Teilen sind bereits online. Das große, herzerwärmende Finale folgt dann am Vormittag des 24. Dezembers, um euch das Warten aufs Christkind zu verkürzen. Viel Vergnügen!

Sonntag, 20. Dezember 2020

Harald Lesch erklärt warum wir Weihnachten am 24. Dezember feiern und weitere Teile von adlerkuss' erstem Hörbuch zu Charles Dickens' "Weihnachtslied"

 Hatte Marias Gynäkologe den 24. Dezember als Geburtstermin ausgerechnet? Waren wegen der Weihnachtsferien keine Betten in den Hotels von Bethlehem mehr frei? Und wie kommen wir überhaupt darauf, den 24. Dezember als Datum der Geburt Jesu Christi zu behaupten?

In seiner bekannt launigen Art erläutert Physikprofessor und TV-Erklärbär Harald Lesch genau diese letzte Frage: Warum ist Weihnachten am 24. Dezember? 


Mehr darüber, was für ungeheuerliche Dinge der alte Geizhals Ebenezer Scrooge in Charles Dickens' legendärer Christmas Carol in der Weihnachtsnacht erlebt, hört ihr in adlerkuss erstem Hörbuch in Fortsetzungen - drei von fünf Teilen sind bereits online. "Der letzte Geist" folgt am 22. Dezember, "Das Ende" dann am Vormittag des 24. Dezembers, um euch das Warten aufs Christkind zu verkürzen. Viel Vergnügen!

Mittwoch, 16. Dezember 2020

adlerkuss im Advent: adlerkuss' liebste Weihnachtsmusi (26)


Für die letzte Adventswoche und die musikalische Untermalung des Weihnachtsfests gibt es heute noch einmal fünf weitere festliche Songperlen. Natürlich sind auch die neuen Songs aus diesem Jahr falls verfügbar auf der ultimativen Spotify-Playlist ergänzt.

Der vermutlich beste neue Weihnachtssong von 2020 ist "Christmas, Man" von New Ron, der ungeheuerlich glöckchenseelig die klassische Weihnachtsstimmung beschwört und dabei im Sound an sonnigen Westcoast-Poprock der 60er und 70er Jahre erinnert. Und natürlich haben die beiden Herrn von New Ron sehr recht, wenn sie den weihnachtlichen Geist im Refrain förmlich beschwören:

Christmas, man, we need you even more this year!




Indie-Tausendsassa Sufjan Stevens (dessen faszinierendes Gesamtwerk man hier kostenlos hören kann!) hat mit den Sammlungen "Songs for Christmas" von 2006 und dem teilweise sehr abgespaceden "Silver & Gold" 2012 stolze 100 (!) Weihnachtslieder veröffentlicht, da darf es nicht wundern, dass er hier auch bereits zum wiederholten Male Erwähnung findet. In "Barcarola (You Are A Christmas Tree)" geht es  um eine dysfunktionale Beziehung vor dem Hintergrund von Schnee und Weihnachtszeit. Trotz des     wunderbaren weihnachtlichen Kompliments You must be a Christmas tree (...) You light up the room     bleibt dem Erzähler nur die traurige und herzzerreißende Einsicht: You said you needed me /
But I know that you needed yourself to be cleaned of me. Der exaltierte Sound des Songs mit Steigerungvom sanften Gitarrengezupfe bis zum vollen Bandgetöse samt Chorgesang spiegelt das emotionale       Spektrums des Songs und vermutlich auch des Weihnachtsfestes an sich wunderbar wieder.



Das Rock'n'Roll-Stück "Santa Bring My Back Back to Me" erschien erstmals 1957 auf Elvis Presleys erstem Weihnachtsalbum und ist seinem Hit "Teddy Bear" aus demselben Jahr wie aus dem felligen Haar geschnitten. In Eleanor Friedbergers Coverversion von 2013 wird die leichtfüßige Rock'n'Roll-Atmosphäre mit der titelgebenden Bitte um die Rückkehr des oder der Geliebten durch eine düster-unheimlich Coda ergänzt: Hier wird die Titelzeile nun von exotische Rhythmen und flirrend-groovy Orgelklängen wie ein Mantra immer wieder wiederholt, sodass hier plötzlich wahnhafte Besessenheit oder gar dunkle Rituale ebenfalls wie eine Option erscheinen.



Der geneigte Freund der weihnachtlichen Klänge hat es vielleicht geahnt, gehofft oder auch befürchtet: Auch nach mehrjähriger Abstinenz führt hier bei adlerkuss liebster Weihnachtsmusi kein Weg an George Michaels ewiger Reminiszenz an die Liebschaft der vergangenen Weihnacht vorbei.  Denn auch 35 Jahre nach Erstveröffentlichung bleibt "Last Christmas" mit seiner titelgebenden Zeitlosigkeit, seinem hohen lyrischen Identifikationspotenzial, seinem gnadenlosen Uhrwurmfaktor und seiner rituellen Kultigkeit à la "Dinner For One" der beliebteste moderne Weihnachtssong überhaupt. In den deutschen Charts (ja, sowas gibt es noch) steht die Originalversion von "Last Christmas" aktuell auf Platz 2. Wir hören diesmal die erst vor zwei Wochen erschienene, herzlich rockende, aber den Geist der Vorlage durchaus Ernst nehmende Live-Variante von keiner geringeren als Miley Cyrus:



Noch einmal eine ganz andere Kategorie von Klassiker ist jedoch natürlich "Stille Nacht, heilige Nacht" von Franz Xaver Gruber und Joseph Mohr, das am Heiligabend 1818 in Oberndorf bei Salzburg uraufgeführt wurde. "Stille Nacht" gilt als das bekannteste Weihnachtslied überhaupt und wurde im Laufe der letzten fast 200 Jahren nicht nur von u.a. Elvis Presley, Bing Crosby (der von "Silent Night" mit 15 Millionen die drittmeisten Singles der Musikgeschichte verkaufte) den Roten Rosen oder John Denver mit den Muppets gesungen, sondern auch und vor allem von Millionen unterm Weihnachtsbaum versammelten Familien auf der ganzen Welt. Die schwedische Indiepop-Musikerin Annika Norlin präsentiert 2018 nun nicht einfach nur eine weitere Variante des Über-Hits, sondern wählt quasi die Making-of-Perspektive und erzählt von Entstehung, Uraufführung und Wirkungsgeschichte von "Stille Nacht, heilige Nacht" - ein fantastischer Ansatz und ein wunderbarer Song:



Sonntag, 13. Dezember 2020

adlerkuss liest vor: Charles Dickens - "Weihnachtslied"

 

Charles Dickens' Erzählung vom garstigen Geizkragen Scrooge, der in einer einzigen Nacht durch die Besuche mehrerer Geister geläutert wird, gehört dank der schaurigen Atmosphäre, der leidenschaftlichen Sozialkritik sowie des bis in die Haarspitzen weihnachtsseeligen Happy Ends zu den populärsten Werken des englischen Schriftstellers und wurde im Dezember 1843 erstmals veröffentlicht.

Zu den unzähligen Adaptionen, Parodien, Verfilmungen und weiteren Verarbeitungen gesellt sich mit dem heutigen Tag eine weitere hinzu: Ich freue mich sehr, hier unter dem Rubrikenname "adlerkuss liest vor" erstmals ein eigenes Hörbuch anzupreisen:

adlerkuss liest eine ungekürzte Version von Charles Dickens' "Weihnachtslied" in der klassischen Übersetzung von Richard Zoozmann in Fortsetzungen. Heute gibt es die 1. Strophe "Marleys Geist", die weiteren Teile folgen dann in den nächsten Tagen vor dem Heiligen Abend. Viel Vergnügen!


Dienstag, 8. Dezember 2020

Gone, but not forgotten: John Lennon starb heute vor 40 Jahren


Am 8. Dezember 1980 erschoss Mark Chapman in New York den damals erst vierzigjährigen Musiker, Friedensaktivisten und Ex-Beatle John Winston Ono Lennon. Hier drei seiner besten Songs abseits der Hits:



Isolation (1970)

Ein ergreifendes Klagelied der Entfremdung von der Gesellschaft, dessen Titel mehr nach 2020 als nach 1970 klingt. Zunächst nur mit Klavier und sanften Drums instrumentiert, nimmt der berührende Blues etwas später noch etwas an Fahrt auf und zu dramatischen Orgelklängen überführt Lennon die leicht jammerige Lonely-at-the-top-Elegie in eine Kurzbeschreibung der conditio humana:

I don't expect you to understand
After you caused so much pain
But then again you're not to blame
You're just a human, a victim of the insane

Oh My Love (1971)

Dieser Song vom Album "Imagine" (dort besonders gut wirkend im Sandwich zwischen den eher wütenden Klopfern "Gimme Some Truth" und dem McCartney-Diss-Track "How Do You Sleep?") ist zwar eins der zahllosen "Ich liebe Yoko"-Stücke aus Johns Solokarriere, bietet aber eine besonders bezaubernde Melodie und einen gewissen George Harrison an der Gitarre. 

 

Out The Blue (1973)

Und ja, auch hier geht es um die Liebe zu Yoko Ono, die aus dem Nichts (wörtlich Like a UFO you came to me) in Johns Lennon getreten war. Die Ballade beginnt akustisch, streift Gospel und Country  und endet mit großer, beinahe an den Beatles-Klassiker "The Long And Winding Road" erinnernder Produktion samt Engelschören überaus majestätisch. Der wohl beste Solo-Song von John Lennon, der keine Single war.

Sonntag, 6. Dezember 2020

adlerkuss im Advent: adlerkuss' liebste Weihnachtsmusi (25)

 

Zum heutigen 2. Advent gibt es zum ersten Mal seit gut drei Jahren neue Weihnachtsmusi hier bei adlerkuss. Ein wahres weihnachtsmusikalisches Highlight, das diese Woche wohl nur noch von Mariah Carey's brandneuem Special auf Apple TV getoppt wird, das schon im Trailer sowas von drüber aussieht, dass ich es mir ganz gewiss anschauen muss - wofür gibt es schließlich Probe-Abos?


Im Matthäusevangelium heißt es über Maria an einer Stelle, dass sie einen Sohn gebären und ihm den Namen Immanuel geben wird. Von dieser Namensvariante ist sonst nirgends in der Bibel die Rede, sie schafft es allerdings in den Titel eines der bekanntesten kirchlichen Adventslieder. 1722 taucht "O komm, o komm, Immanuel!" das erste Mal in deutschsprachigen Gesangbücher auf und auch die englische Variante wird spätestens im 19. Jahrhundert sehr populär. Grundsätzlich würde man das Lied als nicht unbedingt prädestiniert für weihnachtliches Headbangen empfinden, dem kalifonischen Duett Magnuson gelang jedoch eine herrlich düstere, gitarrenlärmige Metal-Version von "O come o come Emanuel", die eben hierzu einlädt:



Das R'n'B-Trio The Emotions stellte 1973 in einem fantastischen Hit die sehr berechtigte Frage: What do the lonely do at Christmas? Anklänge von Jingle Bells in Moll, die herzzereißenden ersten Zeilen "Tis the season to be jolly, but how can I be if I have nobody?" und so viel Soul in den Stimmen machen den Song der späteren Grammy-Gewinner zu einem zu Unrecht selten gehörten Weihnachtsklassiker.


Die niederländische Combo Moon Moon Moon kontrastiert in ihrer gerade dieses Jahr erschienenen Festtagsballade den für Erwachsene verlorenen Zauber des Weihnachtsfestes aus Kindertagen mit den durchaus vorhandenen Vorzügen der "Adult Christmas", wie zum Beispiel "Talking about the news and being able to grasp abstract concepts and understanding lyrics from The National". Dem kann man kaum widersprechen.



Countrylegende Willie Nelson schrieb bereits 1963 für Roy Orbison eine berührende Ballade über einen armen, Geschenkpapier verkaufenden Straßenhändler und die ihn im Konsumwahn übersehenden Weihnachtseinkäufer. Besonders ans Herz geht der Song in dieser sehr reduzierten Fassung aus der Roy Orbison Show: 
 



And now for something completely different: Gwen Stefani hat dieses Jahr ein Weihnachtsalbum aufgenommen (und äußerst ungeduldig bereits im September veröffentlicht)! Neben den offensichtlichsten Klassikern wie White und Last Christmas gibt es auch ein paar eigene Songs zu hören, darunter auch das äußerst charmante Duett mit Countrysänger und Gwens aktuellem Herzbuben Blake Shelton, dessen Big-Band-Swing vor allem in Verbindung mit dem herrlichen Musikvideo wohl nur den allerschlimmsten Scrooges kein Lächeln ins Gesicht zaubert:

Dienstag, 1. Dezember 2020

adlerkuss im Advent: adlerkuss' liebste Weihnachtsmusi (24)

 

Es ist das Comeback, auf das keiner mehr gewartet hatte: Ich bin wieder hier, in meinem Revier. Der gelbe Adler, dem böse Zungen eine phänotypische Ähnlichkeit zu einer Ente oder einem Huhn zu unterstellen pflegen, küsst und fliegt wieder!

Heute vor zehn Jahren, am 1. Dezember 2010, gab es in diesem Blog den ersten Teil von adlerkuss' liebster Weihnachtsmusi zu lesen und zu hören. Dieses schöne Jubiläum nahm ich dieser Tage zum Anlass, um alle bisherigen 23 Teile zu prüfen und im Laufe der Jahre nicht mehr funktionierende Links und Streams anzupassen und zu korrigieren. 

Ich freue mich also sehr, euch zum Durchstöbern, Nachlesen und Nachhören aller insgesamt 114 (!) Songs im Weihnachtsmusi-A(dle)rchiv einladen zu können, die eine ungeheure Bandbreite vom gänzlich unbekannten Soundcloud/Bandcamp-Upload bis hin zu den absoluten Klassikern des Genres abbilden.

Vor zehn Jahren, als hier erstmals Weihnachtslieder gepostet wurden, war Spotify in Deutschland noch nicht einmal verfügbar. Als zusätzliches Schmankerl zum zehnjährigen Jubiläum von adlerkuss' liebster Weihnachtsmusi habe ich die 71 bei Spotify vorhandenen Songs der Sammlung nun aber auch erstmals dort in einer Playlist versammelt:


Diese Playlist wird selbstverständlich auch mit allen neuen weihnachtlichen Klängen aus den kommenden Beiträgen von diesem Jahr ergänzt werden. Denn vielleicht waren die beschwörenden Worte aus Jerry Hermans Weihnachtsklassiker aus dem Jahr 1966 nie so relevant und aktuell wie im Pandemiejahr 2020:

For we need a little music, need a little laughter,
Need a little singing ringing through the rafter
And we need a little snappy, happy ever after
We need a little Christmas now!

Samstag, 18. Mai 2019

Eurovision Song Contest 2019: Das traditionelle Trinkspiel und der Stimmzettel für die Sofa-Jury

In knapp vier Stunden ist es wieder so weit, in Tel Aviv findet der 64. Eurovision Song Contest  (früher im deutschen Sprachraum oftmals frankophiler als Grand Prix Eurovision de la Chanson bekannt) statt – eines der größten Showspektakel der Welt, das alljährlich höchst interessante Einblicke in die Befindlichkeiten und Geschmäcker unseres vielfältigen Kontinents bietet. In diesem Jahr gibt es unter anderem isländischen Lederlärm, durch die Luft schwingende Australierinnen und weißrussischen Stusspop, der Britney Spears schon 2005 zu altmodisch gewesen wäre zu bestaunen.

Auch dieses Jahr bietet adlerkuss natürlich wieder über Mediafire zum direkten Download sowohl eine Wertungstafel für die Stimmabgabe der heimischen Sofa-Jury als auch das beliebte , feuchtfröhliche adlerkuss-ESC-Trinkspiel fürs heimische Sofa. 6681 Trunkenbolde, die das Trinkspiel in den letzten sieben Jahren bereits runtergeladen haben, können ja nicht irren!

Und für die Wartezeit bis es endlich losgeht eignet sich neben der urkomischen Eurosong-Episode der irischen Sitcom Father Ted auch dieses Interview mit dem deutschen Mr. Eurovision Peter Urban, der seit 1997 alljährlich für Deutschland den Eurovision Song Contest kommentiert.

Hier noch der schönste Song der beiden Halbfinals, der es leider nicht ins heutige Finale geschafft hat. Sehr schade um den coolen Beat und die fokloristischen Elemente. Spätestens wenn ihr heute Abend San Marino hört, werdet auch ihr euch wundern, warum zum Teufel es für Polen nicht gereicht hat.




Top 10 der besten Lieder beim Eurovision Song Contest: Die 90er Jahre (Platz 5-1)

Bevor es in einigen Stunden in Tel Aviv losgeht, hier noch der Rückblick auf die fünf besten Songs bei den 10 Eurovision Song Contests der Neunziger Jahre.

5. Danijela Martinović - Neka mi ne svane

1998 in Birmingham glänzte Danijela Martinović mit einer einer besonders schönen Variante des klassischen ESC-Subgenres der traurigen und gerne auch mal kitschigen Liebesballade vom Balkan. Und als wenn der Song nicht bereits anrührend genug wäre, verwandelt Danijela ihre Performance auch noch in eine Miniaturinszenierung des Andersenmärchens vom hässlichen Entchen: Zum zweiten Refrain reißt sie sich mit dramatischer Geste und unter dem Jubel des Publikums das schwarze Mäntelchen vom Leib und schmettert den Song als strahlend weißer Schwan zuende. Hach!



4. Linda Martin - Why me?

Die irische Dominanz beim Eurovision Song Contest begann 1992 in Malmö. Johnny Logan, der als Interpret ja in den 1980er Jahren bereits zweimal den Wettbewerb gewinnen konnte (und gar bei adlerkuss damit auf Platz 5 und Platz 1 der besten ESC-Songs der 80er gelandet war), war der Songwriter für Interpretin Linda Martin, die den nur textlich vor mangelndem Selbstbewusstsein strotzenden Schmachtfetzen mit genug Inbrunst vortrug, um die nationalen Jurys zu überzeugen. Johnny Logan selbst reduzierte dann das Pathos in seiner eigenen, ebenfalls sehr schönen Version von 2001 deutlich.



3. George Nussbaumer - Weils da guat got

1996 in Oslo gewann wenig überraschend Irland. Durchaus überraschend und erfrischend war hingegen der österreichische Beitrag zum ESC: George Nussbaumers Gospel-Groove "Weils da guat got" geht gleichermaßen ins Herz wie ins Bein und muss neben "Vo Mello bis ge Schoppornou" als bester Song aller Zeiten in Vorarlbergerischem Dialekt gelten. Nicht nur weil auch George Nussbaumer blind ist erinnert der Song mit seinem unglaublich mitreißenden Backgroundchor an Ray Charles' größte Hits. Ach wäre es nur allgemein gültig so, wie der deutsche Kommentator zum Ende des Songs hier im Video behauptet: "So sind sie, die Österreicher..."



2. Guildo Horn - Guildo hat euch lieb

Guildo Horn, Speerspitze des halbironischen Schlagerrevivals in Deutschland gegen Ende der 90er Jahre blies in drei Minuten voller Bühnenpräsenz und schweißtreibender Intensität den Muff von fast 40 Jahren vom ESC und verhalf mit seinem von Stefan Raab geschriebenen Beitrag zum Eurovision Song Contest 1998 dem Event in Deutschland ungeahnte neue Popularität. Auch Europa konnte dem durchgeknallten Charme der selbsterklärten "singenden Nussecke" kaum  widerstehen und wählte Guildo am Ende auf Platz 7. Rückblickend könnten sich die Songzeilen auch auf Guildos Auftritt von 1998 beziehen: "Es gab eine Zeit / eine Zeit voller Zärtlichkeit / da wurden knutschen und knuddeln und lieben / immer groß geschrieben." 



1. Toto Cotugno – Insieme 1992

Der Eurovision Song Contest 1990 in Zagreb ist - ein halbes Jahr nach dem Fall der Berliner Mauer - wie kaum ein anderer aufgeladen mit politischer Botschaft und teils anrührend naiver Hoffnung auf ein zusammenwachsendes Europa in Friede, Freiheit und Einigkeit. Die musikalisch mit weitem Abstand beste Auseinandersetzung mit der Thematik gelang dabei dem Italiener Toto Cotugno, dessen mitreßender Italo-Pop-Song  "Insieme 1992" sich im Titel auf die eben 1992 anstehende Gründung der Europäischen Union bezog. Fast beschwörend möchte man knapp dreißig Jahre später dem Kontinent angesichts des Brexit-Debakels und nationalistischer Tendenzen in vielen Mitgliedsstaaten Cotugnos englischsprachige Refrainzeile entgegen schmettern: "Unite unite Europe!"



Top 10 der besten Lieder beim Eurovision Song Contest: Die 90er Jahre (Platz 10-6)

Im Vorjahr blickte adlerkuss auf die neonfarbenen 80er Jahre beim Eurovision Song Contest zurück, nun ist das nächste Jahrzehnt an der Reihe. Die 90er Jahre brachten dem matt, träge und hoffnungslos altmodisch gewordenen Wettbewerb zumindest in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts diverse Reformen: das Landessprachegebot fiel und die Zuschauerabstimmung per Telefonanruf ersetzte die Landesjurys. Irland siegte zwischen 1992 und 1996 spektakuläre vier Mal und prägte mit eher balladeskem Plätschersound auch den Charakter der Beiträge. Kaum zu glauben, dass dies das Jahrzehnt des Eurodance gewesen war. Nach vollständiger Betrachtung aller zehn Wettbewerbe des Jahrzehnts in den letzten zehn Tagen (dauerhafte Schäden schließe ich nicht aus) hier Platz 10 bis 6 der gnadenlos subjektiven Top 10 der besten Lieder beim Eurovision Song Contest in den 1990er Jahren.

10. Aud Wilken - Fra Mols til Skagen

Dänemark erreichte 1995 in Dublin (wo sonst) mit einer rhythmisch spannenden und sehr atmosphärischen Ballade den fünften Platz. Geschrieben wurde der Song von Lise Cabble, die achtzehn Jahre später das Siegerlied "Only Teardrops" für Emmelie de Forest verfassen würde. Aud Wilken richtet sich im Text an ihren Geliebten und berichtet ihm, dass sie ihn von Mols bis Skagen vermisst. Selbst innerhalb Dänemarks ist das jetzt keine allzu signifikante Distanz und entspricht circa einer wenig spektakulären Beteuerung à la: "Ich vermisse dich von München bis Stuttgart." Über solch schwache Metaphorik kann der große Hase, der den kleinen Hasen ja bekanntlich bis zum Mond und wieder zurück liebt, nur schmunzeln.




9. Paul Harrington & Charlie McGettigan - Rock'n'Roll Kids

Mit der sentimental-nostalgischen Ballade für Klavier und Gitarre, die der erste Song der Eurovision-Geschichte war, der auf das begleitende Orchester komplett verzichtete, holte sich Irland 1994 in Dublin (wo sonst) den Hattrick und siegte das dritte Mal in Folge. Wie es Männer Mitte 40 eben so tun, trauern Paul und Charlie im Liedtext ihrer Jugend hinterher, als sie gerne Rock'n'Roll hörten und auch selbst rockten und rollten. In der letzten Strophe wird dann der Bezug zur Gegenwart dargestellt, in der natürlich alles anders ist und man selbst seine besten Freunde aus den Augen verloren hat. Hach ja. 




8. Justyna Steczkowska – Sama

Der polnische Beitrag zum Eurovision Song Contest 1995 in Dublin (wo sonst) ist für den Wettbewerb sehr ungewohnte Kost. Je nach Sichtweise wissen die avantgardistisch atonale Flöteninstrumentierung und die mystisch traurige Atmosphäre des Songs entweder zu verschrecken oder zu begeistern.  Björk dürfte auf dem heimischen Sofa in Reykjavik durchaus angetan gewesen sein, der Rest Europas war verschreckt und Justyna blieb mit diesem mutigen Kleinod eines Songs nur der 18. Platz.




7. Kali - Monté la riviè

Ganz und gar außereuropäisch karibische Klänge brachte Frankreich mit zum Eurovision Song Contest 1992 in Malmö. Auf Antillen-Kreolisch groovt sich der auch als politischer Songwriter bekannte Kali durch das haitianisch anmutende Lied und beschreibt die Reise auf dem titelgebenden Fluss des Lebens.




6. Secret Garden - Nocturne

Nachdem Irland 1992 bis 1994 tatsächlich den Hattrick geschafft hatte, siegte 1995 in Dublin (wo sonst) ein norwegischer Ethno-Folk-Titel mit dem bis dato kürzesten Text aller Eurovisiongewinner. Es werden nur 24 Wörter gesungen und die restliche Laufzeit dominiert ein durchaus leicht irisch-folkloristisch klingendes Geigensolo - zur Sicherheit auch gleich gespielt von einer irischen Violinistin. Zauberhaft!






Samstag, 12. Mai 2018

Eurovision Song Contest 2018: Das traditionelle Trinkspiel und der Stimmzettel für die Sofa-Jury

In knapp zwei Stunden ist es wieder so weit, in Lissabon findet der 63. Eurovision Song Contest  (früher im deutschen Sprachraum oftmals frankophiler als Grand Prix Eurovision de la Chanson bekannt) statt – eines der größten Showspektakel der Welt, das alljährlich höchst interessante Einblicke in die Befindlichkeiten und Geschmäcker unseres vielfältigen Kontinents bietet. In diesem Jahr gibt es unter anderem Schwermetaller aus Ungarn, eine sich selbst samplende Israelin und einen ukrainischen Vampir zu bestaunen.

Auch dieses Jahr bietet adlerkuss natürlich wieder über Mediafire zum direkten Download sowohl eine Wertungstafel für die Stimmabgabe der heimischen Sofa-Jury als auch das beliebte , feuchtfröhliche adlerkuss-ESC-Trinkspiel fürs heimische Sofa. 6378 Trunkenbolde, die das Trinkspiel in den letzten sechs Jahren bereits runtergeladen haben, können ja nicht irren!

Und für die Wartezeit bis es endlich losgeht eignet sich natürlich die urkomische Eurosong-Episode der irischen Sitcom Father Ted.

Hier noch ein sehr netter Moment aus dem zweiten Halbfinale von vorgestern - die von den Moderatorinnen vorgetanzte Geschichte des Eurovision Song Contest (man achte auch auf den springenden Blusenknopf bei 0:29!)


Top 10 der besten Lieder beim Eurovision Song Contest: Die 80er Jahre (Platz 5-1)

5. Johnny Logan: What's Another Year?

Beim ersten Eurovision Song Contest des Jahrzehnts schmachtete sich Johnny Logan mit Welpenblick und wunderbarer Stimme durch die saxophonsologeschwängerte, ebenso kitschige wie brillante Ballade "What's Another Year". Der Text kann als Ausruf eines unglücklichen Verliebten verstanden werden, der durchaus bereit ist, noch ein weiteres Jahr darauf zu warten, dass die Angebetete seine Gefühle doch erwidern möge. Songwriter Shay Healey beschrieb jedoch die Gefühle seines Vaters nach dem Tod seiner Mutter: "What's another year/To someone who is getting used to being alone?" Da bleibt kein Auge trocken. Eine tolle Coverversion produzierte übrigens 18 Jahre später der am anderen Ende der Schwiegermutterträume angesiedelte Shane McGowan.




4. Bobbysocks: La det swinge

Hanne Krogh und Elisabeth Andreassen hatten beide bereits zuvor mit mittlerem Erfolg beim Eurovision Song Contest teilgenommen, bevor sie für den Wettbewerb 1985 als Bobbysocks zusammen fanden. In dem Lied, dessen Titel auch norwegischunkundige Menschen korrekt als "Lass es schwingen" übersetzen würden, beschwören die beiden in lila Glitzerblousons gewandet wenig tiefgründig aber herrlich mitreßend das Vergnügen, zu einem altmodischen Rock'n'Roll-Song im Radio zu tanzen, zu rocken und, nun ja, zu schwingen.




3. Karoline Krüger: For vår jord

Auch drei Jahre später 1988 in Dublin wusste der norwegische Beitrag sehr zu überzeugen. Diesmal allerdings wartet die 18-jährige Karoline Krüger mit einer Öko-Pianoballade auf, in der eine "Wächterin der Erde" beschrieben wird, die sich als Außenseiterin in der Gesellschaft für die Erde einsetzt. Ganz unabhängig vom Text  bezaubert Karoline mit schöner Melodie und hymnischem Refrain samt "For vår jord"-Rufen der Hintergrundsänger. Für den Song reichte es an jenem Abend nur zu Platz 5, Siegerin wurde eine gewisse Céline Dion für die Schweiz.





 2. Nicole: Ein bisschen Frieden

Nachdem sie sowohl 1980 als auch 1981 bereits auf dem zweiten Platz gelandet waren, gelang es dem Songwriter-Duo Meinunger und Siegel 1982 gemeinsam mit der 17-jährigen Unschuld vom Lande Nicole endlich, den Eurovision Song Contest für Deutschland zu gewinnen. Die naive Friedenshymne traf in Zeiten des kalten Krieges (und auch das gastgebende Großbritannien hatte soeben Truppen in Richtung Falklandinseln entsandt) den Nerv der Zeit und ist sicherlich auch melodisch eine der feinsten Arbeiten von Ralph Siegel. Und wenn Nicole da mit ihrer Gitarre auf dem Barstuhl sitzt und mit glockenheller Stimme "Singt mit mir ein kleines Lied, dass die Welt in Frieden lebt!" trällert, gehört schon eine gehörige Portion Zynismus hinzu, hier ungerührt zu bleiben. 




1. Johnny Logan: Hold me now

What are another seven years, mag sich Johnny Logan gedacht haben, als er sieben Jahre nach seinem Sieg 1980 als bisher einziger Künstler ein zweites Mal beim Eurovision Song Contest triumphieren konnte. Ganz in weiß und mit sehr viel Leidenschaft präsentierte Logan seinen selbst geschriebenen Song, in dem er die Geliebte um eine letzte gemeinsame Nacht bittet, bevor sie sich von ihm trennen wird. Was man eben so macht. Viel Kitsch, ein schickes Arrangement (diese Hintergrundtrompete in der Strophe!) und ein epochaler Refrain mit starkem Mitsingimpuls machen "Hold Me Now" auch nach über 30 Jahren noch zu einem absoluten Highlight der Eurovision-Geschichte.